Als Mädchen im Stich gelassen: Absetou (17) kämpft für ihren Traum

Foto: Plan International / Souleymane Drabo

Im Alter von 14 Jahren beschloss Absetou, wegzulaufen und in die Stadt zu ziehen. Ihre Eltern waren gestorben, ihre Brüder waren gewalttätig. Auf sich allein gestellt war sie dem Risiko von Ausbeutung und Kinderheirat ausgesetzt, bis Plan International einschritt.

„Ich würde sagen, dass meine Geschichte eine traurige ist. Im Alter von fünf Jahren haben wir meinen Vater verloren. Als ich in der fünften Klasse war, starb meine Mutter. In meiner Familie lief einiges schief“, erinnert sich Absetou*.  

Von ihren Brüdern vernachlässigt

Kurz darauf fing sie an, Krampfanfälle zu bekommen. Absetous Brüder dachten, sie mache das mit Absicht. „Sie behaupteten, ich mache das, um sie unter Druck zu setzen.“ Die Beziehung zwischen dem Mädchen und ihren Brüdern wurde immer schwieriger. „Sie erinnerten mich immer wieder daran, dass ich seit dem Tod meiner Mutter auf sie angewiesen war. Dass sie allein sich um mich kümmerten und ich nur ihretwegen zur Schule gehen konnte. Das stimmte zwar, aber die Art wie sie es immer wieder sagten, brachte mich in Bedrängnis.“ 

„Sie erinnerten mich immer wieder daran, dass ich seit dem Tod meiner Mutter auf sie angewiesen war.“

Absetou (19)

Nachdem sie mitbekam, wie einer ihrer Brüder zum anderen sagte, dass er sie loswerden wolle, beschloss Absetou, ihr Zuhause zu verlassen. „Meine Brüder waren mir gegenüber oft aggressiv und auch gewalttätig. Es war nicht einfach“, erzählt die junge Frau. 

Absetou steht in einem Laden und kauft ein.
Absetou ist mit 14 in die Stadt gezogen – und war dort auf sich allein gestellt. Plan International / Souleymane Drabo

Mit 14 allein in der Stadt

Im Alter von nur 14 Jahren verließ Absetou ihr Dorf und zog in eine Stadt in der Provinz Bam, im Zentrum von Burkina Faso. „Die Reise und die Ankunft waren schwer, weil ich hier bis auf eine Person niemanden kannte. Erst nach einiger Zeit erfuhr ich, dass es eine Sozialhilfe gibt. Dort habe ich über meine Probleme gesprochen.“

Das Team der Sozialhilfe verwies Absetou an Plan International. Mit lokalen Partnerorganisationen stellen wir Schutzdienste und Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche in der Provinz bereit. Ein Plan-Mitarbeiter erfasste Absetous Situation, erkannte ihre Vulnerabilität und stellte sie Lizeta vor, die ihr seither als Betreuerin, Mentorin und Beraterin zur Seite steht.

Absetou sitzt in einem Zimmer neben einer Frau auf einer Bank. Sie sprechen mit einem Plan-Mitarbeiter, der hinter einem Schreibtisch sitzt.
Absetou erhielt Unterstützung von Plan International. Sie wurde einer Sozialarbeiterin zugewiesen, die ihr beiseite steht. Plan International / Souleymane Drabo

Mädchen vor Ausbeutung schützen

„Absetou hatte viele Schwierigkeiten, unter anderem in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Ich beantworte ihre Fragen und gebe ihr Ratschläge, damit sie vorsichtig ist und auf sich aufpasst. So versuche ich zu verhindern, dass jemand sie ausbeutet“, erklärt die Sozialarbeiterin. „Vor allem in diesem Alter ist es wichtig, dass Mädchen jemanden haben, der sie unterstützt. Wir versuchen Kindern, die auf sich allein gestellt sind, zu helfen, ihnen Kraft zu geben und Möglichkeiten für sie zu schaffen, damit sie einen guten Weg für sich finden.“

Heute ist Absetou 17 Jahre alt, geht wieder zur Schule und erhält regelmäßig Geldtransfers von Plan International, mit denen sie ihre Ausgaben decken kann. „Mit dem Geld, das ich erhalte, kann ich meine Miete bezahlen, Lebensmittel und auch Kleidung kaufen.“ 

„Ich gebe ihr Ratschläge, damit sie vorsichtig ist und auf sich aufpasst. So versuche ich zu verhindern, dass jemand sie ausbeutet.“

Lizeta, Absetous Sozialarbeiterin
Absetou steht vor einer Tafel mit mathematischen Formeln und schaut auf ihr Arbeitsblatt.
Absetou geht inzwischen wieder zur Schule. Plan International / Souleymane Drabo
Absetou sitzt in einem Innenhof an einem Schreibtisch und liest.
Sie schreibt gute Noten und will eines Tages Ingenieurin werden. Plan International / Souleymane Drabo

Zukunftschancen durch Bildung und finanzielle Unterstützung

Absetou schreibt sehr gute Noten. „Ich mag die Schule. Meine Lieblingsfächer sind die Naturwissenschaften. Da kann ich forschen und an nützlichen Dingen arbeiten. In fünf Jahren sehe ich mich an einer großen Universität, wo ich für meinen Traumberuf studiere.“ Sie hofft, dass sie sich für ein Stipendium im Ausland qualifizieren kann, um ihr großes Ziel zu erreichen: „Ich will unbedingt Ingenieurin werden.“

Absetou ist sich der Tatsache bewusst, dass eine frühe Heirat oder Schwangerschaft im Teenageralter diese Träume gefährden könnten. Daher ist sie besonders vorsichtig. „Wenn Jungs mich ansprechen, sagen sie, ich sei abweisend. Aber das stimmt nicht, ich will mich nur schützen. Ich sage den Leuten auch nicht, dass ich allein lebe, damit sie mich nicht zuhause aufsuchen.“ 

Die junge Frau hat ihr Leben in die Hand genommen. Sie hat nun Freund:innen, die sie unterstützen. Inzwischen freut sie sich auf die Zukunft und möchte die Vergangenheit hinter sich lassen. „Das Leben war nicht einfach für mich. Ich würde nicht sagen, dass ich eine Außenseiterin bin, aber ich bin doch anders als meine Altersgenoss:innen. Ich arbeite hart daran, allen zu zeigen, dass mein Wert nicht darin liegt, einem Mann zu gefallen, sondern für meinen Erfolg zu kämpfen.“ 

*Name zum Schutz der Identität geändert.

Absetous Geschichte wurde mit Material aus dem burkinischen Plan-Büro aufgeschrieben.

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