Hoffnung für ehemalige Kindersoldat:innen: Der Schrecken sitzt tief

Foto: Plan International / Ina Thiam

Am 12. Februar ist der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldat:innen. Rund 250.000 Mädchen und Jungen werden weltweit als Akteur:innen in bewaffneten Konflikten missbraucht. Mit einem Ausbildungsprogramm setzt Plan International sich in der Zentralafrikanischen Republik für die Wiedereingliederung von betroffenen Jugendlichen in ihren Gemeinden ein.

Die Zentralafrikanische Republik ist für Kinder einer der gefährlichsten Orte der Welt. Zehntausende Menschen verloren seit 2013 infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen ihr Leben, mehr als eine Million ihr Zuhause. Tausende Kinder und Jugendliche wurden in den folgenden Jahren in bewaffneten Gruppen rekrutiert – als Soldat:innen, aber auch als Köch:innen, Träger:innen, Bot:innen und Spion:innen.

Auch Luc, Rosalie und Francois* – alle inzwischen volljährig – waren als Kindersoldat:innen in die kriegerischen Auseinandersetzungen des zentralafrikanischen Landes geraten. Der Schrecken sitzt immer noch tief, auch wenn sich die politische Lage in den letzten Jahren etwas stabilisiert hat. Die Drei mussten erleben, wie ihre Angehörigen getötet und ihre Familien aus der Heimat vertrieben wurden. Eine Erfahrung, die die Jugendlichen dazu gebracht hatte, sich entweder der Armee oder bewaffneten Gruppen anzuschließen.

„Was ich als 15-jähriger Soldat im Wald erlebt habe, war kaum zu ertragen“

François (21), ehemaliger Kindersoldat

Die Handlungen, zu denen Minderjährige in bewaffneten Konflikten gezwungen werden, belasten ein Leben lang. Die körperlichen und psychischen Folgen prägen eine ganze Generation. Da ihre Heimat zerstört ist, verlieren die meisten Jugendlichen den Anschluss an die Schule und den Zugang zu gesundheitlicher Versorgung.

Auch Mädchen werden als Kindersoldatinnen eingezogen. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem auch die Zubereitung von Nahrung, die Versorgung der Verwundeten sowie das Ausspionieren der gegnerischen Seite. Sie sind in besonderem Maße sexualisiertem Missbrauch und Gewalt ausgesetzt, eine extreme körperliche und psychische Belastung, mit deren Auswirkungen sie ein ganzes Leben lang zu kämpfen haben.

„Es tat gut, meine Erfahrungen in der Gruppe zu teilen, ohne dafür verurteilt zu werden.“

Rosalie (20), ehemalige Kindersoldatin
Ehemalige Kindersoldat:innen im Kreis
In der Gruppe finden ehemalige Kindersoldat:innen wieder Anschluss.Ina Thiam

Gelingt ihnen die Flucht und die Rückkehr in ihre Heimat, werden viele Mädchen und Jungen von ihren Familien und Gemeinden ausgegrenzt. Ehemalige Kindersoldat:innen sind überwiegend auf sich selbst gestellt. Plan International führt daher in Krisenregionen wie der Zentralafrikanischen Republik oder Nigeria Programme in Zusammenarbeit mit lokalen NGOs durch, die den Jugendlichen die Wiedereingliederung erleichtern. Die Jugendlichen werden dabei unterstützt, entweder in die Schule zurückzukehren oder einen Beruf zu erlernen.

Das Reintegrationsprogramm bietet zudem psychosoziale Unterstützung für Jugendliche, die in Konflikte geraten sind, damit sie wieder Anschluss an ihre Familie und in ihrer Gemeinde finden. Mithilfe des Projektes, das Plan International in der Hauptstadt Bangui durchführt, haben Luc, Rosalie und Francois den Absprung geschafft und eine Ausbildung wahrnehmen können: Luc und Rosalie erlernten das Schneiderhandwerk, François die Tischlerei. Alle drei verdienen heute durch diese Qualifikation ihren eigenen Lebensunterhalt und gelten in ihren Gemeinden als vollwertige Mitglieder. Luc: „Ich habe schon immer davon geträumt, Bekleidung zu entwerfen und zu nähen. Heute kann ich damit zum Einkommen meiner Familie beitragen.“

„Ich bin froh, zum Lebensunterhalt meiner Familie beitragen zu können.“

Luc, ehemaliger Kindersoldat, 18 Jahre

Rund 250.000 Mädchen und Jungen werden nach Schätzungen des Deutschen Bündnis Kindersoldaten weltweit als Akteur:innen in bewaffneten Konflikten missbraucht. Der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar trägt dazu bei, immer wieder hinzuschauen und Politiker:innen aufzufordern, die betroffenen Jugendlichen nicht alleinzulassen.
 

*Namen geändert

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