Ein Vorbild für andere Männer

Foto: Plan International

Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist im westafrikanischen Togo verbreitet. Ein junger Mann hat davon genug – und geht als Vorbild voran.

Schon als kleiner Junge war Kakarika die Ungleichheit in seinem Dorf in Togo aufgefallen. Die Ausgrenzung von Mädchen. Einige von ihnen wurden verspottet oder gar belästigt. „Niemand griff ein“, erinnert sich der heute 24-Jährige. „Dieses Verhalten schien normal zu sein, weil Erwachsene und andere Jungen es selten infrage stellten.“ Jahrelang blieb dies so – ein unangefochtener Kreislauf von Diskriminierung und Gewalt gegen Mädchen.

Ideen für einen positiven Lebenswandel

Zu wissen, dass eine Verhaltensweise nicht in Ordnung ist, mochte das eine sein. Es auszusprechen und damit offiziell zu machen, etwas anderes. Genau das geschah bei einer Veranstaltung zur Sensibilisierung von Jungen und Männern, an der auch Kakarika teilnahm. Sie wurde in dem Ausbildungszentrum organisiert, in dem der junge Mann das Schweißen lernte. Nun wurde er dort auch mit Konzepten von Geschlechtergleichstellung und positiver Männlichkeit bekanntgemacht – Ideen, die seine Lebenseinstellung verändern sollten.

„Ich muss als Junge auch eine Rolle dabei spielen, Mädchen zu schützen.“

Kakarika (24), Schweißer, Ausbilder und Gruppenvorbild in Togo
Ein Mädchen in rotem Kleid winkt in die Kamera
Dorcas (16) entscheidet über ihre Zukunft. Doch viele andere Mädchen in ihrer Gemeinde in Togo sind frühzeit von der Schule gegangen und verheiratet worden Plan International

„Zuerst dachte ich, dass der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt hauptsächlich Mädchen betrifft“, erinnert sich Kakarika. „Aber während der Diskussionen lernten wir, was positive Männlichkeit ist. Mir wurde klar, dass ich als Junge auch eine Rolle dabei spielen muss, Mädchen zu schützen und mich gegen Ungerechtigkeiten auszusprechen.“

Respekt und Fairness untereinander fördern

Die Schulung öffnete ihm die Augen für die Folgen von Gewalt, wie frühe Schwangerschaft, abgebrochene Ausbildungen und gescheiterte Lebensträume. „Ich erkannte, dass einige Verhaltensweisen, die wir für ‚normal‘ hielten, tatsächlich Gewalt waren“, sagt der Aktivist. Er lernte auch Gesetze zum Schutz von Auszubildenden kennen und erfuhr, dass es möglich ist, Missbrauch über eine spezielle Telefonhotline zu melden.

Motiviert durch dieses neue Verständnis trat er einem Jugendclub bei. Dort erweiterte er sein Wissen über die Gleichstellung der Geschlechter und Gewaltprävention. Heute ist der junge Mann ein Meister im Schweißen von Metallmöbeln oder -wassertanks. Er ist ein Schrotthandwerker, jemand, der aus alten Blechen und Metallteilen etwas Neues schafft – und dabei inzwischen drei Auszubildende beschäftigt. Bei ihnen nutzt er seinen Einfluss, um Respekt und Fairness gegenüber Mädchen und jungen Frauen zu fördern.

„Ich spreche mit meinen Auszubildenden darüber, dass es nicht in Ordnung ist, Mädchen zu belästigen.“

Kakarika (24), Schweißer, Ausbilder und Gruppenvorbild in Togo

„Ich spreche oft mit meinen Freunden und den Auszubildenden darüber“, sagt er. „Ich sage ihnen, dass es nicht in Ordnung ist, Mädchen zu schikanieren oder zu belästigen. Ich versuche, mit gutem Beispiel voranzugehen, indem ich jeden respektiere und andere dazu ermutige, dasselbe zu tun.“

Kakarikas Werkstatt ist zu einem Ort des Dialogs und des Wandels geworden. Er und seine Lehrlinge diskutieren über Gleichberechtigung und Respekt. Diese Bemühungen spiegeln eine wachsende Bewegung in Togo wider, die sich gegen schädliche soziale Normen wendet und sicherere Umgebungen für Mädchen fördern will.

Diskriminierung führt zu anhaltender Armut und Ungleichheit

Das sind wichtige Bestrebungen, denn geschlechtsspezifische Gewalt ist in dem westafrikanischen Land nach wie vor ein Problem, das die Rechte und Chancen von Mädchen und jungen Frauen untergräbt. Von Früh- und Zwangsehen bis hin zu Übergriffen in Schulen und Ausbildungszentren. Mädchen sind auch und gerade bei der technischen und beruflichen Bildung häufig mit Stereotypen, Sexismus und Missbrauch konfrontiert. Das hat hohe Abbruchquoten und einen eingeschränkten Zugang zu qualifizierten Berufen zur Folge.

Vier Männer in Afrika stehen vor einer Werkstatt für Metallarbeiten
Kakarika (24, re.) trainiert seine drei Auszubildenden in Schweißtechniken sowie zu positiver Männlichkeit Plan International
Ein Mann mit Schutzbrille hockt am Boden und schweißt Metall
Auf Bestellung fertigt Kakarika Trichter und andere Gegenstände aus Metall Plan International
Ein Mann hat Gartenmöbel aus Metall geschweißt, die er vorzeugt
Möbel, Kanister oder Maßanfertigungen für die Landwirtschaft: Kakarika hat nach seiner Ausbildung zum Schweißer eine eigene Metallwerkstatt eröffnet Plan International

Als Reaktion auf diese Probleme hat Plan International das Projekt „Stärkung der Zivilgesellschaft zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt in Togo” ins Leben gerufen, das von öffentlichen Gebern aus Schweden finanziert wird. Die Initiative konzentriert sich darauf, soziale Normen infrage zu stellen, Führungskräfte in den Gemeinden zu stärken und Überlebende von Gewalt zu unterstützen. Die Aktivitäten sind partizipativ, beziehen junge Menschen ein – sowohl Mädchen als auch Jungen. Und ein Ziel hat Kakarika seit seiner Teilnahme stets vor Augen: Mit positiver Männlichkeit geschlechtsspezifischer Gewalt entgegenzutreten – als Vorreiter des Wandels.

Kakarika glaubt, dass Veränderung mit dem Engagement jedes Einzelnen beginnt. „Wenn sich mehr Jungen zu positiver Männlichkeit bekennen würden, gäbe es meiner Meinung nach weniger Gewalt und mehr Respekt“, sagt er. „Mädchen könnten dann ohne Angst ihre Ausbildung abschließen.“

„Ich bin stolz darauf, Teil dieser Veränderung zu sein.“

Kakarika (24), Schweißer, Ausbilder und Gruppenvorbild in Togo

Damit dieser gelingt, sind gemeinsame Anstrengungen erforderlich – wobei Jungen und Männer eine entscheidende Rolle spielen. Im Plan-Projekt bleibt es Thema, ihr Bewusstsein zu schärfen und Aufklärungsarbeit für eine gleichberechtigte, gewaltfreien Zukunft zu leisten. „Ich bin stolz darauf, Teil dieser Veränderung zu sein“, sagt Kakarika.

Die Geschichte zu positiver Männlichkeit wurde mit Material aus dem togolesischen Plan-Büro aufgeschrieben.

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Mit der Übernahme einer Kinderpatenschaft helfen Sie nicht nur Ihrem Patenkind und seiner Familie, sondern auch dabei, die Programme von Plan International vor Ort umzusetzen. In Togo setzen wir uns unter anderem dafür ein, dass gleichberechtigt Bildungsangebote gemacht, die gesundheitliche Versorgung ausgebaut sowie berufliche Perspektiven geschaffen werden – und sich dadurch die Lebensbedingungen für Kinder, Familien und Gemeinden in den ländlichen Gebieten langfristig verbessern.

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