Care-Arbeit sichtbar machen

Foto: Anerkennung von Care-Arbeit

Rosana besucht Familien in Paraguay und zeigt ihnen, wie sie ihre Kinder mit einfachen Mitteln fördern können. Gleichzeitig setzt sie sich dafür ein, dass die Menschen, die Care-Arbeit leisten, mehr Anerkennung und Rechte erhalten.

Puzzles, Bilderbücher und ein bunter Ball: Viel mehr braucht Rosana nicht, wenn sie Familien im paraguayischen Departamento Caaguazú besucht. Was auf den ersten Blick wie der Inhalt einer Kita-Tasche aussieht, ist ihr Werkzeug für eine ganz besondere Aufgabe. Die 36-Jährige unterstützt Eltern und andere Betreuungspersonen dabei, ihren Kindern gerade in den ersten Lebensjahren die Förderung zu geben, die sie brauchen – oft mit ganz einfachen Mitteln.

Rosana ist Juristin, Lehrerin und Fachkraft für frühkindliche Bildung. Seit einem Jahr ist sie außerdem selbst Mutter. Es sind Rollen, die für sie inzwischen eng miteinander verbunden sind.

„Meine erste Aufgabe ist es, Mutter eines zwölf Monate alten Kindes zu sein, das all die normalen Entwicklungsphasen durchläuft“, erzählt sie. „Meine zweite Aufgabe besteht darin, Familien in benachteiligten Gemeinden zu unterstützen.“

„Die individuellen Besuche von Haus zu Haus sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Ansatzes.“

Rosana, Juristin, Mutter und Sozialarbeiterin
Porträt von Rosana auf einem Spielplatz. Sie steht im Freien vor bunten Spielgeräten und blickt in die Kamera.
Mit ihrer Arbeit möchte Rosana nicht nur einzelne Familien stärken, sondern auch dazu beitragen, dass Care-Arbeit als wichtige gesellschaftliche Aufgabe sichtbar wird Plan International

Von Haus zu Haus für die Kleinsten

Rosana arbeitet mit Familien, deren Kinder jünger als drei Jahre sind. Sie zeigt Eltern, wie entscheidend ihre Rolle gerade in den ersten Lebensjahren eines Kindes ist.

Die Menschen, die sie besucht, stehen häufig vor großen Herausforderungen. Manche Familien haben kein verlässliches Einkommen, andere leben weit entfernt von Gesundheitseinrichtungen. Auch fehlende Bildungschancen gehören zu den Problemen, denen Rosana in den Gemeinden begegnet. Um die Familien wirklich zu erreichen, reicht es deshalb nicht, Informationen weiterzugeben. Mindestens ebenso wichtig ist es, Vertrauen aufzubauen.

Statt die Familien zu gemeinsamen Treffen einzuladen, besucht Rosana sie einzeln zu Hause. Sie setzt sich zu Eltern und Kindern, hört ihnen zu und zeigt ihnen einfache Möglichkeiten, wie sie die Entwicklung der Kleinsten im Alltag fördern können.

„Die individuellen Besuche von Haus zu Haus sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Ansatzes“, erklärt sie. „Zu den Herausforderungen, die ich in den Gemeinden beobachte, gehören fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten, Kinder, die nicht zur Schule gehen, und ein eingeschränkter Zugang zur Gesundheitsversorgung.“

„Von der Geburt bis zum Alter von drei Jahren braucht ein Kind eigentlich nur seine Mutter, seinen Vater oder eine andere Betreuungsperson. Anwesenheit. Eine Stimme. Die Hände eines Menschen, der es liebt.“

Rosana, Mutter eines einjährigen Kindes

Manchmal braucht es nicht mehr als einen Ball

Was Rosana für ihre Arbeit benötigt, trägt sie auf dem Rücken. Jedes Teil in ihrem Rucksack erfüllt dabei einen Zweck: Puzzles fördern die Feinmotorik, Bilderbücher regen zum gemeinsamen Anschauen und Erzählen an, ein Ball bringt Kinder in Bewegung und stärkt ihre Grobmotorik.

Die Materialien zeigen zugleich, dass frühkindliche Förderung nicht von teurem Spielzeug abhängen muss. Entscheidend ist für Rosana vielmehr die Beziehung zwischen Kindern und den Menschen, die sie täglich begleiten.

„Von der Geburt bis zum Alter von drei Jahren braucht ein Kind eigentlich nur seine Mutter, seinen Vater oder eine andere Betreuungsperson“, sagt sie. „Anwesenheit. Eine Stimme. Die Hände eines Menschen, der es liebt.“

 

Ein kleines Mädchen spielt gemeinsam mit einer Betreuerin mit Bällen. Die beiden sitzen einander zugewandt und beschäftigen sich gemeinsam mit dem Spielzeug.
Symbolbild aus einem anderen Plan-Projekt in Paraguay: Eine Betreuerin und ein kleines Mädchen spielen gemeinsam mit Bällen. Das Foto entstand im Rahmen des SOAR-Projekts, das ebenfalls Frauen im Care-Sektor unterstützt Plan International

Seit der Geburt ihrer eigenen Tochter betrachtet Rosana diese Aufgabe noch einmal mit anderen Augen. Die Erfahrung als Mutter habe ihr verdeutlicht, welche Verantwortung Betreuungspersonen jeden Tag tragen.

„Eine Betreuungsperson zu sein bedeutet, sich vollständig einzubringen: körperlich, psychisch und emotional“, sagt sie. „Für mich ist es unglaublich wichtig, dass die Rolle von Betreuungspersonen die Anerkennung erhält, die sie verdient.“

Wenn wichtige Arbeit unsichtbar bleibt

Rosanas Hausbesuche sind nur ein Teil eines größeren Ansatzes. Das Projekt „Más Derechos, Mejores Cuidados“ – „Mehr Rechte, bessere Betreuung“ – richtet den Blick auch auf diejenigen, die diese Fürsorge jeden Tag leisten, und auf die Bedingungen, unter denen sie arbeiten.

Denn obwohl Care-Arbeit für Kinder, Familien und die Gesellschaft unverzichtbar ist, wird sie überwiegend von Frauen geleistet und bleibt häufig unbezahlt, wenig wertgeschätzt und ohne formale arbeitsrechtliche Absicherung.

Das Projekt will Betreuungspersonen deshalb nicht nur in ihrer täglichen Arbeit unterstützen, sondern auch ihre Rechte stärken. Neben den Hausbesuchen finden Workshops statt, in denen Mütter und andere Betreuungspersonen mehr über Arbeitsrechte, Führungsfähigkeiten und Möglichkeiten erfahren, für ihre Interessen einzutreten.

Damit sie an den Schulungen teilnehmen können, ohne sich gleichzeitig um ihre Kinder kümmern zu müssen, gibt es betreute Spielbereiche für die Kleinen.

Doch Veränderung soll nicht nur innerhalb der Familien und Gemeinden stattfinden. Das Projekt arbeitet auch mit staatlichen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Gemeinsam setzen sie sich für politische Rahmenbedingungen ein, die Care-Arbeit als würdevolle Arbeit anerkennen und den Menschen, die sie leisten, Rechte, Schutz und Unterstützung ermöglichen.

Mehr Anerkennung für diejenigen, die Fürsorge leisten

Für Rosana gehören beide Seiten ihrer Arbeit zusammen: die Begegnung mit einzelnen Familien und der Einsatz für langfristige gesellschaftliche Veränderungen. Denn eine stärkere Anerkennung von Care-Arbeit kommt nicht nur den Menschen zugute, die sie leisten. Sie schafft zugleich bessere Voraussetzungen für Kinder, gesund aufzuwachsen und sich zu entwickeln.

Rosana hofft deshalb, künftig noch mehr Gemeinden zu erreichen und mehr Betreuungspersonen unterstützen zu können.

„Als Mutter habe ich viele Dinge gelernt, die ich vorher nicht wusste“, erzählt sie. „Heute verstehe ich wirklich, wie wichtig es ist, Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten – besonders in den ersten Lebensjahren.“

Was Rosana bei ihren Hausbesuchen bewirkt, lässt sich deshalb nicht allein am Inhalt ihres Rucksacks messen. Es zeigt sich im Vertrauen der Eltern in ihre eigenen Fähigkeiten und in der Beziehung zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen. Und in einem wachsenden Bewusstsein dafür, dass Fürsorge keine unsichtbare Selbstverständlichkeit ist, sondern Arbeit, die gesehen und wertgeschätzt werden sollte.

Eine Betreuerin kniet vor einem kleinen Jungen und spricht auf Augenhöhe mit ihm. Der Junge steht ihr gegenüber und hört ihr zu.
Auf Augenhöhe: Eine Betreuerin spricht mit einem kleinen Jungen. Das Foto stammt aus dem SOAR-Projekt, einem anderen Projekt von Plan International in Paraguay, das Frauen im Care-Sektor stärkt Plan International

Über das Projekt

„Más Derechos, Mejores Cuidados“ ist ein Projekt von Plan International in Paraguay. Ziel ist es, die sozialen und arbeitsrechtlichen Rechte von Menschen zu stärken, die in der frühkindlichen Betreuung tätig sind.

In Paraguay wird das Projekt in Asunción sowie in den Departamentos Central, Caaguazú, Guairá und San Pedro umgesetzt. Gemeinsam mit dem Centre for Documentation and Studies (CDE), Mil Solidarios und CONAMURI unterstützt Plan International Betreuungspersonen durch Schulungen, die Förderung von Führungskompetenzen und die Vermittlung von Wissen über ihre Rechte. Gleichzeitig setzt sich das Projekt für politische Rahmenbedingungen ein, die Care-Arbeit als würdevolle Arbeit anerkennen und Betreuungspersonen Rechte, Schutz und institutionelle Unterstützung sichern.

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Sie möchten dabei helfen, die Lebensumstände von Kindern – insbesondere Mädchen und jungen Frauen – sowie ihren Familien in Lateinamerika sowie Afrika und Asien zu verbessern? Plan International setzt sich in seinen Programmländern dafür ein, den Menschen Zugang zu Bildung und Einkommen, aber auch zu sauberem Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen, Gesundheitsdiensten, Kinderschutz und Nothilfe zu ermöglichen. 

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