Eine neue Schule im ländlichen Liberia

Foto: Plan International

Ein Schulbesuch ist für viele Kinder im Bezirk Lofa nicht alltäglich. Ein Neubau schafft Perspektiven.

Weite Wege durch dichte Vegetation, das ist Alltag für viele Familien in Lofa. Hier im Norden von Liberia, wo viele Siedlungen weit verstreut liegen, ist der Zugang zu Schulen für Kinder eine tägliche Herausforderung. Bildung ist in dieser ländlichen Region nicht flächendeckend gewährleistet – es fehlt an öffentlichen Einrichtungen, sodass oft innerhalb der Gemeinschaften durch lokale Initiativen unterrichtet wird. Das soll sich jetzt ändern.

Drei Kinder in der neuen Schule in Lofa
Die Kinder in Lofa sind wissbegierig, brauchen aber bessere Rahmenbedingungen Plan International

Kinder wie Stewin und Touwo, beide 14 Jahre alt, sowie die zwölfjährige Fatou besuchen die vierte Klasse. Altersabweichungen innerhalb einer Klassenstufe sind in Liberia nicht ungewöhnlich. Ursächlich dafür sind beispielsweise die großen Distanzen zwischen den Wohnorten, temporäre Schulschließungen oder familiäre Verpflichtungen.

Der Schulweg beginnt für die Kinder häufig schon in den frühen Morgenstunden und führt über mehrere Kilometer. Der Unterricht findet in Klassenräumen statt, in denen viele Schülerinnen und Schüler gleichzeitig unterrichtet werden und Lernmaterialien nur begrenzt verfügbar sind. Dennoch formulieren die Kinder eine klare Erwartung an Bildung als Teil ihrer Zukunft. „Manchmal komme ich zu früh, weil ich keinen Unterricht verpassen möchte“, sagt Stewin. „Bildung ist meine Chance, meine Zukunft zu verändern.“

„Bildung ist meine Chance, meine Zukunft zu verändern.“

Stewin (14), Schüler aus Lofa

Aus der Sklaverei nach Westafrika

Im 19. Jahrhundert begannen freigelassene Sklavinnen und Sklaven aus den USA, sich in dem westafrikanischen Gebiet niederzulassen, das später Liberia werden sollte. Gleichzeitig lebten in dieser Region schon seit Jahrhunderten verschiedene einheimische Gemeinschaften.
Im 20. Jahrhundert geriet Liberia dann immer wieder in politische Krisen. Besonders die Bürgerkriege in den 1980er- und 1990er-Jahren hinterließen tiefe Spuren. Viele Menschen mussten fliehen, ganze Städte und Dörfer wurden zerstört und Schulen, Krankenhäuser und Straßen beschädigt. Lehrkräfte verließen ihre Posten und das Bildungssystem brach vielerorts zusammen. Der Wiederaufbau der Schulen und anderer staatlicher Einrichtungen verlief nur langsam, weil politische Unsicherheiten, Ressourcenknappheit und soziale Spannungen den Prozess erschwerten.

Ort in Liberia in Lofa mit umliegenden Häusern und Vegetationen
Dorflandschaft im liberianischen Lofa Plan International
Der Dorfvorsteher steht vor der alten Schule und betont die Herausforderungen
In Lofa hoffen die Gemeindemitglieder auf einen Brunnen, der auch der Schule zu besserer Wasserversorgung verhelfen könnte Plan International

Dieses Erbe ist auch Folge kolonialer Besatzung und darin begründeter Ausbeutung. Ressourcen sind in dem Land bis heute ungleichmäßig verteilt, auch und gerade im Bildungsbereich. Um diese strukturellen Lücken zu verringern, wird derzeit ein neues Schulgebäude errichtet, das von Plan International unterstützt wird. Das Vorhaben ist Teil laufender Projektaktivitäten, um die Bildungsinfrastruktur zu stärken und bessere Lernbedingungen für die Kinder zu schaffen.

Doch es bleiben auch dann noch Herausforderungen. Die neue Schule bräuchte mindestens sechs Lehrkräfte, derzeit steht indes nur eine einzige zur Verfügung, die den ganzen Tag zwischen den Klassen wechselt. „Ich gebe mein Bestes, um alle Kinder zu unterrichten“, sagt der Lehrer. „Aber es ist sehr schwierig.“

Die Folgen von mangelhafter Infrastruktur

Der Zugang zu Bildung steht im Zusammenhang mit guter Infrastruktur, insbesondere mit der Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser. In vielen ländlichen Regionen von Liberia existiert keine flächendeckende Versorgung mit Wasser. Stattdessen erfolgt die Beschaffung über offene Quellen oder gemeinschaftlich genutzte Wasserstellen.

Doch für viele Kinder ist die Wasserbeschaffung Teil des täglichen Lebens und sie findet vor dem Schulbesuch statt. Die dafür aufgewendete Zeit wirkt sich unmittelbar auf den Schulalltag aus. Verspätungen oder Fehlzeiten entstehen in diesem Zusammenhang nicht aus fehlender Motivation, sondern aus den strukturellen Bedingungen. Und mehr noch bedeutet eine fehlende Wasserversorgung an den Schulen, dass Mädchen ihre Periode oft nur unzureichend bewältigen können – und sie bleiben in der Zeit dem Unterricht fern.

Schüler in der neu gebauten Schule in Liberia im Unterricht
Derzeit müssen die Schulkinder aller Jahrgänge mit nur einem Lehrer auskommen Plan International

Wovon die Kinder von Lofa träumen

Mit dem neuen Schulgebäude ist ein wichtiger Schritt für eine bessere Zukunft gemacht. Und trotz der noch nicht vollständig gelösten Herausforderungen an ihrer Schule zeigen sich die Kinder zielstrebig und wissbegierig. Entsprechend selbstbewusst antworten sie auf die Frage, was sie später einmal machen wollen:

„Ich möchte Präsidentin werden“, sagt Stewin. „Ich möchte für Kinder sprechen und dafür sorgen, dass jedes Kind zur Schule geht.“
„Ich möchte Lehrerin werden“, sagt Touwo. „Damit ich zurückkommen und die Kinder in meiner Gemeinschaft unterstützen kann.“
„Ich möchte Ärztin werden,“ ergänzt Fatou, „um meiner Familie zu helfen und eine Klinik in unserem Dorf aufzubauen.“

Ihre Zukunftsvorstellungen spiegeln nicht nur Neugier wider, sondern auch den Wunsch, Verantwortung für ihre Gemeinschaft zu übernehmen. Gleichzeitig unterstreicht die Entschlossenheit der Kinder, wie wichtig nachhaltige Investitionen in Bildung bleiben.

Der Artikel wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Liberia erstellt.

Kinder aus Liberia stehen vor ihrer neuen Schule in Lofa und strecken ihre Hände hoch
Voller Neugier und Vorfreude: Die Kinder vor ihrer neuen Schule Plan International

Mit einer Patenschaft helfen

Plan International arbeitet seit 1982 in Liberia und setzt sich in dem westafrikanischen Land insbesondere für Bildung, Kinderschutz sowie sexuelle und reproduktive Rechte ein. Mit einer Patenschaft helfen Sie, die Lebenssituation für die Kinder und Familien in den Plan-Projektgebieten in Liberia langfristig zu verbessern. Zum Beispiel durch den Bau neuer Klassenzimmer, Spielplätze und geschlechtergerechter Toiletten.

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