Von der Nähmaschine zur eigenen Werkstatt

Foto: Patrice Zongo

Mit einer einzigen Nähmaschine baut sich Elisabeth in Burkina Faso eine berufliche Perspektive auf. Schritt für Schritt wächst daraus mehr als nur ein eigenes Geschäft.

„Ich habe zu Hause mit dem Nähen angefangen, weil ich mir die Miete für eine Werkstatt nicht leisten konnte“, sagt Elisabeth aus Burkina Faso. Die heute 20-Jährige arbeitet in der Region Nakambé als Schneiderin. Dort fertigt sie mittlerweile mehr als Kleidung an – sie bildet andere junge Frauen im Schneiderhandwerk aus.

Mit einer Nähmaschine beginnt alles

Am Anfang ihrer Karriere stand nur eine Nähmaschine. Sie war Teil eines Startup-Sets, das Elisabeth nach ihrer Ausbildung erhalten hatte. Dazu gehörten außerdem Schere und weitere Werkzeuge.
Die finanziellen Mittel in ihrer Familie waren schon immer begrenzt, selbst Bildung und ein Schulbesuch waren nur schwer zu finanzieren, weshalb Elisabeth bei dem beruflichen Förderprogramm aufgenommen wurde.

Elisabeth sitzt draußen in ihrer Gemeinde in Nakambé
Elisabeth (20) baut ihre Schneiderei aus und möchte ein eigenes Ausbildungszentrum eröffnen Patrice Zongo
Elisabeth steht in ihrer Werkstatt mit einem traditionellen Kleid, das sie genäht hat
Elisabeth bildet junge Frauen in Burkina Faso aus, darunter auch Mütter im Teenageralter Patrice Zongo

Dennoch entschied sie sich, mit dem Nähen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Ich sparte mein Geld und kaufte dann vier weitere Nähmaschinen. Außerdem konnte ich ein kleines Geschäft an der Hauptstraße mieten“, erzählt sie.

Von der Schneiderin zur Ausbilderin

Was als kleine Schneiderei begann, wurde in der Gemeinde schnell bekannt. Eine Frau war von Elisabeths Arbeit sehr beeindruckt und fragte, ob ihre Tochter bei ihr das Handwerk lernen könne. „So bekam ich meine erste Auszubildende“, erinnert sich Elisabeth. Kurz darauf folgten weitere Anfragen von Eltern. Nach und nach wuchs die Zahl der Auszubildenden.

Heute bildet Elisabeth zwölf junge Frauen aus. Viele von ihnen haben die Schule vorzeitig verlassen, einige sind bereits Mütter. „Einige Mädchen zahlen für ihre Ausbildung. Damit kaufe ich Material oder bezahle die Miete“, sagt sie. „Andere können es sich nicht leisten. Ich nehme sie trotzdem auf, weil ich ihnen eine Perspektive geben möchte. Sie sollen lernen, wie sie sich und ihre Familien später selbst versorgen können. Ich möchte anderen Mädchen helfen, im Leben voranzukommen“.

Elisabeth steht in buntem Kleid mit ihren Auszubildenen vor ihrem blau lackierten Werkstatttor
Elisabeth (Mitte) mit einigen ihrer Auszubildenden im Schneidereihandwerk Patrice Zongo

„Ich möchte anderen Mädchen helfen, im Leben voranzukommen.“

Elisabeth (20), Plan-Projektteilnehmerin und Ausbilderin im Schneidereihandwerk

Warum die Werkstatt für viele Teilnehmerinnen wichtig ist

Burkina Faso ist seit einigen Jahren von bewaffneten Konflikten betroffen, in einigen Regionen ist das Leben dadurch unsicherer geworden und Menschen haben ihre Heimat verlassen müssen. Gleichzeitig ist es auch in dem westafrikanischen Land, wie in vielen Ländern weltweit, für junge Menschen nicht leicht, eine Ausbildung oder eine feste Arbeitsstelle zu finden.

In dieser Situation sind Ausbildungsangebote besonders wichtig. Sie ermöglichen jungen Menschen, ein praktisches Handwerk zu lernen und sich eine eigene Einkommensquelle aufzubauen. Für die jungen Frauen, die bei Elisabeth lernen, bedeutet das ganz konkret: Sie erwerben Fähigkeiten im Schneidern, mit denen sie später selbstständig arbeiten und ihren Lebensunterhalt sichern können.

Elisabeth zeigt ihren Auszubildenen, wie ein Kleid genäht wird
Die Auszubildenden lernen ein Handwerk, das ihnen finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen kann Patrice Zongo
Elisabeth bereitet ein westafrikanisches Dessert zu
Elisabeth bereitet Dégué zu, ein traditionelles westafrikanisches Dessert, das sie auf dem Markt verkauft Patrice Zongo
Eine junge Frau hält die Hand eines älteren, würdigen Mannes
Elisabeth besucht ihren Vater, der sie stolz begrüßt Patrice Zongo

Verantwortung für die Familie

Neben ihrer eigenen Arbeit in der Schneiderei unterstützt Elisabeth zusätzlich ihre Familie. Noch vor dem Arbeitsbeginn hilft sie ihrer Mutter im Haushalt und bereitet Speisen und Getränke vor, die ihre Familie verkauft, etwa Reis- und Süßspeisen. Mehr noch unterstützt Elisabeth mit ihrem Einkommen den Lebensunterhalt der Familie; sie bezahlt die Schulgebühren ihrer jüngeren Schwester, die Ausbildung ihrer älteren Schwester und hilft ihren Eltern regelmäßig finanziell.

„Ich helfe auch meinem Vater“, sagt sie. „Wenn er morgens nicht aus dem Haus kommt, weiß ich, dass etwas nicht stimmt. Dann gehe ich, um nach ihm zu sehen und bringe ihm etwas mit.“

Blick nach vorn

Elisabeth ist außerdem Teil einer Spargruppe für Frauen und Mädchen, die von Plan International im Rahmen eines Projekts zur wirtschaftlichen Stärkung junger Menschen eingerichtet wurde. Das Vorhaben unterstützt junge Menschen dabei, wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln und stärkt besonders junge Frauen. Die teilnehmenden Personen bekommen durch Schulungen und/oder Ausbildungen die Möglichkeit, für sich selbst ein Einkommen zu erwirtschaften – wie bei Elisabeth im Schneidereihandwerk samt Ausstattung mit einer Startup-Ausrüstung.

Elisabeth schneidet vor ihren Auszubildenen Stoff zu
Elisabeth (l.) unterrichtet ihre Auszubildenden im Stoffzuschnitt Patrice Zongo
Elisabeth erhält neue Nähausrüstung mit ihren Auszubildenen
Elisabeth erhält neue Nähausrüstung für ihre Werkstatt Patrice Zongo

Für Elisabeth bedeutet ihre Arbeit jedoch mehr als nur Geld zu verdienen. Sie möchte ihre Erfahrungen weitergeben und noch mehr junge Frauen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen. „Ich möchte Mädchen zeigen, dass sie durchhalten und erfolgreich sein können, auch wenn die Umstände schwierig sind“, sagt sie.

Und weitere Ziele sind für die engagierte Ausbilderin klar: „Ich träume davon, als erfahrene Schneiderin in fünf oder zehn Jahren ein eigenes Nähzentrum zu eröffnen.“

Die Geschichte von Elisabeth wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Burkina Faso aufgeschrieben.

Gezielt Mädchen stärken

Plan International setzt sich weltweit für Schutz, Bildung, Gesundheit, politische Teilhabe und Einkommenssicherung von Mädchen und jungen Frauen ein – denn von Geburt an sind sie vielerorts stärker benachteiligt als Jungen.

Mit Ihrer Spende in den Mädchen-Fonds unterstützen Sie Projekte, die Benachteiligung, Armut und Gewalt gezielt bekämpfen. Seit 2003 trägt der Fonds dazu bei, Mädchen und Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

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