Mit 17 schwanger, mit 19 selbstständig
Eine gebrochene Wasserleitung mündet in einem verdreckten Abwasserkanal in Makindye, ein dicht besiedelter Vorort der uganischen Hauptstadt Kampala. Kinder mit leeren Kanistern und Flaschen versammeln sich um die Leitung. Sie stehen an, um hier Trink- und Waschwasser für ihre Familien abzufüllen.
Neben dem Graben reihen sich kleine Häuser und in einem aus Ziegeln und Lehm lebt Faith. Unter Wellblech teilt sich die 19-Jährige den Raum mit ihrer einjährigen Tochter Jairah, ihrer Mutter sowie fünf Geschwistern. „Ich habe schon immer hier gelebt“, sagt Faith, während sie ihre Tochter im Schatten eines Dachvorsprungs stillt.
Der Traum von einem anderen Haus
Von der Hauptstraße in Makindye reicht der Blick weit über Kampala, das sich über Hügel erstreckt. Hinter den dicht gedrängten Häusern ragen moderne Hochhäuser auf. „Als ich zur Schule ging, wollte ich Bauingenieurin werden und neue, schöne Häuser entwerfen“, sagt Faith.
Doch noch ehe sie die Schule beenden kann, lernt sie über soziale Medien einen älteren Mann kennen. Sie verlieben sich – und haben ungeschützten Geschlechtsverkehr. Noch während sich Faith auf ihre Abschlussprüfungen vorbereitet, vermutet sie, schwanger zu sein. Ein Bluttest bestätigt es. Faith besteht zwar ihre Prüfungen, doch danach darf sie nicht zurückkehren. Die Schule schließt sie mit der Begründung aus, sie könne ein schlechtes Vorbild für andere Mädchen sein.
Was bleibt, wenn Pläne sich ändern
Während Faith erzählt, tritt ihre Mutter Rose hinter dem Türvorhang hervor und streicht Jairah sanft über die Locken. „Meine Mutter ist eine traditionelle Christin. Sie hat mich nicht dazu ermutigt, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, sondern das Baby zu behalten“, sagt Faith, und ihre Mutter Rose ergänzt: „Wir blieben stark. Jetzt bin ich glücklich, Großmutter zu sein.“
Nach der Schwangerschaft versucht die Familie, eine Hochzeit zu organisieren. In vielen Familien gilt das als notwendiger Schritt, auch, um gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen und meist in Verbindung mit der Zahlung einer Mitgift. Doch der Vater des Kindes lehnt ab. „Hätte der Vater seine Tochter anerkannt, wäre ich jetzt verheiratet. Aber jetzt ist es besser für mich, zu Hause bei meiner Mutter zu sein, als verheiratet. Ich bin unabhängig und kann meine eigenen Entscheidungen über mein Leben treffen“, sagt Faith.
„Es ist besser, bei meiner Mutter zu sein als verheiratet. Ich bin unabhängig und treffe meine eigenen Entscheidungen.“
Wo aus einem Treffpunkt eine Einnahmemöglichkeit entsteht
Vor einem Jahr schloss sich Faith einer Gruppe junger Mütter in Makindye an. Zusammen haben sie mit Unterstützung von Plan International eine kleine Bäckerei gegründet. Jetzt treffen sie sich einmal pro Woche, sprechen über ihren Alltag, rechnen Einnahmen durch und planen, wie sie ihr Geld einsetzen. Schritt für Schritt hat Faith dabei gelernt, ihre Arbeit besser zu organisieren.
Bei dieser Gruppe geht es nicht nur um Einkommen: Die jungen Mütter sprechen darüber, wie sie ihre Kinder gesund halten, Ausgaben einteilen und weitere Schwangerschaften vermeiden können. Viele von ihnen erleben zum ersten Mal, dass ihre Fragen ernst genommen werden. Für Faith bedeutet die Teilnahme, dass sie ihr eigenes Geld verdient. Sie kann Windeln und Lebensmittel für ihre Tochter kaufen und sogar etwas zur Seite legen. Kleine Beträge, die im Bedarfsfall einen Unterschied machen.
Zwei Jobs für einen Neuanfang
Zusätzlich verdient Faith Geld, indem sie Haare flechtet. Mädchen und Frauen aus der Nachbarschaft kommen zu ihrem Haus, und der Arbeitsplatz ist die schmale sandige Gasse davor. Ein Plastikhocker dient als Friseurstuhl. Motorräder fahren vorbei, Kinder spielen im Hintergrund. Doch Faith arbeitet schnell und konzentriert. Ihr Ziel ist klar: ein eigener Salon.
Für die junge Mutter steht die Zukunft ihrer Tochter im Mittelpunkt. „Ich möchte, dass meine Tochter gesund aufwächst, zur Schule geht und lernt. Ich möchte nicht, dass sie meine Fehler wiederholt.“ Wenn sie Zeit hat, hört Faith Musik und spricht liebevoll mit Jairah. Die Verbindung zwischen ihnen ist eng. „Wenn ich meine Tochter anschaue, fühle ich mich mutig. Alles, was ich tue, tue ich für sie.“
„Wenn ich meine Tochter anschaue, fühle ich mich mutig.“
Wenn Unterstützung fehlt
Lillian Nabwire, Plan-Projektmanagerin, beschreibt die Situation vieler Mädchen: „Wenn Armut und beengte Wohnverhältnisse zusammenkommen, haben schwangere Mädchen oft kaum Unterstützung. Einige werden von ihren Familien ausgeschlossen und müssen allein für sich und ihre Kinder sorgen. Viele sehen keinen anderen Ausweg und landen in der Sexarbeit, auch wenn sie darüber nicht sprechen möchten. Auch frühe Heirat ist Teil dieser Realität. Einige Familien entscheiden sich dafür, sehr junge Mädchen zu verheiraten, um eine Mitgift zu erhalten."
Doch es gibt auch positive Veränderungen: „Ich fühle mich bei meiner Arbeit bestärkt, wenn ich Mädchen und junge Frauen dazu ermutigen kann, ihr Potenzial auszuschöpfen. Es ist toll zu sehen, dass sie keine Angst haben, für sich selbst einzustehen. Ich sehe, dass die Stellung der Frauen in Uganda stärker wird, und das freut mich sehr.“
Die Geschichte von Faith wurde mit Material aus dem ugandischen Plan-Büro aufgeschrieben.