Ein neuer Weg in einer Männerdomäne
Als Estefany zum ersten Mal eine Kfz-Werkstatt betrat, fühlte sie sich unsicher. „Zuerst war ich sehr nervös“, sagt die heute 23-Jährige. Damals ahnte sie noch nicht, dass die Entscheidung für eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin ihr neue berufliche Möglichkeiten eröffnen würde.
Estefany lebt in den Randgebieten der peruanischen Hauptstadt Lima. Für viele junge Menschen sind die Kosten einer Hochschul- oder Berufsausbildung eine große Hürde. Auch für sie war der Zugang zu einer weiterführenden Ausbildung nicht selbstverständlich. Ein Stipendium eröffnete ihr schließlich die Möglichkeit, eine Ausbildung im Kfz-Bereich zu beginnen.
Eine Chance für den Berufseinstieg
Im Jahr 2019 erhielt Estefany im Alter von 17 Jahren ein Vollstipendium für eine Ausbildung am SENATI, einem technischen Ausbildungsinstitut in Peru. Während der Ausbildung lernte sie andere Frauen kennen, die ebenfalls ihren Weg in die Kfz-Branche suchten.
„Mir wurde klar, dass es andere Frauen gab, die dieses Stereotyp durchbrechen wollten, und dass auch Frauen in diesem Bereich Karriere machen können“, sagt sie. Der Austausch mit anderen Teilnehmerinnen half ihr, sich in dem ungewohnten Umfeld zurechtzufinden und Vertrauen in ihren eigenen Weg zu gewinnen.
„Man geht normalerweise davon aus, dass nur Männer dieses Fach studieren können“, sagt Estefany. „Aber das Studium hat mir das Selbstvertrauen gegeben, in einem Bereich erfolgreich zu sein, in dem man normalerweise nicht viele Frauen sieht.“
Wie die Ausbildung sie stärkte
Neben den technischen Kenntnissen lernte Estefany während ihrer Ausbildung, sich in einem neuen beruflichen Umfeld zu behaupten. Sie sammelte praktische Erfahrungen und entwickelte Fähigkeiten, die ihr halfen, ihren eigenen Weg in der Kfz-Branche weiterzugehen.
„Dieses Projekt hat mir und vielen anderen Frauen geholfen, unseren beruflichen Weg selbstbewusst weiterzugehen“, sagt sie. „Angefangen beim Erlernen der ersten Schritte bei Vorstellungsgesprächen bis hin zum Aufbau von Kontakten zu großen Unternehmen, während wir gleichzeitig Praktika absolvierten und für das kämpften, was wir uns für unsere Zukunft wünschen.“
Neben der technischen Ausbildung erhielt Estefany Unterstützung beim Übergang ins Berufsleben. Durch Praktika und den Austausch mit Unternehmen sammelte sie praktische Erfahrungen und knüpfte Kontakte, die ihr den Einstieg in die Arbeitswelt erleichterten.
Der Einstieg ins Berufsleben
Nach Abschluss ihrer Ausbildung eröffnete sich für Estefany eine neue berufliche Möglichkeit: Sie erhielt eine Stelle bei Volvo Peru. „Ich arbeite derzeit in der Schadensabteilung, wo ich alles anwenden kann, was ich während meines Studiums gelernt habe“, erklärt sie.
Für Estefany bedeutet diese Arbeit mehr als eine neue berufliche Perspektive. Sie ermöglicht ihr, finanziell unabhängiger zu sein und ihre Familie zu unterstützen. „Als ich meine ersten Gehaltsschecks erhielt, konnte ich meine Familie finanziell unterstützen“, sagt sie. „Ich war sehr dankbar, weil ich meiner Mutter dadurch ein besseres Leben ermöglichen konnte als zuvor.“
„Als ich meine ersten Gehaltsschecks erhielt, konnte ich meine Familie finanziell unterstützen.“
Schritt für Schritt weitergehen
Für Estefany war ihre Entwicklung von vielen einzelnen Erfahrungen geprägt: vom ersten Tag in der Werkstatt über den Abschluss ihrer Ausbildung bis zum Einstieg ins Berufsleben. Jede dieser Erfahrungen stärkte ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. „Auf dieser Reise bin ich sehr glücklich mit dem, was ich erreiche, und habe das Gefühl, mich beruflich weiterzuentwickeln“, sagt sie.
Neben ihrer Arbeit plant Estefany bereits ein weiteres Studium, um ihre beruflichen Möglichkeiten zu erweitern. Rückblickend sieht sie, wie sehr sie sich verändert hat: „Die Estefany, die ich vor Beginn dieses Projekts kannte, hat sich sehr verändert, und ich fühle mich wirklich wohl in meiner Haut.“
Die Geschichte von Estefany wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Peru aufgeschrieben.
Über das Projekt
„Cambiando Esquemas“ (dt.: „Stereotype verändern“) ist ein von Plan International durchgeführtes und von Hyundai unterstütztes Projekt in Peru. Es unterstützt junge Menschen – insbesondere junge Frauen – dabei, eine technische Ausbildung aufzunehmen und berufliche Perspektiven in Bereichen zu entwickeln, in denen Frauen bislang wenig vertreten sind.
Im Rahmen des Projekts erhalten die Teilnehmenden Vollstipendien für eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin am technischen Ausbildungsinstitut SENATI. Ergänzend nehmen sie an Trainings zu Berufsorientierung, Bewerbung, Arbeitnehmerrechten sowie persönlicher und beruflicher Entwicklung teil, um sich auf den Einstieg ins Berufsleben vorzubereiten.
Ziel des Projekts ist es, jungen Frauen neue berufliche Perspektiven zu eröffnen, traditionelle Rollenbilder in technischen Berufen zu hinterfragen und ihre Chancen auf eine langfristige berufliche Entwicklung zu stärken.