Vom Mut, Nein zu sagen

Foto: Abdul-Manaph Ouro-Djeri

In Togo berichten junge Frauen von Erfahrungen mit Belästigung und Gewalt. Auch Mourdjana erlebt dies während ihrer Ausbildung im Schneiderhandwerk. Mit 17 tritt sie einem Jugendclub bei und spricht dort erstmals regelmäßig über diese Erfahrungen.

Das leise Surren der Nähmaschinen erfüllt den Raum. Stoffe liegen ausgebreitet auf den Tischen, Kund:innen kommen und gehen. Für viele junge Frauen in Togo ist das Schneiderhandwerk eine Möglichkeit, sich eine eigene Zukunft aufzubauen. Auch Mourdjana hat diesen Weg gewählt.

Zwischen Arbeit und Begegnungen

Die heute 21-Jährige wuchs in einer Gemeinde auf, in der Themen wie Sexualität, Zugang zu Informationen und frühe Heirat im Alltag oft nur eingeschränkt besprochen werden. Auch in ihrer Ausbildung im Schneiderhandwerk erlebt sie Formen von Ungleichbehandlung und sexistischen Erwartungen, wie sie viele junge Frauen betreffen. Geschlechtsspezifische Gewalt kann dabei in unterschiedlichen Kontexten auftreten, im öffentlichen Raum, im Beruf oder im privaten Umfeld.

Mourdjana erinnert sich an Erfahrungen in ihrem Umfeld: „Ich hatte gesehen, wie Freundinnen ihre Ausbildung wegen einer frühen Schwangerschaft oder einer Zwangsheirat abgebrochen haben“, sagt sie. „Ich wollte nicht, dass mir das passiert.“ Auf der Suche nach Austausch und Informationen wurde sie auf den „Champions of Change“-Club (dt.: Vorbilder des Wandels) in ihrer Gemeinde aufmerksam.

Mourdjana zeigt ein Kleid, das sie selbst genäht hat
Mourdjana zeigt ein selbstgenähtes Kleid aus ihrer Ausbildung im Schneiderhandwerk Abdul-Manaph Ouro-Djeri

„Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Redefreiheit.“

Mourdjana (21), Jugendclub- und Projektteilnehmerin in Togo

Ein Ort für offene Gespräche

Mit 17 Jahren tritt Mourdjana dem Club bei. Für sie wird er schnell zu einem Ort, an dem Gespräche möglich werden, die sonst selten stattfinden. „Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Redefreiheit“, sagt sie. „Wir sprachen über Einwilligung, Verhütung, sexuell übertragbare Infektionen und darüber, wie man reagiert, wenn jemand einem wehtut.“

In Workshops und Gesprächen setzt sich Mourdjana zunehmend mit ihren Rechten als Mädchen auseinander, insbesondere mit Themen wie Selbstbestimmung, Schutz vor Benachteiligung und Mitspracherechten. Gleichzeitig entwickelt sie ein Verständnis dafür, welche konkreten Handlungsmöglichkeiten ihr zur Verfügung stehen, zum Beispiel sich Unterstützung zu holen, ihre Meinung zu äußern oder sich gegen Ungerechtigkeit zu wehren.

Für sich selbst einstehen

Im Club lernt Mourdjana, Situationen klarer einzuordnen und reagiert später auch im Alltag anders. „Ein Kunde versuchte, mich ohne meine Zustimmung zu berühren“, erzählt sie. „Früher hätte ich vielleicht nichts gesagt oder gedacht, das sei normal. Aber ich habe klar Nein gesagt und es meinem Chef erzählt.“ Er reagierte unterstützend.

Mourdjana steht lächelnd in ihrer Gemeinde in Togo
Mourdjana ist ein Vorbild für weibliche Selbstbestimmung in ihrer Gemeinde Abdul-Manaph Ouro-Djeri

Erfahrungen wie diese sind für viele junge Frauen im Ausbildungsalltag keine Seltenheit, besonders in Berufen mit direktem Kontakt zu Kund:innen. Für Mourdjana markiert dieser Moment einen Wendepunkt.

Veränderungen im Alltag

Das neu gewonnene Selbstvertrauen wirkte sich auch auf ihr Privatleben aus. Nach ihrer Ausbildung heiratete Mourdjana, entschied sich aber bewusst, weiterhin eigene Entscheidungen zu treffen. „Ich spreche mit meinem Mann über alles, auch über schwierige Themen“, sagt sie. „Ich habe ihm von Familienplanung erzählt, und wir treffen Entscheidungen gemeinsam.“

Heute arbeitet Mourdjana als Schneiderin und bildet bereits selbst junge Frauen aus. „Das Nähen ist für mich ein Weg, mir eine Zukunft aufzubauen und unabhängig zu sein“, sagt sie. „Mein Traum ist es, meine eigene Werkstatt zu eröffnen.“ Dabei geht es ihr nicht nur um ihre eigene Zukunft. Sie ermutigt ihre Auszubildenden, Fragen zu stellen, sich zu informieren und ihre Rechte zu kennen. „Ein Mädchen zu sein sollte eure Träume nicht hindern. Sprecht eure Meinung aus, informiert euch und verteidigt eure Rechte“, sagt Mourdjana. 

„Ein Mädchen zu sein sollte eure Träume nicht hindern. Sprecht eure Meinung aus, informiert euch und verteidigt eure Rechte.“

Mourdjana (21), über Mädchenrechte und Empowerment
Mourdjana sitzt vor einer Nähmaschine in ihrer Schneiderei
Mourdjana verdient ihren Lebensunterhalt als Schneiderin in Togo Abdul-Manaph Ouro-Djeri

Teil eines größeren Wandels

Mourdjanas Erfahrungen stehen dabei nicht für sich allein. Geschlechtsspezifische Gewalt bleibt in Togo ein ernstes Problem, insbesondere in ländlichen Regionen. Fehlender Zugang zu Informationen, begrenzte Schutzstrukturen und gesellschaftliche Erwartungen tragen dazu bei, dass viele Mädchen Risiken ausgesetzt sind. 

Plan-Projekte wie die „Champions of Change“-Clubs setzen hier an. Sie schaffen Räume, in denen Jugendliche über Einwilligung, Chancengleichheit und Gesundheit sprechen können und Zugang zu Unterstützung erhalten. „Der Club hat mir die Kraft gegeben, an mich selbst zu glauben“, sagt Mourdjana. Ihre Botschaft ist klar: „Ich wünsche mir, dass alle Mädchen diese Chance hätten.“ 

Die Geschichte von Mourdjana wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Togo aufgeschrieben. 

Mit einer Patenschaft helfen

In Togo setzt sich Plan International für die Umsetzung der Grundrechte von Mädchen und Jungen ein. Dazu zählen das Recht auf Bildung, Gesundheit, Schutz und gesellschaftliche Teilhabe. Die wirtschaftliche Situation von Familien wird gestärkt, um eine langfristige Einkommenssicherung zu ermöglichen. Besonders im Fokus stehen Mädchen und Kinder mit Behinderungen, da diese häufig benachteiligt sind. Eine Patenschaft unterstützt nicht nur das einzelne Patenkind, sondern trägt auch zur Umsetzung von Programmen und Projekten in den Gemeinden bei.

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