Taifun Rai: Ein Jahr nach der Katastrophe

Foto: Richard Dy

Zwei Familien in den Philippinen berichten, wie sie die Naturkatastrophe erlebt haben und wie sie langsam ihr Leben wieder aufbauen.

Mirasol erinnert sich vor allem daran, wie stark die Winde waren und wie sie gemeinsam mit ihrer Familie verängstigt darauf wartete, dass der Sturm vorüberzieht. „Der Sturm war so stark, dass wir nicht in unserem Haus bleiben konnten", berichtet die 42-Jährige. „Wir mussten drei Tage lang in einem Evakuierungszentrum bleiben. Als wir in unser Dorf zurückkehrten, fanden wir unser Haus überflutet vor. Nach dem Taifun hatten wir drei Wochen lang kein fließendes Wasser und drei Monate lang keinen Strom.“ 

„Nach dem Taifun hatten wir drei Wochen lang kein fließendes Wasser und drei Monate lang keinen Strom.“

Mirasol (42), Mutter von sechs Kindern

Vor einem Jahr verwüstete Taifun Rai die Philippinen

Taifun Rai, vor Ort bekannt als Odette, traf die Philippinen am 16. Dezember und fegte durch 11 der 17 Provinzen, darunter einige der ärmsten Teile des Landes. Der Sturm brachte sintflutartige Regenfälle, heftige Winde, Überschwemmungen und Sturmfluten mit sich. Insgesamt sind fast 10 Millionen Menschen von den Schäden betroffen. 

Taifun Rai war der letzte – und bei weitem der stärkste – von insgesamt fünfzehn Taifunen, die die Philippinen im Jahr 2021 heimsuchten. Extreme Wetterereignisse wie diese sind ein Vorbote für Schlimmeres, das noch kommen wird. Wissenschaftler warnen seit langem davor, dass die durch die vom Menschen verursachte Klimakrise steigenden globalen Temperaturen dazu führen, dass Taifune immer intensiver und häufiger werden. 

Gemeindebasierte Gesundheitsversorgung

Mirasol und ihr Ehemann Ernie (49), der als Schreiner arbeitet, hatten nach der Katastrophe Mühe, ihre Familie zu ernähren. Ihr Haus und damit ihr gesamtes Hab und Gut war beschädigt. Die beiden haben vier Kinder: Das älteste ist 22 Jahre alt und arbeitet in einem örtlichen Geschäft, das jüngste ist neun und besucht die vierte Klasse. Die Familie erhielt von Plan International Bargeld in Höhe von umgerechnet 60 Euro, um den unmittelbaren Bedarf zu decken. „Wir haben Reis und andere Lebensmittel gekauft und konnten andere lebensnotwendige Dinge bezahlen“, sagt Mirasol.

Als Gesundheitshelferin der Gemeinde kümmert sich Mirasol um die Gesundheit der Menschen in ihrem Dorf, insbesondere um die vulnerablen Mitglieder, wie Schwangere, Babys, Kleinkinder und alte Menschen. Nach dem Taifun besuchte Mirasol jeden Haushalt, um sicherzustellen, dass alle Gemeindemitglieder sicher und gesund sind. 

Die Familie sitzt in einem Raum und schaut in die Kamera.
Mirasol musste den Sturm mit ihrer Familie in einem Evakuierungszentrum ausharren. Plan International

Schäden an der Infrastruktur sorgen für Versorgungsengpässe

Da grundlegende Infrastrukturen, einschließlich Straßen, beschädigt oder zerstört wurden, haben viele lebenswichtige Güter die Gemeinde nicht erreicht – darunter auch Menstruationshygieneprodukte. Um zu helfen, organisierte Plan International die Lieferung von Hygiene-Kits, die an die jungen Frauen des Dorfes, darunter auch Evangeline, Mirasols 19-jährige Tochter, verteilt wurden. „Die Binden, die in dem Paket enthalten waren, waren eine große Hilfe für mich", sagt die junge Frau. „Das Paket enthielt auch andere Hygieneprodukte und ein paar Unterhosen.“

Evangeline sitzt im Schneidersitz in einem Zimmer und lächelt in die Kamera.
Evangeline hat ein Hygiene-Kit von Plan International erhalten. Plan International
Männer beladen ein Boot mit Kartons.
Weil die Infrastruktur in vielen Teilen des Landes durch den Taifun zerstört wurde, hatten die Bewohner:innen Schwierigkeiten, an lebenswichtige Güter zu kommen. Plan International

Es ist nun ein Jahr vergangen, seit der Taifun ihre Gemeinde erschüttert hat. Evangeline sagt, dass sie und ihre Familie sich langsam erholen. „Ich hoffe, dass meine Geschwister und ich unsere Schulausbildung beenden können. Und ich träume davon, dass wir eines Tages in einem besseren Haus leben können“, sagt sie abschließend.

Fischerei-Gemeinschaften wurden hart getroffen

Neben zahllosen Häusern und Infrastruktur hat der Taifun viele Lebensgrundlagen zerstört, insbesondere die der Bauern- und Fischergemeinden. Mercedita und ihr Mann Dominador leben auf der Insel Limasawana im Süden von Leyte vom Fischfang. Dominador fängt den Fisch, den seine Frau trocknet und an ihrem kleinen Fischstand an der Küste verkauft. 

„Über Nacht haben wir unsere Lebensgrundlage verloren.“

Mercedita

„Über Nacht haben wir unsere Lebensgrundlage verloren, denn unser Fischerboot, in dem sich auch unsere Fischereigeräte und -ausrüstung befanden, waren so kaputt, dass nichts mehr zu gebrauchen war. Auch die Hütte am Ufer, in der wir Tintenfisch und Fisch trocknen, wurde während des Sturms weggespült“, erklärt Mercedita. 

Zwei Frauen stehen vor einem Haus und unterhalten sich.
Mercedita spricht mit einer Helferin über die Herausforderungen, vor denen ihre Familie nach dem Taifun steht. Plan International
Zwei Eltern stehen gemeinsam mit ihrer Tochter vor einem Haus.
Mercedita und ihre Familie haben ihre Lebensgrundlage durch die Naturkatastrophe verloren. Plan International

Wie viele andere auf der Insel wurden auch Mercedita, Dominador und ihre vier Kinder obdachlos, nachdem ihr Haus durch den Taifun schwer beschädigt worden war. Obwohl die Familie in den ersten Wochen nach dem Taifun humanitäre Hilfe erhielt, waren ihre Vorräte schnell aufgebraucht. „Wir mussten einen Weg finden, um uns selbst zu versorgen, bevor uns die Lebensmittel ausgingen. Unser Boot haben wir verkaufen müssen, zu einem niedrigeren Preis, da die Reparatur unseres Hauses Vorrang hatte“, sagt Mercedita. 

Nachhaltige Hilfe zum Aufbau neuer Lebensgrundlagen

Um eine neue Einkommensquelle zu erschließen, nahmen Mercedita und Dominador einen kleinen Kredit auf, um Fisch zu kaufen, den sie trocknen und verkaufen konnten. Sie erhielten einen Zuschuss in Höhe von umgerechnet 174 Euro durch Plan International, mit dem sie ihr Fischereigeschäft wieder aufnehmen konnten. 

Ermöglicht wurde diese Unterstützung durch ein Projekt, das von den Europäischen Maßnahmen für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (ECHO) finanziert wurde. „Jetzt habe ich meine Lebensgrundlage wieder. Diese finanzielle Unterstützung hat uns geholfen, unser Leben wieder in den Griff zu bekommen“, erzählt Mercedita mit einem Lächeln. 

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