Wenn Mädchen endlich mitspielen dürfen
Fußball ist in Teilen Paraguays immer noch vor allem eines: ein Spiel für Jungen und Männer. Mädchen wie Dana hören früh, dass der Platz nicht für sie gedacht ist. „Sie sagten mir, dass ich nicht spielen darf, weil Fußball ein Männerspiel sei. Sie wollten nicht, dass ich mit ihnen spiele“, erzählt die 14-Jährige. Für sie galt lange Zeit: Zuschauen? Ja. Mitspielen? Nein.
Fußball – aber nicht für alle
In den indigenen Gemeinden San Pedro und Guairá gehört Fußball zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Auf staubigen Plätzen wird gespielt, gelacht und Zeit miteinander verbracht. Doch nicht alle sind selbstverständlich Teil dieses Spiels. Traditionelle Rollenbilder prägen noch immer den Alltag und entscheiden darüber, wer auf dem Platz stehen darf und wer nicht. Für Mädchen bedeutet das häufig: weniger Zugang zu Sport, weniger Räume, um sich auszuprobieren, und weniger Möglichkeiten, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
„Sie sagten mir, dass ich nicht spielen darf, weil Fußball ein Männerspiel sei.“
Leben in abgelegenen Gemeinden
San Pedro und Guairá liegen in abgelegenen ländlichen Regionen Paraguays, in denen indigene Gemeinschaften ihre Sprache, Traditionen und Lebensweisen bewahren. Der Zugang zu Infrastruktur, Bildung und Freizeitangeboten ist eingeschränkt. Für Kinder und Jugendliche bedeutet das, dass es nur wenige gemeinsame Räume außerhalb von Schule und Familie gibt.
Gerade deshalb spielt der Fußballplatz eine besondere Rolle. Er ist Treffpunkt, ein Ort des Austauschs. Doch lange war dieser Ort nicht für alle offen.
Wenn Mädchen mitspielen dürfen
Die Joaju-Liga setzt hier an. In ihr spielen Mädchen und Jungen gemeinsam Fußball und verbringen Zeit im Team. Der Name „Joaju“ stammt aus der Sprache Guaraní und bedeutet „durch ein gemeinsames Ziel verbunden sein“. Auf dem Spielfeld geht es nicht nur um Tore, sondern es entstehen auch Zusammenarbeit und Respekt. Für viele Mädchen ist es das erste Mal, dass sie regelmäßig Fußball spielen dürfen. Sie trainieren, messen sich im Team und erleben, dass der Platz auch ihnen gehört.
Mehr als Sport
Die Joaju-Liga wird von Plan International umgesetzt und von der britischen Botschaft in Asunción unterstützt. Sie richtet sich an rund 90 Jugendliche, insbesondere Mädchen, und verbindet Fußball mit Angeboten zur persönlichen Entwicklung.
Neben dem Fußballtraining nehmen die Jugendlichen an Workshops teil, in denen soziale und emotionale Themen wie Selbstfürsorge, Schutz vor Gewalt, der Umgang mit Konflikten und die eigenen Rechte behandelt werden. Viele der Themen knüpfen an Erfahrungen an, die Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag machen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Stärkung kultureller Identität. Traditionelle Spiele, gemeinschaftliche Werte und Wissen früherer Generationen werden bewusst einbezogen, um Zugehörigkeit und Selbstvertrauen zu fördern.
Ein anderer Blick auf Fußball
Während bei der Fußball-Weltmeisterschaft die Welt einen Monat lang auf große Namen schaut und volle, laute Stadien die Spieler durch ihr Match tragen, verändert sich in San Pedro und Guaiará etwas leise, aber nachhaltig. Mädchen stehen gemeinsam mit Jungs auf dem Fußballplatz, passen den Ball, schießen Tore.
Dana ist heute Teil dieser Veränderung. „Fußball ist meine Leidenschaft. Es macht mich glücklich, hilft mir, neue Freundschaften zu knüpfen, und gibt mir ein gutes Gefühl“, sagt sie. „Mein Traum ist es, Profifußballerin zu werden.“
Vielleicht wird ihr Spiel nicht von Millionen Menschen gesehen. Doch für Dana und viele andere Mädchen bedeutet es die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob sie mitspielen wollen – heute und in Zukunft.
Die Geschichte von Dana wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Paraguay aufgeschrieben.