Jugenddelegierte verschiedener Kulturen präsentieren die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bei der 69. Sitzung der Frauenrechtskommission (CSW69) 2025 im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. Die jungen Frauen setzen sich für Gleichstellung und die Stärkung weiblicher Führung ein.

LEAD: Starke Mädchen für eine gerechtere Welt

Vithyas Rede bei der 69. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission

Im März 2025 nahmen elf Jugenddelegierte von Plan International an der 69. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission (CSW) in New York teil. Die CSW ist die weltweit größte Konferenz für Gleichstellung und Frauenrechte. Hier treffen sich jährlich internationale Vertreter:innen von Regierungen, UN-Organisationen und der Zivilgesellschaft, um neue Ziele und Maßnahmen zu verhandeln, die die Rechte von Mädchen und Frauen weltweit stärken sollen. Ausgewählte Nichtregierungsorganisationen wie Plan International können ihre Expertise und Erfahrungen einbringen und so den Diskurs beeinflussen. Plan International überließ dabei in New York Jugendlichen die Bühne. Denn wer könnte sich besser für ihre Rechte einsetzen als sie selbst? Eine dieser Jugendlichen war Vithya*. Sie ist Mitglied des Jugendbeirats von Plan International Deutschland und hielt bei der offiziellen Konsultation der Zivilgesellschaft eine starke Rede. Dies sind ihre Worte:

Vithya hält eine Rede als Jugenddelegierte während der 69. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission (CSW) in New York und setzt sich für die Rechte von Mädchen und Frauen ein.
Vithya während ihrer Rede bei der offiziellen Konsultation der Zivilgesellschaft

Vithyas Original-Rede auf Englisch finden Sie hier. 

„Es ist mir eine Ehre, heute als Jugenddelegierte von Plan International zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich bin eine tamilische Einwanderin der zweiten Generation, deren Eltern gezwungen waren, ihr Heimatland Sri Lanka wegen des grausamen, Jahrzehnte anhaltenden Bürgerkriegs zu verlassen. Wie so viele Menschen, die vor Völkermord, bewaffneten Konflikten oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit fliehen müssen, opferten meine Eltern alles. Sie ließen ihr Zuhause, ihre Gemeinschaft und das Leben, das sie einst kannten, zurück. Alles, um mir und meinen Geschwistern eine sichere Zukunft zu ermöglichen.

Als weibliche „Person of Color“ in Deutschland aufzuwachsen, war für mich mit der Realität verbunden, nicht ernst genommen oder übergangen zu werden. Die intersektionelle Diskriminierung, der ich ständig ausgesetzt bin, treibt meine Leidenschaft an, für diejenigen einzutreten, die nicht das Privileg haben, für sich selbst die Stimme zu erheben.

30 Jahre nach der Pekinger Erklärung ist es erschütternd, die Rückschritte bei bereits erreichten Menschenrechten zu beobachten. Mühsam erkämpfte Freiheiten werden zurückgenommen, Femizid als globale Krise fehlt nach wie vor im politischen Diskurs, und die Mitgliedstaaten versagen dabei, einen stärkeren Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt umzusetzen. Wie können wir von Gleichberechtigung sprechen, während Frauen und Mädchen allein dafür ermordet werden, dass sie Frauen sind?

Im Kern dieser Krise steht die Verweigerung sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte (SRGR). Das Recht, Entscheidungen über unseren eigenen Körper zu treffen, ist vom Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu trennen – beides ist eng miteinander verbunden. Wenn Mädchen und junge Frauen keinen Zugang zu umfassender Gesundheitsversorgung und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen haben, bleiben sie verwundbar für Kreisläufe von Gewalt und Kontrolle. Ohne SRGR gibt es keine wahre Freiheit – nur ein Überleben unter Unterdrückung.

Die Situation ist für gender-diverse Menschen, weibliche „People of Color“ und andere marginalisierte Gruppen noch schlimmer, da sie einer intersektionellen Dimension gewaltsamer Diskriminierung ausgesetzt sind. Vor allem gender-diverse Menschen werden oft vom jursitischem Schutz ausgeschlossen, ihnen wird Gesundheitsversorgung verweigert und sie werden brutaler Gewalt ausgesetzt, einfach weil sie außerhalb starrer Geschlechternormen existieren. Ihr Kampf für Sicherheit und Anerkennung ist ein integraler Bestandteil des Kampfes für Geschlechtergerechtigkeit. Sie haben sie mit der diesjährigen Politischen Erklärung im Stich gelassen.

Eine wirksame Jugendbeteiligung ist unerlässlich, um die unterdrückerischen Systeme zu zerschlagen, die die Ungleichheit der Geschlechter aufrechterhalten. Wir sind es, die unermüdlich soziale Bewegungen anführen und die Risiken eingehen, die Sie selbst scheuen. Trotzdem werden unsere Perspektiven systematisch ignoriert. Doch ohne institutionelle Unterstützung bleibt unsere Wirkung begrenzt. Dieser Ausschluss ist nicht nur ungerecht – er ist strategische Inkompetenz. Wir brauchen Regierungen und internationale Organisationen, die uns aktiv einbeziehen.

Der Kampf für Geschlechtergerechtigkeit muss intersektionell und global sein. Wenn wir es nicht schaffen, die Rückschritte zu stoppen, werden wir die kommenden Generationen im Stich lassen. Junge Menschen sind nicht nur die Zukunft – wir sind hier, wir sind bereit und wir weigern uns, zum Schweigen gebracht zu werden. Vielen Dank."

- Vithya, am 19. März 2025 bei der offiziellen Konsultation der Zivilgesellschaft im Rahmen des 69. CSW

*Um ihre Identität zu schützen, nennen wir nur Vithyas Vornamen.

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