Wissen teilen, Vernetzung fördern
Plan Post: Der Begriff „LEAD“ ist sehr abstrakt und für viele schwer greifbar. Können Sie kurz erklären, was er bedeutet?
Smriti Rai: Gern. LEAD (dt.: Leiten) ist ein strategischer Ansatz von Plan International, der sich durch sämtliche Projekte und Arbeitsbereiche der Organisation zieht. Ziel ist es, die Teilhabe junger Menschen – und insbesondere Mädchen und junger Frauen – zu stärken, damit sie gesellschaftlichen und politischen Wandel mitgestalten können und in die Lage versetzt werden, führende Rollen zu übernehmen. Dies bedeutet, junge Menschen sowohl intern strategisch in Entscheidungsprozesse einzubinden als auch kollektive Aktionen von Jugendorganisationen gezielt durch Projekte und Programme zu unterstützen.
Das Plan-Büro in Deutschland hat hierbei eine Führungsrolle im internationalen Plan-Verbund. Wir sind die zentrale Stelle für das Thema und sorgen dafür, dass Aktivitäten regelmäßig evaluiert werden, Wissen aus verschiedenen Ländern und Projekten miteinander geteilt wird und Vernetzung stattfindet. So wollen wir unsere Arbeit in dem Bereich stetig weiterentwickeln und verbessern.
Was ist dabei Ihre Aufgabe?
Ich bin Teil eines dreiköpfigen Teams, das in Berlin ansässig ist und eng mit dem Global Hub, dem Hauptsitz von Plan International in Großbritannien, zusammenarbeitet. Während meine Kollegin Marilena Bachmeier als „LEAD Advisor“ zentrale Ansprechpartnerin für alle programmatischen Fragen rund um LEAD ist und jährlich ein globales Reporting über Plans Aktivitäten in diesem Bereich erstellt, ist ein Schwerpunkt meiner Arbeit das Wissensmanagement.
Es gibt aktuell Plan-Büros in 83 Ländern. Ich stelle sicher, dass alles, was diese zu „LEAD“ veröffentlichen, geteilt bzw. an einem zentralen Ort im Internet zugänglich gemacht wird – zum Beispiel Berichte, Studien oder neue Erkenntnisse. Zudem halte ich die LEAD-Elemente in sämtlichen Plan-Projekten im Blick. Wenn es interessante Entwicklungen oder Erfolgsgeschichten gibt, setze ich mich mit den entsprechenden Kolleg:innen in Verbindung. Ich unterstütze sie dann dabei, diese so aufzubereiten, dass auch andere Stellen sie für ihre Arbeit nutzen können. Auch entwickeln wir Formate zur Wissensvermittlung, wie Seminare und Trainings, und sind stets auf der Suche nach geeigneten Plattformen, wo wir unsere Erkenntnisse teilen können – auch über die Plan-Welt hinaus. Plan International ist in den letzten Jahren beispielsweise zu einem gefragten Partner für das Thema „Jugendbeteiligung“ geworden.
„Jugendliche sollen nicht nur von unseren Projekten profitieren, sondern diese auch aktiv mitgestalten.“
Ein weiterer Aspekt meiner Arbeit ist es, relevante Akteur:innen in diesem Bereich miteinander zu vernetzen. Dazu organisieren wir regelmäßig Austauschtreffen – sowohl digital als auch Veranstaltungen an verschiedenen Orten weltweit. Bei diesen bringen wir internationale Plan-Expert:innen zusammen und binden vor allem Jugendliche mit ein. Sie sollen nicht nur von unseren Projekten profitieren, sondern diese auch aktiv mitgestalten. Insgesamt geht es darum, voneinander zu lernen, gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln – und so Jugendbeteiligung auf allen Ebenen zu stärken.
Haben Sie ein konkretes Beispiel dafür?
Ein Erfolg des LEAD-Netzwerkes ist zum Beispiel die gemeinsame Entwicklung der „Young Citizen Score Card“ – ein Tool, das nun in verschiedensten Projekten von Plan International und darüber hinaus erfolgreich zum Einsatz kommt. Es handelt sich um eine Methode zur sozialen Rechenschaftspflicht, mit der Jugendliche öffentliche Dienste bewerten, auf Missstände aufmerksam machen und ihre Regierungen zum Handeln bewegen können.
Diese Methode wird kontinuierlich weiterentwickelt und weltweit genutzt. Wir haben gerade wieder mehrere Anfragen für Schulungen dazu erhalten – sowohl von Plan-Mitarbeiter:innen als auch von Jugendlichen – und planen aktuell Trainingseinheiten in neun verschiedenen Ländern.
Ein weiteres Beispiel ist die aktuelle Veröffentlichung eines Leitfadens für wirkungsvolle Jugendbeteiligung, an dem wir die letzten drei Jahre gearbeitet haben. Die Handreichung ist in Zusammenarbeit mit einer von Jugendlichen geführten Organisation entstanden und bietet eine Anleitung, wie wir junge Menschen sinnvoll einbinden können und die von uns entwickelten Projekte noch besser auf ihre Bedürfnisse eingehen können.
Warum ist die Arbeit in diesem Bereich so wichtig?
Die Stimmen von jungen Menschen werden nach wie vor zu wenig gehört – dabei geht es bei vielen aktuellen Entscheidungsprozessen um ihre Zukunft. Kinder und Jugendliche sind die Expert:innen ihres eigenen Lebens und haben das Recht auf Beteiligung und darauf, gehört zu werden! Dies wurde unter anderem in der UN-Kinderrechtskonvention verankert.
Wir von Plan International sorgen dafür, dass sie ihre Rechte kennen und für diese eintreten können; dass sie das Selbstbewusstsein und die Werkzeuge haben, um sich Gehör zu verschaffen. Wie die jungen Frauen aus Kenia, die man oben auf dem Foto sieht. Sie haben sich mit Unterstützung von Plan International zu einem „Digital Arts Club“ zusammengeschlossen, um auf ihre Rechte aufmerksam zu machen – ein Beispiel, wie LEAD wirkt.
Insbesondere Mädchen und junge Frauen wie sie wollen wir durch unseren LEAD-Ansatz stärken, damit sie auch später im Leben Führungsrollen übernehmen und gesellschaftlichen Wandel mitgestalten.