Von der Nähmaschine zur eigenen Werkstatt
„Ich habe zu Hause mit dem Nähen angefangen, weil ich mir die Miete für eine Werkstatt nicht leisten konnte“, sagt Elisabeth aus Burkina Faso. Die heute 20-Jährige arbeitet in der Region Nakambé als Schneiderin. Dort fertigt sie mittlerweile mehr als Kleidung an – sie bildet andere junge Frauen im Schneiderhandwerk aus.
Mit einer Nähmaschine beginnt alles
Am Anfang ihrer Karriere stand nur eine Nähmaschine. Sie war Teil eines Startup-Sets, das Elisabeth nach ihrer Ausbildung erhalten hatte. Dazu gehörten außerdem Schere und weitere Werkzeuge.
Die finanziellen Mittel in ihrer Familie waren schon immer begrenzt, selbst Bildung und ein Schulbesuch waren nur schwer zu finanzieren, weshalb Elisabeth bei dem beruflichen Förderprogramm aufgenommen wurde.
Dennoch entschied sie sich, mit dem Nähen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Ich sparte mein Geld und kaufte dann vier weitere Nähmaschinen. Außerdem konnte ich ein kleines Geschäft an der Hauptstraße mieten“, erzählt sie.
Von der Schneiderin zur Ausbilderin
Was als kleine Schneiderei begann, wurde in der Gemeinde schnell bekannt. Eine Frau war von Elisabeths Arbeit sehr beeindruckt und fragte, ob ihre Tochter bei ihr das Handwerk lernen könne. „So bekam ich meine erste Auszubildende“, erinnert sich Elisabeth. Kurz darauf folgten weitere Anfragen von Eltern. Nach und nach wuchs die Zahl der Auszubildenden.
Heute bildet Elisabeth zwölf junge Frauen aus. Viele von ihnen haben die Schule vorzeitig verlassen, einige sind bereits Mütter. „Einige Mädchen zahlen für ihre Ausbildung. Damit kaufe ich Material oder bezahle die Miete“, sagt sie. „Andere können es sich nicht leisten. Ich nehme sie trotzdem auf, weil ich ihnen eine Perspektive geben möchte. Sie sollen lernen, wie sie sich und ihre Familien später selbst versorgen können. Ich möchte anderen Mädchen helfen, im Leben voranzukommen“.
„Ich möchte anderen Mädchen helfen, im Leben voranzukommen.“
Warum die Werkstatt für viele Teilnehmerinnen wichtig ist
Burkina Faso ist seit einigen Jahren von bewaffneten Konflikten betroffen, in einigen Regionen ist das Leben dadurch unsicherer geworden und Menschen haben ihre Heimat verlassen müssen. Gleichzeitig ist es auch in dem westafrikanischen Land, wie in vielen Ländern weltweit, für junge Menschen nicht leicht, eine Ausbildung oder eine feste Arbeitsstelle zu finden.
In dieser Situation sind Ausbildungsangebote besonders wichtig. Sie ermöglichen jungen Menschen, ein praktisches Handwerk zu lernen und sich eine eigene Einkommensquelle aufzubauen. Für die jungen Frauen, die bei Elisabeth lernen, bedeutet das ganz konkret: Sie erwerben Fähigkeiten im Schneidern, mit denen sie später selbstständig arbeiten und ihren Lebensunterhalt sichern können.
Verantwortung für die Familie
Neben ihrer eigenen Arbeit in der Schneiderei unterstützt Elisabeth zusätzlich ihre Familie. Noch vor dem Arbeitsbeginn hilft sie ihrer Mutter im Haushalt und bereitet Speisen und Getränke vor, die ihre Familie verkauft, etwa Reis- und Süßspeisen. Mehr noch unterstützt Elisabeth mit ihrem Einkommen den Lebensunterhalt der Familie; sie bezahlt die Schulgebühren ihrer jüngeren Schwester, die Ausbildung ihrer älteren Schwester und hilft ihren Eltern regelmäßig finanziell.
„Ich helfe auch meinem Vater“, sagt sie. „Wenn er morgens nicht aus dem Haus kommt, weiß ich, dass etwas nicht stimmt. Dann gehe ich, um nach ihm zu sehen und bringe ihm etwas mit.“
Blick nach vorn
Elisabeth ist außerdem Teil einer Spargruppe für Frauen und Mädchen, die von Plan International im Rahmen eines Projekts zur wirtschaftlichen Stärkung junger Menschen eingerichtet wurde. Das Vorhaben unterstützt junge Menschen dabei, wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln und stärkt besonders junge Frauen. Die teilnehmenden Personen bekommen durch Schulungen und/oder Ausbildungen die Möglichkeit, für sich selbst ein Einkommen zu erwirtschaften – wie bei Elisabeth im Schneidereihandwerk samt Ausstattung mit einer Startup-Ausrüstung.
Für Elisabeth bedeutet ihre Arbeit jedoch mehr als nur Geld zu verdienen. Sie möchte ihre Erfahrungen weitergeben und noch mehr junge Frauen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen. „Ich möchte Mädchen zeigen, dass sie durchhalten und erfolgreich sein können, auch wenn die Umstände schwierig sind“, sagt sie.
Und weitere Ziele sind für die engagierte Ausbilderin klar: „Ich träume davon, als erfahrene Schneiderin in fünf oder zehn Jahren ein eigenes Nähzentrum zu eröffnen.“
Die Geschichte von Elisabeth wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Burkina Faso aufgeschrieben.