„Schluss mit der Gewalt gegen Mädchen und Frauen!“

Foto: Plan International

Mädchen in Bolivien sind Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Außerdem gibt es kaum Ressourcen zur Förderung der reproduktiven Gesundheit und Rechte von Mädchen und Frauen. Eine junge Aktivistin will sich das nicht länger gefallen lassen.

Mit nur zwölf Jahren ist Andreína bereits eine bekannte Aktivistin in ihrer Gemeinde. Sie macht sich für die Rechte von Mädchen stark – und das mit viel Nachdruck: Wenn sie redet, dann macht sie das mit ihrem ganzen Körper. Sie spricht mit ihrer Stimme, ihren Händen und ihren Augen, wenn sie sagt: „Schluss mit der Gewalt gegen Mädchen!“ Für sie ist das nicht einfach eine Floskel, sondern eine unumstößliche Regel.

Andreínas Interesse an dem Thema wurde geweckt, als sie an dem ARRIBA-Projekt (deutsch: „Los geht’s!“ Oder: „Hinauf“) von Plan International teilnahm. Dort erfuhr sie mehr über die Diskriminierungen, mit denen Mädchen und Frauen konfrontiert sind, insbesondere in Bezug auf ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit und geschlechtsspezifische Gewalt. Diese Umstände wollte die Schülerin nicht hinnehmen: Sie schloss sich dem Plan-Jugendnetzwerk an, um etwas zu verändern. 

„Mein Ziel ist es, die Mädchen über ihre Rechte aufzuklären, damit sie besser Bescheid wissen und sich schützen können.“

Andreína (12), Aktivistin aus Bolivien

Andreína will die Situation von Mädchen verbessern

Seitdem engagiert sie sich in ihrer Gemeinde, führt Gespräche mit anderen Jugendlichen und spricht sogar an Schulen über das Thema. Manchmal, wenn Andreína eine Klasse besucht, um über sexuelle und reproduktive Gesundheit zu sprechen, lachen die Jungen. Sie ignoriert das. „Die Mädchen hören zu“, sagt sie stolz. „Mein Ziel ist es, die Mädchen über ihre Rechte aufzuklären, damit sie besser Bescheid wissen und sich schützen können.“

„Er ist wichtig, Andreínas Arbeit hervorzuheben, weil sie auch auf eigenen Erfahrungen beruht“, erzählt Mariela Fernández vom ARRIBA-Projektteam. „Sie musste schon viele schwierige Situationen durchstehen und hat es trotz allen Widerständen geschafft. Jetzt hilft sie anderen dabei, ihre Probleme zu lösen.“ Als Andreína acht Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. Einige Zeit darauf verlor sie ihren 20-jährigen Bruder, der an einem Nierenversagen starb. Heute lebt sie bei ihrem Vater, gemeinsam mit ihrer 22-jährigen Schwester, ihrem Zwillingsbruder und ihrer kleinen Nichte, die gerade laufen lernt.

Andreína steht vor einem Gebäude uns liest in einem Heft.
Andreína hat in einem Projekt von Plan International gelernt, wie Frauen in ihren reproduktiven und sexuellen Rechten eingeschränkt sind. Plan International
Nahaufnahme von Andreínas Gesicht. Sie grinst und streckt leicht die Zunge heraus.
Andreínas Temperament und Durchsetzungsstärke helfen ihr bei ihrem Unterfangen.Plan International

Jugendliche in Bolivien benötigen Ressourcen zur Aufklärung

In Chuquisaca, dem ländlichen Departement, in dem Andreína lebt, wandern jedes Jahr viele junge Menschen in die Städte ab, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Einige von ihnen verlassen bereits im Alter von zwölf Jahren ihre Familien. Mariela Fernández sagt, dass die meisten Mädchen in den Städten Hausangestellte werden. „Unser Ziel ist es, dass sie, bevor sie wegziehen, ausreichend Informationen über Verhütungsmethoden und sexuell übertragbare Krankheiten haben. Wir wollen, dass sie in der Lage sind, kluge Entscheidungen zu treffen.“

Im Jahr 2022 hat Chuquisaca dem Nationalen Gesundheitsamt bisher fast 2.000 Fälle von sexuell übertragbaren Krankheiten gemeldet. Von den Betroffenen sind 97 Prozent Frauen, und die meisten Fälle treten bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren auf. Allein im Februar 2022 wurden 229 Schwangerschaften im Teenage-Alter verzeichnet.

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte fördern

Das ARRIBA-Projekt arbeitet mit Tausenden von Jugendlichen in den bolivianischen Departements La Paz, Cochabamba, Chuquisaca und Tarija. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und der damit verbundenen Rechte. Es unterstützt Jugendliche, damit sie aufgeklärte Entscheidungen über ihre Körper treffen können. Dadurch werden auch frühe ungewollte Schwangerschaften verhindert und die Rate der Mütter- und Neugeborenen-Sterblichkeit sinkt. Darüber hinaus setzt sich das ARRIBA-Projekt auch für die Beseitigung geschlechtsspezifischer Gewalt und die Förderung der Gleichberechtigung ein. Für die Durchführung arbeitet Plan International mit der bolivianischen Organisation CIES zusammen.

Mädchen gezielt helfen

Wir von Plan International engagieren uns für den Schutz, die Bildung, die politische Teilhabe, die Gesundheit und die Einkommenssicherung von Mädchen und jungen Frauen. Mit einer Spende in den Mädchen-Fonds helfen Sie, Gleichberechtigung zu fördern und die Situation von Mädchen weltweit nachhaltig zu verbessern. 

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„Mehr als alles andere möchte ich, dass Mädchen keine Misshandlungen, keine körperliche oder psychische Gewalt mehr erleiden müssen.“

Andreína (12), Aktivistin aus Bolivien

Durch das Wissen aus dem ARRIBA-Projekt und den Ressourcen, die ihr durch das Jugendnetzwerk zur Verfügung stehen, wurde Anreína zu einer erfolgreichen Multiplikatorin: Sie teilt das Gelernte mit Kindern in ihrem Alter, aber auch mit Teenagern, die älter sind als sie. Die Tatsache, dass sie mit älteren Geschwistern groß geworden ist, merkt man an ihrer Durchsetzungskraft und ihrem Selbstbewusstsein. „Mehr als alles andere möchte ich, dass Mädchen keine Misshandlungen, keine körperliche oder psychische Gewalt mehr erleiden müssen. Ich will, dass die Menschen endlich lernen, uns besser zu behandeln“, sagt sie.

Gleiche Chancen für alle?

Am 11. Oktober 2022 feiern wir 10 Jahre Welt-Mädchentag! Für uns von Plan International ein besonderes Jubliäum, denn auf unsere Initative hin wurde der Welttag vor zehn Jahren von den Vereinten Nationen ernannt. Zum Jubiläum ziehen wir Bilanz in zehn Kernbereichen unserer Arbeit.

Themenbereich: Schutz vor Gewalt

Die Zahlen zu Gewalt an Mädchen und Frauen in der Ehe oder Partnerschaft sind in den vergangenen Jahren leider relativ unverändert geblieben. Durch die Corona-Pandemia hat Gewalt an Mädchen und Frauen zudem deutlich zugenommen. Umso wichtiger ist es, dass Machtverhältnisse verändert werden – denn sie sind dafür verantwortlich, dass Mädchen und Frauen in Krisen immer zu den Erste gehören, die von den Folgen übermäßig stark betroffen sind. Mädchen müssen befähigt werden, ihre starken Stimmen zu nutzen, damit sie Veränderungen in ihrem Umfeld herbeiführen können.

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