Vom Schulabbruch zum eigenen Geschäft
Mitais (22) wuchs bei ihrer Großmutter in der Provinz Manicaland in Simbabwe auf. Sie besuchte die Schule bis zur fünften Klasse. Als ihre Großmutter sich das Bein brach und nicht mehr auf dem Familienhof arbeiten konnte, verlor die Familie eine wichtige Einkommensquelle. Mitais musste die Schule verlassen, um zum Lebensunterhalt beizutragen.
Von da an sah ihr Alltag ganz anders aus: „Ich stand früh morgens auf, um Tomaten für den Weiterverkauf zu kaufen. Dann kehrte ich nach Hause zurück, erledigte die Hausarbeit und ging wieder zum Markt, um die Tomaten zu verkaufen“, erzählt Mitais.
Dass sie nicht weiter zur Schule gehen konnte, bedauert sie bis heute. „Ich habe das Gefühl, dass mir dadurch vieles entgangen ist“, sagt sie.
„Ich habe das Gefühl, dass mir dadurch vieles entgangen ist.“
Junge Mutter ohne berufliche Perspektive
Mit 16 Jahren bekam Mitais ihre Tochter Talant. Zu dieser Zeit fehlte es der jungen Familie an finanzieller Sicherheit: „Mutter zu werden empfand ich als große Herausforderung, weil ich nicht arbeitete und mein Mann ebenfalls arbeitslos war. Ich fühlte mich hoffnungslos“, erzählt sie.
Mitais wünschte sich weiterhin, ihre Schulbildung fortsetzen zu können. Besonders deutlich wurde ihr dieser Wunsch, wenn sie Gleichaltrige auf dem Weg zur Schule sah. „Es schmerzte mich, dass Kinder in meinem Alter zur Schule gingen, während ich Hausarbeit erledigte und mich gleichzeitig um mein Kind kümmerte“, erinnert sie sich.
Eine Begegnung eröffnet neue Möglichkeiten
Eines Tages traf Mitais auf einer Straße in ihrer Gemeinde eine Lehrerin eines Bildungsprojekts von Plan International, das Mädchen und junge Frauen unterstützt, die ihre Schulbildung unterbrechen mussten oder keinen Zugang zu regulären Bildungsangeboten haben. Die Lehrerin erzählte Mitais von dem Projekt und ermutigte sie, daran teilzunehmen.
Mitais nahm die Einladung an. Nach längerer Zeit außerhalb des Klassenzimmers begann sie, sich neue Kenntnisse anzueignen und Schritt für Schritt mehr Sicherheit beim Lernen zu gewinnen. „Was mich am Projekt am meisten interessierte, war das Lesen- und Schreibenlernen. Ich lernte nach und nach neue Wörter kennen, die ich zuvor nicht kannte“, erzählt sie.
Vom Lernen zum eigenen Geschäft
Neben dem Lesen und Schreiben vermittelt das Projekt auch praktische Fähigkeiten, die den Teilnehmerinnen neue berufliche Perspektiven eröffnen können. Mitais entschied sich für einen Näh- und Schneiderkurs. Das Interesse an diesem Handwerk hatte sie schon früh entwickelt: Ihre Großmutter ist Schneiderin und weckte ihre Begeisterung dafür. „Ich interessiere mich schon seit meiner Kindheit für das Schneidern“, erzählt sie.
Nach erfolgreichem Abschluss des Kurses erhielt Mitais ein Zertifikat. Heute betreibt sie ein eigenes kleines Nähgeschäft und verdient damit Geld, das sie zum Lebensunterhalt ihrer Familie beiträgt. „Für Mitais bedeutet die Arbeit weit mehr als ein eigenes Einkommen: „Ich bin froh, das Schneidern als Geschäft zu betreiben. Durch meine Arbeit fühle ich mich gestärkt, und es geht mir besser als zuvor.“ Auch der Abschluss des Kurses ist für sie etwas Besonderes: „Ich bin sehr glücklich, weil ich den Kurs abgeschlossen und ein Zertifikat erhalten habe. Das ist mir in meinem Leben noch nie zuvor passiert.“
„Die Bildung, die ich erworben habe, hat mein Leben verändert.“
Mitais blickt nach vorn
Mitais hat durch das Projekt nicht nur berufliche Fähigkeiten erworben, sondern auch an Selbstvertrauen gewonnen. Die neu erworbenen Kenntnisse wirken sich inzwischen auch auf ihren Alltag als Mutter aus. „Ich habe mir Bildung und Lebenskompetenzen angeeignet. Ich kann meinem Kind bei den Hausaufgaben helfen, zum Familienunterhalt beitragen und als Frau für mich selbst einstehen“, sagt sie.
Mitais möchte die Chance nutzen, die sich ihr durch das eigene Geschäft eröffnet hat, und ihre berufliche Tätigkeit weiterentwickeln. „Mein Wunsch ist es, mein Geschäft auszubauen, weitere Nähmaschinen zu kaufen, andere zu beschäftigen und es im Leben weit zu bringen“, erzählt sie.
Auch andere Mädchen, die ihre Schulbildung abbrechen mussten, möchte sie ermutigen, ihren Bildungsweg fortzusetzen und nach Möglichkeiten zu suchen, berufliche Fähigkeiten zu erwerben. Rückblickend zieht sie eine klare Bilanz: „Die Bildung, die ich erworben habe, hat mein Leben verändert.“
Die Geschichte von Mitais wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Simbabwe erstellt.
Über das Projekt
Das Projekt SAGE wurde 2018 von Plan International in Simbabwe gestartet. Es richtet sich an Mädchen und junge Mütter, die ihre Schulbildung unterbrechen mussten oder aus anderen Gründen keine reguläre Schule besuchen können.
Das Projekt ermöglicht ihnen, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen und praktische Fähigkeiten für das Berufsleben zu erwerben. Die Lernangebote sind flexibel gestaltet und orientieren sich an der Lebenssituation der Teilnehmerinnen. So können auch Mädchen und junge Mütter teilnehmen, die familiäre Aufgaben übernehmen oder ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Seit dem Start hat SAGE mehr als 18.000 Mädchen im Alter von zehn bis 19 Jahren erreicht.