Da Mädchen und junge Frauen während der Corona-Krise nicht mehr in ihren Schulen mit Damenbinden versorgt werden können, treten Freiwillige aus der Girls Advocacy Alliance in Aktion. © Plan International
Da Mädchen und junge Frauen während der Corona-Krise nicht mehr in ihren Schulen mit Damenbinden versorgt werden können, treten Freiwillige aus der Girls Advocacy Alliance in Aktion. © Plan International
13.05.2020 - von Sarah Koch

Menstruationshygiene während einer Pandemie

In Krisenzeiten ist es für Mädchen und junge Frauen schwierig, wenn sie ihre Periode haben, da sie keinen Zugang zu Hygieneartikeln, Toiletten und Handwaschanlagen haben. Berichte aus Kenia und Mosambik zeigen, was das konkret für die Menschen bedeutet, und wie Plan International sie durch die Verteilung von Hygiene-Kits unterstützt.


Während sich die Welt mit einem beispiellosen globalen Gesundheitsnotstand konfrontiert sieht, versammelt sich eine kleine Gruppe von Mädchen aus Kibera, dem größten Slum in Kenia, nur etwa sieben Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernt, um über einen weiteren Notstand zu diskutieren: den Mangel an Menstruationsprodukten in ihrer Umgebung. Die meisten Mädchen sind auf kostenlose Damenbinden angewiesen, die normalerweise in ihrer Schule verteilt werden. Aber da die Schulen geschlossen sind, um die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen, haben sie keinen Zugang mehr zu diesen Binden.

„Jetzt, da die Schulen geschlossen sind, und ich keine Binden mehr habe, muss ich Stoffstücke verwenden, was nicht nur sehr unbequem, sondern auch unhygienisch ist“, sagt die 16-jährige Nisera. „Das macht mich traurig, denn ich kann keine normalen Dinge mehr machen, wie Hausarbeiten. Ich möchte mich auch nicht hinsetzen, weil ich Angst habe, meine Kleidung zu beschmutzen.“

Die Bereitstellung von Damenbinden durch Schulen fällt weg


Quarantänemaßnahmen, die als Reaktion auf die Corona-Pandemie in Kenia verhängt wurden, haben zu finanziellen Problemen in Familien geführt, die Mädchen und Frauen benachteiligt. Viele sind von wesentlichen sexuellen und reproduktiven Gesundheitsdiensten sowie von sozialen Netzwerken abgeschnitten.

„Es ist dringend erforderlich, dass Quarantänemaßnahmen mit Unterstützung für betroffene Haushalte einhergehen. Globale Abriegelungen schränken auch die Autonomie von Mädchen ein und stärken Einstellungen und Praktiken, die Mädchen als zweitklassig ansehen und behandeln“, sagt Kate Maina-Vorley, Länderdirektorin von Plan International in Kenia.
„Der Konsequente Schutz aller Kinder, sowie von Mädchen und Frauen, vor solchen Auswirkungen muss in allen politischen Handlungen, Informationen und Anweisungen betont und priorisiert werden“, fügt sie hinzu.

Um Mädchen in der Krise zu unterstützen, verteilte Plan International 2.700 Damenbinden an die heranwachsenden Mädchen und Frauen in Kibera. Die Austeilung erfolgte in Partnerschaft mit Zana Afrika, einer Organisation, mit der Plan in Kenia eng zusammenarbeitet.

Cynthia, eine der Freiwilligen der Girls Advocacy Alliance, die bei der Verteilung half, war über die Reaktion, die sie erhielt, verblüfft. „Die Mädchen und Frauen waren begeistert. Ich war allerdings überrascht, dass in einigen Haushältern sogar die Mütter der Mädchen verzweifelt auf die Binden angewiesen waren. Es besteht definitiv mehr Bedarf an Damenbinden, nicht nur in Kibera, sondern auch in anderen Siedlungen und ländlichen Gebieten. Wir sind nur ein kleiner Teil von dem, was im ganzen Land passiert“, sagt Cynthia.

Plan International sucht auch nach Möglichkeiten, mit Wascheinrichtungen zusammenzuarbeiten und heranwachsenden Mädchen die kostenlose Nutzung von Duschen für die Körperpflege zu ermöglichen. Normalerweise kostet eine Benutzung umgerechnet 0.1 US-Dollar pro Person – klingt wenig, ist aber für die Menschen in Kibera kaum bezahlbar. „Das Waschen wird zu einem Luxus, der mit anderen Prioritäten wie Essen oder Wasser zum Trinken und Kochen konkurriert. Es ist daher wichtig, die Verteilung von Damenbinden durch den Zugang zu Wascheinrichtungen zu ergänzen“, erklärt die 17-jährige Marel, ein weiteres Mitglied der Girls Advocacy Alliance.

Wenn Hygieneartikel ein Luxus sind


Auch in Mosambik stehen Mädchen und junge Frauen wegen COVID-19 vor neuen Herausforderungen in Bezug auf die Menstruationshygiene, denn Produkte dafür sind nicht nur Mangelware, sondern auch teuer. Viele Frauen können sie sich schlicht nicht leisten, weil sie durch die Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-1ß nicht arbeiten gehen und Geld verdienen können.

„Als der Präsident den Ausnahmezustand ausgerufen hat, geriet ich in Panik. Man sagte uns, dass wie zu Hause bleiben und weder zur Schule noch zur Arbeit gehen dürfen, um uns nicht mit dem Coronavirus zu infizieren. Das macht mir das Leben sehr schwer, denn ich bin auf Gelegenheitsjobs angewiesen, um über die Runden zu kommen. So versorge ich meine Familie“, sagt Deolinda, die im Alter von 19 Jahren für die Betreuung ihrer vier jüngeren Schwestern verantwortlich ist.

In Mosambiks Buzi Distrikt, in dem sie lebt, ist die Bevölkerung immer noch dabei, sich von den verheerenden Folgen von Zyklon Idai zu erholen, der im März 2019 die Südküste Afrikas heimgesucht hatte. Die katastrophalen Schäden, die durch starke Winde und großflächige Überschwemmungen verursacht wurden, haben Ernten und Saatbestände vernichtet. Millionen Menschen haben ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage verloren. Seitdem hat Deolinda Probleme, Arbeit zu finden, und die Verbreitung von COVID-19 im Land macht die Sache noch schwerer.

„Es ist normalerweise schon sehr schwierig für mich, das Geld für Binden und Seife für mich und meine Schwestern aufzubringen, und ich habe keine Ersparnisse, um diese Produkte für uns alle zu kaufen. Es stresst mich, weil zu Hause alle auf mich angewiesen sind“, erklärt sie.

Am 1. April rief die mosambikanische Regierung den Ausnahmezustand aus, um die Ausbreitung des Virus‘ zu kontrollieren. Die Bewegungsfreiheit der Menschen wurde eingeschränkt, öffentliche und private Versammlungen sind verboten, Unterhaltungseinrichtungen und Schulen werden geschlossen.

Als Reaktion auf den Appell der Regierung an die Bürger, verstärkt auf ihre Hygiene zu achten und sich regelmäßig gründlich die Hände zu waschen, begann Plan International mit der Verteilung von Hygiene-Sets in den Gemeinden, in denen wir arbeiten. Die Sets, die an Mädchen und Frauen ausgegeben werden, enthalten grundlegend notwendige Artikel wie Damenbinden, Seife, Zahnpasta und Zahnbürsten, Eimer, Tücher und eine Tasche zur Aufbewahrung.

Deolinda war eine der Frauen, die ein Set bekam. „Als ich erfuhr, dass Plan International uns mit einem Hygiene-Set helfen würde, das all die notwendigen Produkte enthält, die wir nicht haben, fing ich an zu weinen, weil es für viele von uns einfach ein Segen war.

Als Frauen sind wir für die Sauberkeit unserer Familien verantwortlich, daher ist diese Maßnahme eine große Hilfe für unsere Gemeinde. Wir alle haben um Radio die Nachrichten gehört, dass wir uns regelmäßig die Hände waschen müssen, um die Ausbreitung des Coronavirus‘ zu verhindern. Jetzt können wir das tun und uns so vor der Krankheit schützen.

Dieses Set sieht vielleicht für manche nicht nach viel aus, aber für mich und die meisten Menschen im Dorf ist es selten, alle diese Produkte auf einmal zu haben – besonders in einer Notsituation. Für mich bedeutet das, dass meine Schwestern und ich, und die anderen Frauen im Dorf, erst einmal versorgt sind.“

Während Plan International seine Nothilfe ausweitet, arbeiten wir mit unseren Partnern zusammen, um die am stärksten gefährdeten Menschen des Landes vor den Auswirkungen von COVID-19 zu schützen.


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