Die Nahrungsmittelkits sind die Reaktion auf eine drohende Hungerkrise in Honduras. © Plan International
Die Nahrungsmittelkits sind die Reaktion auf eine drohende Hungerkrise in Honduras. © Plan International
14.07.2020 - von Sarah Koch

Covid-19 bedroht die Nahrungsgrundlage vieler Menschen in Honduras

Die Lockdown-Maßnahmen in Honduras nehmen vielen Menschen die Möglichkeit, Nahrung für ihre Familien zu beschaffen. Einkaufsmöglichkeiten sind beschränkt, und viele Menschen haben ihre Einnahmequelle verloren. Plan International spendet Nahrungsmittel-Kits, um das Überleben von ländlichen Bevölkerungen zu sichern.

Die Covid-19-Pandemie könnte die Zahl der Menschen, die weltweit unter Ernährungsunsicherheit leiden, verdoppeln, so der jüngste globale Bericht über Hungerkrisen des World Food Programme (WFP). Denn die Pandemie betrifft Menschen auf der Welt besonders schwer, die schon zuvor von einer Krise betroffen waren, beispielsweise durch militärische Konflikte, dem Klimawandel oder auch durch bereits bestehende Nahrungsmittelknappheit, wie zum Beispiel in Afrika. Das bedeutet, dass die bereits am stärksten gefährdeten Menschen durch die Pandemie nun zusätzlich beziehungsweise verstärkt dem Risiko von Hunger und Unterernährung ausgesetzt sind.

Viele von ihnen sind abhängig davon, täglich ihre Ernte auf dem Feld einzufahren und ihre Produkte auf dem Markt oder an den Straßen zu verkaufen. Wenn diese Möglichkeiten nun durch die Eindämmungsmaßnahmen wie Social Distancing und Ausgangssperren wegfallen, können sie weder neue Nahrung in Umlauf bringen noch Geld verdienen, um woanders welche zu beschaffen. So ist die Nahrungsgrundlage vieler Menschen weltweit ernsthaft bedroht – laut WFP könnten bis Ende des Jahres 265 Millionen Menschen an akutem Hunger leiden. Das wären 130 Millionen mehr als noch im letzten Jahr.

Davon wären auch die Menschen in Honduras betroffen, denn das Land gilt immer noch als eines der ärmsten Länder der Welt. Trotz des wirtschaftlichen Fortschritts wird die Entwicklung dort weiterhin schwer von Ungleichheit und Gewaltverbrechen behindert. Die Armut – von der 60 Prozent der Bevölkerung betroffen sind – ist die Ursache einer chronischen Ernährungsunsicherheit in Honduras. 23% der Kinder leiden aufgrund von Unterernährung unter Wachstumsstörungen.  

Um die Ausbreitung des Coronavirus‘ zu verhindern, verhängte die honduranische Regierung einen strengen Lockdown. Zunächst waren sogar die Geschäfte geschlossen, und es gab keine Möglichkeit, an Lebensmittel zu gelangen. Dadurch wurde die politische Lage im Land immer angespannter und es kam zu Gewaltausbrüchen, weil die Menschen hungerten. Mittlerweile wurden die Beschränkungen soweit zurückgefahren, dass die Menschen nun an bestimmten Tagen Vorräte kaufen können.

Angesichts der kritischen Lage, in der sich Honduras befindet, hat Plan International einen Covid-19-Krisenaktionsplan ins Leben gerufen. „In dieser ersten Phase werden rund zehn Millionen Lempiras (ca. 410.000 US-Dollar) investiert, wodurch 9.508 Lebensmittel- und Hygiene-Kits an Familien gegeben werden können“, sagt Verónica Zambrano, Länderdirektorin von Plan Honduras.


Insgesamt werden mehr als 33.000 Familien von der Lieferung der Lebensmittel-Kits (mit Reis, Bohnen, Butter und Maismehl für die Herstellung von Tortillas) und Hygienekits (Seife, Damenbinden, Zahnpasta und Reinigungsmittel) profitieren. Die größte Empfängergruppe sind Menschen, die in ländlichen Gegenden wohnen, denn ihr Überleben hängt meist von ihrem täglichen Einkommen ab. Da dies aktuell wegfällt, weil sie durch den Lockdown eingeschränkt sind und ihre Ernteerträge nicht mehr verkaufen können, haben sie nun ernste Schwierigkeiten, für ihre Familien zu sorgen.

„Ich bin dankbar, denn ich wusste nicht, wie ich mich hätte ernähren sollen. Mein Mann ist vor kurzem gestorben, ich habe keine Lebensgrundlage mehr und bin allein“, sagt María aus Choluteca. Ihre Worte spiegeln die Not wider, die Millionen Honduranerinnen und Honduraner mit ihr teilen.

Auch der Teenager Jensi ist besorgt über die Auswirkung der Corona-Krise: „Ich mache mir Sorgen wegen der wirtschaftlichen Folgen. Meine Familie lebt von Tag zu Tag, ohne regelmäßige Arbeit oder Absicherung, und meine Gemeinde hat extreme Isolationsmaßnahmen getroffen. In unserer Familie und unserer Gemeinschaft helfen wir uns gegenseitig, indem wir unser Essen teilen. Wir leiden unter dieser Situation, aber wir verstehen, dass es wichtig ist, Präventivmaßnahmen zu ergreifen, um die Verbreitung von Covid-19 zu verhindern“, sagt er.

Die Besorgnis wächst auch im Hinblick auf die Zunahme der Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Honduras hat eine der höchsten Raten von Frühschwangerschaften in Zentralamerika. Die Zahl könnte während der Corona-Krise noch steigen, da Mädchen und heranwachsenden Frauen durch die Ausgangsbeschränkungen der Zugang zu Gesundheitsdiensten und Verhütungsmitteln erschwert wird. Darüber hinaus werden vielerorts die Reproduktiven Gesundheitsdienste zurückgeschraubt, da die Gesundheitssysteme mit den Corona-Fällen überlastet sind.

Auch die Zahl der Übergriffe mit sexueller Gewalt steigt in Zeiten der Epidemie. In der nationalen Erhebung über Gewalt gegen Kinder und Jugendliche von 2017 wird geschätzt, dass mindestens 16% der Mädchen vor dem 18. Lebensjahr sexuelle Gewalt erlebt haben, und von diesen erlitt die Hälfte den ersten Übergriff bevor sie 13 waren. Mit dem Fortschreiten der Pandemie hat die Zahl der gemeldeten Fälle von Gewalt gegen Frauen und Mädchen zugenommen. Allein in den ersten 15 Tagen der Quarantäne wurden 4.245 Anrufe wegen häuslicher Gewalt registriert.

Vor diesem Hintergrund leitet Plan International eine Kampagne in den sozialen Medien mit dem Ziel, das Bewusstsein für das Problem der häuslichen und sexuellen Gewalt während des Lockdowns zu schärfen und sicherzustellen, dass Frauen und Mädchen wissen, wie sie Übergriffe melden können.


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