Eine Nähmaschine für ein selbstbestimmtes Leben

Foto: Plan International

Mit 15 Jahren wurde Assetou verheiratet, mit 17 bekam sie ihr erstes Kind. Nach der Scheidung kehrte sie mit ihren beiden Töchtern zu ihren Eltern zurück, ohne Einkommen und ohne klare Perspektive.

In der Region Bougouni im Süden Malis lebt Assetou (24) heute mit ihren beiden Töchtern. Nach der Scheidung war sie zunächst wieder bei ihren Eltern untergekommen. Sie hatte keinen Beruf und kein eigenes Einkommen. „Früher blieb ich einfach zu Hause bei meinen Kindern. Ich hatte kein Einkommen und keine Pläne für die Zukunft“, erzählt Assetou.

Für Assetou war klar, dass sie etwas verändern musste. Sie wollte arbeiten und selbst für ihre Kinder sorgen können. Doch ohne berufliche Ausbildung war der Weg in ein eigenes Einkommen schwierig.

Assetou hält in ihrer Werkstatt ein Stück Stoff in den Händen
Assetou (24) arbeitet heute als selbstständige Schneiderin Plan International

Früh ins Erwachsenenleben

Assetou übernimmt schon als Jugendliche Verantwortung für ihr eigenes Leben. Mit 15 Jahren wird sie verheiratet, zwei Jahre später bringt sie ihre erste Tochter zur Welt. „Wenn man so jung heiratet, hat man keine Erfahrung mit dem Eheleben.“

Einige Jahre später zerbricht die Ehe. Assetou kehrt mit ihren beiden kleinen Kindern zu ihren Eltern zurück und steht vor der Herausforderung, ihre Familie ohne eigenes Einkommen zu versorgen. „Alles brach um mich herum zusammen. Ich landete wieder im Haus meiner Eltern mit meinen Kindern, ohne Möglichkeit, für sie zu sorgen.“

Assetous Geschichte steht für eine Herausforderung, mit der viele Mädchen und junge Frauen in Mali konfrontiert sind. Frühe Ehen können ihre Schulbildung unterbrechen und den Zugang zu einer späteren Ausbildung erschweren. Armut und gesellschaftliche Erwartungen verstärken diesen Druck. Für Assetou bedeutete die Scheidung deshalb nicht nur das Ende ihrer Ehe. Sie stand auch vor der Frage, wie sie künftig für ihre Kinder sorgen und sich eine eigene berufliche Perspektive aufbauen konnte.

 

„Wenn man so jung heiratet, hat man keine Erfahrung mit dem Eheleben.“

Assetou (24), über die Herausforderungen einer frühen Ehe
Assetou und ihre Projektpartnerin stehen in ihrer Werkstatt an einer Nähmaschine
Assetou (r.) absolviert im Rahmen von „Break Free!“ eine dreimonatige Ausbildung im Nähen Plan International
Assetou sitzt an einer Nähmaschine in ihrer Werkstatt
Die Ausbildung vermittelt Assetou die nötigen Fähigkeiten, um später mit eigener Arbeit Geld zu verdienen Plan International

Ein neuer Weg

Eine Möglichkeit ergab sich, als das Projekt „Break Free!“ (dt.: sich befreien) in ihrer Gemeinde aktiv wurde. Das von Plan International und Partnern umgesetzte Programm richtet sich unter anderem an Mädchen und junge Frauen, die früh geheiratet haben, geschieden sind oder ihre Schule abgebrochen haben. Mitarbeitende des Projekts wurden auf Assetou aufmerksam. 

Für Assetou eröffnete sich damit die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen. Sie entschied sich für eine Ausbildung im Nähen und absolvierte einen dreimonatigen Kurs. „Ich wollte einen Beruf erlernen, der es mir ermöglicht, unabhängig zu werden und für meine Kinder und meine Familie zu sorgen.“

Der Schritt in die eigene Arbeit

Nach Abschluss der Ausbildung erhielt Assetou das nötige Handwerkszeug für den Start: eine Nähmaschine, eine Schere, Bänder, einen Tisch und ein Bügeleisen. „Alles, was ich brauchte, um loszulegen.“

Gemeinsam mit ihrer Freundin Adiaratou, die ebenfalls an der Ausbildung teilgenommen hatte, eröffnete Assetou eine kleine Werkstatt bei sich zu Hause. Zum ersten Mal verdiente sie mit ihrer eigenen Arbeit Geld. Ihr monatliches Einkommen liegt bei etwa 15.000 bis 20.000 Francs (rund 30 Euro), vor allem während der Ferienzeit, wenn die Nachfrage nach Kleidung besonders hoch ist. Damit kann sie zum Haushalt beitragen und die Bedürfnisse ihrer Kinder zunehmend selbst finanzieren.

Assetou steht mit ihrer beiden Töchtern vor ihrer Werkstatt
Assetou kann heute mit ihrem Einkommen die Bildung und Versorgung ihrer beiden Töchter mitfinanzieren Plan International

Bildung für ihre Töchter

Heute kann Assetou mit ihrem Einkommen auch die Bildung ihrer Töchter finanzieren. Die ältere ist sieben Jahre alt und besucht die erste Klasse der Grundschule, die jüngere ist fünf Jahre alt und geht in den Kindergarten. Auch Kleidung für ihre Kinder und andere Familienmitglieder näht Assetou selbst. So kann sie ihre Familie zusätzlich unterstützen und ihre Eltern finanziell entlasten. „Ich kann für ihre Gesundheit, ihre Kleidung und ihre Bildung sorgen. Ich bin keine Last mehr.“

Dass ihre Kinder zur Schule gehen können, ist für Assetou besonders wichtig. Sie kennt aus eigener Erfahrung, wie wichtig Bildung für die Zukunft von Mädchen ist – und wie schwer es sein kann, wenn ihnen der Zugang dazu fehlt.

„Was mich am meisten stolz macht, ist, dass ich trotz allem nun mein Leben selbst in die Hand nehmen kann.“

Assetou (24), Teilnehmerin des Projekts und selbstständige Schneiderin in Mali

Ihre Erfahrungen werden zur Botschaft

Assetou möchte deshalb nicht nur für ihre eigene Familie eine andere Zukunft aufbauen. Sie spricht inzwischen auch mit Mädchen in ihrer Gemeinde darüber, wie wichtig es ist, die Schule weiter zu besuchen und sich Zeit für die eigene Entwicklung zu nehmen. „Was mich am meisten stolz macht, ist, dass ich trotz allem, was ich durchgemacht habe – frühe Heirat, frühe Schwangerschaften, Not und Scheidung – nun mein Leben selbst in die Hand nehmen kann.“

Sie spricht auch mit Eltern darüber, ihren Töchtern die Möglichkeit zu geben, vor einer Heirat erwachsen zu werden. „Ich sage ihnen, sie sollen nicht heiraten, bevor sie 18 sind.“ Ihre eigene Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, Mädchen die Möglichkeit zu geben, ihre Bildung fortzusetzen und eigene Entscheidungen über ihr Leben zu treffen.

Mit der Nähmaschine in die eigene Zukunft

In ihrer kleinen Werkstatt hat Assetou inzwischen einen Beruf und ein eigenes Einkommen. Die Nähmaschine ermöglicht ihr, für ihre Kinder zu sorgen und ihre Familie zu unterstützen. Gleichzeitig hat sie damit mehr Möglichkeiten, über ihr eigenes Leben zu entscheiden. 

„Ich habe mein Lächeln und meine Unabhängigkeit wiedergewonnen“, erzählt sie. Assetou hofft, dass „Break Free!“ auch andere junge Frauen erreicht, die nach einer frühen Heirat, einem Schulabbruch oder einer Scheidung vor ähnlichen Herausforderungen stehen. 

Die Geschichte von Assetou wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Mali erstellt. 

Assetou schneidet ein Stück Stoff in ihrer Werkstatt
Assetou nutzt heute ihre Fähigkeiten, um eigenes Einkommen zu erzielen und ihre Zukunft selbst mitzugestalten Plan International

Über das Projekt

„Break Free!“ unterstützt Mädchen und junge Frauen in Mali, die durch frühe Heirat, Schulabbruch oder schwierige Lebensumstände nur eingeschränkten Zugang zu Bildung und beruflichen Möglichkeiten haben. Das Programm stärkt ihre Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben, unter anderem durch berufliche Qualifizierungen und Unterstützung beim Aufbau eigener Einkommensmöglichkeiten.

Assetous Weg zeigt, wie diese Unterstützung wirken kann: Nach ihrer Ausbildung in Schneiderei konnte sie mit der bereitgestellten Ausstattung ein eigenes kleines Geschäft aufbauen und damit Einkommen erzielen. So kann sie heute für ihre Familie sorgen und ihren Töchtern den Schulbesuch ermöglichen.

Mädchen weltweit stärken

Mädchen und junge Frauen sollen die Chance haben, zur Schule zu gehen, einen Beruf zu erlernen und selbst über ihre Zukunft zu entscheiden. Mit einer Spende an den Mädchen-Fonds unterstützen Sie Plan International dabei, ihnen Bildung und berufliche Perspektiven zu ermöglichen und sie auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu stärken.

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