Vom Alltag in einer Notunterkunft

Foto: Plan International

Extreme Niederschläge sorgten im Januar 2026 für Überschwemmungen im Süden von Mosambik. Viele Familien sind bis heute auf Hilfe von außen angewiesen.

Aufgrund der schwersten Fluten seit einer Generation mussten Zehntausende Menschen Anfang dieses Jahres allein in der mosambikanischen Provinz Gaza ihre Dörfer verlassen und in Notunterkünfte umsiedeln. Unter ihnen waren auch Filda und Salmina – zwei Frauen, die zwar in einem von insgesamt 41 Geflüchtetenlagern vor den Überschwemmungen in Sicherheit waren, dort aber sehr begrenzte Ressourcen vorfanden.

„Ich kam gegen zwei Uhr morgens an“, erinnert sich Salmina, die zwischen eng gelegten Matten und Decken sitzt, die ihr hier im Süden von Mosambik als provisorisches Zuhause dienen. Im siebten Monat schwanger und Mutter von zwei Kindern, lief die 26-Jährige mit ihrer Familie zwei Stunden lang, um diese Notunterkunft zu erreichen. Salmina kämpft darum, ihre Würde an einem Ort zu bewahren, der nicht für so viele Menschen ausgelegt ist: „Wir sind in einer Grundschule untergebracht und schlafen dicht gedrängt – Frauen und Kinder auf der einen Seite, Männer auf der anderen.“

Zwei Frauen tragen Güter auf einen Kopf und laufen durch ein überschwemmtes Feld
Zwei Frauen im Überschwemmungsgebiet im Süden von Mosambik Plan International
Eine Frau steht in einem Zelt und erzählt angeregt
Salmina (26) kämpft in der Notunterkunft darum, ihre Würde zu bewahren Plan International
Blick auf ein flaches Gebäude, vor dem Mneschen auf Kisten hocken
Die Räume einer Schule wurden zu provisorischen Notunterkünften umfunktioniert Plan International

Auf der Suche nach einem normalen Alltag

In der Notunterkunft werden sie mit zwei Mahlzeiten am Tag versorgt. Doch schwangere Frauen wie sie erhalten dieselben Rationen wie alle anderen und Hygiene ist die größte Herausforderung. „Es gibt nur zwei Toiletten für alle – Kinder, Erwachsenen, älteren Menschen und Kranken“, sagt Salmina. „Auch Wasser ist knapp, um die Kinder zu versorgen, sich zu waschen oder Wäsche zu waschen.“

Während sie darauf wartet, dass der Hochwasserstand sinkt, sind ihre Gedanken bei dem Alltag, den sie noch vor wenigen Wochen hatte. „Ich vermisse mein Zuhause. Wir wissen nicht, was wir tun werden, wenn wir zurückkehren. Wir hatten ein kleines Stück Land, aber der Regen hat alles zerstört: die Zwiebeln, den Reis und den Mais.“

„Es gibt nur zwei Toiletten für alle – Kinder, Erwachsenen, älteren Menschen und Kranken.“

Salmina (26), Mutter im Süden von Mosambik

Auch die 24-jährige Filda hat sich mit ihrer Mutter, zwei Brüdern und ihrer Schwägerin samt Neffen in einer Notunterkunft der Provinz in Sicherheit gebracht. Die sechsköpfige Familie teilt sich ein Zelt – mit einer anderen siebenköpfigen Familie. „Seit meiner Ankunft weiß ich noch immer nicht, wann ich nach Hause zurückkehren kann.“

Wenn es an grundlegenden Ressourcen fehlt

Die Notunterkunft bietet Platz für rund 5.800 Familien, die alle auf tägliche Wasserlieferungen und die Gemeinschaftseinrichtungen angewiesen sind. „Der Alltag hier im Zentrum ist geprägt von Wartezeiten“, sagt Filda, die jeden Tag Stunden damit verbringt, Wasser zu bekommen. Es ist nur von acht bis zwölf am Vormittag und am späten Nachmittag erhältlich – und die Warteschlangen dafür scheinen schier endlos.

Für Filda ist der Umgang mit ihrer Periode eine zusätzliche Quelle von Stress und Unbehagen. „Die Toiletten werden gemeinsam genutzt, und während der Menstruation werden die Bedingungen besonders schwierig“, sagt sie. „Es gibt Tage, an denen ich mich lieber draußen waschen – nur um ein wenig Privatsphäre und Würde zu haben.“
Als Reaktion auf die Krise verteilt Plan International Hygiene- und Sanitätssets an Frauen und Mädchen. „Mit den Binden fühle ich mich sicherer. Sie machen einen echten Unterschied in unserem Alltag“, sagt Filda, die eines der Sets erhalten hat.

Eine Frau sitzt auf einem Eimer mit dem Logo von Plan International
Filda (24) hat für sich und ihre Familie ein Hygiene- und Sanitätssets von Plan International erhalten Plan International

„Mit den Binden fühle ich mich sicherer. Sie machen einen echten Unterschied in unserem Alltag.“

Filda (24), floh mit ihrer Familie vor den Fluten im Süden von Mosambik
Frauen mit Plastikeimern in den Händen drängen um einen Schlauch, aus dem Wasser sprudelt
Nach langer Wartezeit bekommen diese Frauen Zugang zu Trinkwasser Plan International
Kinder sitzen auf dem Boden und malen
Im Kinderschutzzentrum können Kinder spielen, malen und lernen Plan International

Schutz vor sexueller Ausbeutung und Missbrauch

Die Kinderrechtsorganisation setzt sich zudem dafür ein, sexuelle Ausbeutung und Missbrauch in den Notunterkünften zu verhindern – zum Beispiel durch die Einrichtung von drei mobilen, kinderfreundlichen Räumen. Diese sogenannten „child friendly spaces“ sind eine Schutzmaßnahme, solange die Familien aus ihren Heimatregionen vertrieben sind.

Auch wenn diese Unterstützung die materiellen Verluste der Menschen nicht ungeschehen machen können, so bieten sie ihnen doch Erleichterung und Hoffnung in einer Zeit der Entbehrung. Derweilen warten alle sehnlich auf den Tag, an dem sie nach Hause zurückkehren können. „Ich möchte einfach mein Leben weiterleben“, sagt Filda.

Die Geschichte von Filda und Salmina wurde mit Material aus dem mosambikanischen Plan-Büro erstellt.

Der Nothilfe-Fonds

Weltweit nimmt die Zahl der Krisen zu: Naturkatastrophen, Hunger, Vertreibung, Fluchtbewegungen und bewaffnete Konflikte bedrohen Gesundheit, Lebensgrundlagen sowie die Zukunft von Millionen Menschen. Gerade Kinder sind in unübersichtlichen Situationen der Not oft diejenigen, die am wenigsten Beachtung finden.

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