Ein Andendorf stemmt sich gegen Diskriminierung

Foto: Pia Reker

In einem Sport-Projekt hoch oben in den Bergen von Peru lernen Mädchen und Jungen, was Teamgeist mit Fairness sowie kultureller Identität zu tun haben.

Es ist Anfang Mai, die Trockenzeit im peruanischen Anden-Winter beginnt. Nachts wird es hoch oben auf rund 3.700 Metern Höhe sehr kalt, während tagsüber die Äquator-Sonne wieder für Wärme sorgt.

Hier, rund um die Millionenmetropole Cusco, wächst Zoe (9) in einem kleinen Dorf auf. Sie lebt mit ihrer Familie in einem Haus aus luftgetrockneten Lehmziegeln, mit einem Metall-Dach und einem Fußboden aus festgestampfter Erde. In ihrer Heimat besucht sie die lokale Schule – und macht bei einem Kinderclub mit, den Plan International ins Leben gerufen hat, um gegen die verbreitete Diskriminierung vorzugehen.

Ein Kinderclub für mehr Gerechtigkeit

In Peru sind besonders Mädchen aus ländlichen Regionen mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt – aufgrund ihres Geschlechts, ihres Alters, ihrer ethnischen Zugehörigkeit und nicht zuletzt ihrer Muttersprache. 86 Prozent der Schüler:innen sprechen zuerst Quechua. Die Folgen der Kolonialzeit sind bis heute spürbar: Viele Kinder erleben sowohl internalisierte als auch strukturelle Diskriminierung, sie sind also aufgrund ihrer Identität und Sprache benachteiligt.

Eine Frau mit blauer Schirmmütze und blauer Weste mit dem Plan-Logo drauf sitzt neben einem kleinen Mädchen am Rande eines Fußballplatzes. Im Hintergrund sind die Berge der Anden in Peru zu sehen.
Die neunjährige Indigena Zoe (r.) erzählt einer Plan-Mitarbeiterin von ihren Zukunftswünschen Pia Reker
Ein Hund döst vor einem bunten Wand-Graffiti.
Der Sport- und Anti-Diskriminierungs-Club wird von der adidas Foundation gefördert Pia Reker
Blick auf ein Tal, in dem ein kleiner Ort liegt. Am Himmel sind zum Sonnenuntergang gelbe Wolken.
Zoes Heimatdorf ist von den schneebedeckten Gipfeln der Anden umgeben Pia Reker

Hinzukommt, dass viele Familien in dem südamerikanischen Land unterhalb der Armutsgrenze, also von weniger als 2,15 US-Dollar pro Tag leben. Insbesondere in ländlichen Regionen sowie bei der indigenen Bevölkerung. Armut stellt für sie eine Belastung dar, die das Risiko von Diskriminierung verstärkt. Genau hier setzt ein Projekt von Plan International Deutschland an. Es verbindet Sport und Bildungsprogramme für Kinder und junge Menschen mit gemeinschaftlichen Aktivitäten – mit dem Ziel, Diskriminierung zu begegnen.

„Es gibt beim Sport keinen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen.“

Zoe (9), indigene Schülerin und Teilnehmerin beim Plan-Kinderclub
Kinder sspielen Basketball auf einem Sportplatz mitten zwischen den Bergern.
Fußball, Basketball, Volleyball – über sportliche Aktivitäten lernen die Mädchen und Jungen ihre persönlichen Stärken kennen Pia Reker
Ein Mann in blauer Jacke hält ein Schild mit der Aufschrift "cuál es mi mayor fortaleza?" hoch.
„Was ist meine größte Stärke?“, fragt Plan-Mitarbeiter Cristhian Mescua die Kinder auf dem Sportplatz Pia Reker

„Es gibt beim Sport keinen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen“, erzählt Zoe. Die Neunjährige macht beim Kinderclub an ihrer Schule mit und erklärt draußen auf dem Sportplatz in der dünnen Bergluft, dass sie Fußball und Volleyball liebe. Stolz präsentiert da eine Gruppe von Schulkindern das Motto ihres Anti-Diskriminierungs-Clubs, das sie mit bunten Farben an eine Wand ihrer Schule gemalt haben: „Gemeinsam gegen Diskriminierung. Unsere Schule verändert sich. Gemeinsam sind wir stärker.“

„Das Wichtigste bei unserem Projekt sind Selbstwertgefühl und Identität.“

Cristhian Mescua, Projektleiter von Plan International Peru

„Das Wichtigste bei unserem Projekt sind Selbstwertgefühl und Identität“, erklärt Cristhian Mescua, Projektleiter von Plan International Peru. Die Projektarbeit entlang dieser beiden Themen hilft den teilnehmenden Kindern, ihre eigene kulturelle Identität wertzuschätzen und ihre Fähigkeiten besser zu erkennen. Sie lernen, ihre persönlichen Stärken zu erkennen und stolz auf ihre Persönlichkeit zu sein. Dieses Selbstbewusstsein ist die Grundlage, um alltägliche Diskriminierung aktiv zu hinterfragen und ihr selbstbewusst entgegenzutreten.

Kinder sammeln sich auf einem Sportplatz unter einer Überdachung.
Das Plan-Team organisiert einen Stafellauf – ganz in der Tradition der Chasquis, der legendären Botenläufer der Inka Pia Reker
Blick auf eine terrassenförmige Anlage mit Blick auf die Anden.
Landwirtschaftliches Testfeld: Inka-Anlage Moray in Peru Pia Reker

Tradition wiederbeleben inmitten der schneebedeckten Anden

Während die Kinder auf dem Sportplatz trainieren, Ballspiele und Teamgeist trainieren, schmücken hoch über den Hügeln von Zoes Heimatdorf Kreuze die Gipfel. Peru ist geprägt vom christlichen Glaube, der vielerorts mit indigenen Traditionen verschmolzen ist. Diese Verbindung der Religionen ist Teil der peruanischen Geschichte: Während der Kolonialzeit ging ein Großteil des lokalen Wissens der Inka verloren. Der europäische Einfluss, Unterdrückung sowie die Zerstörung indigener Strukturen führten zum Verlust vieler Traditionen und sogar der eigenen Schriftform. Dieses historische Erbe prägt noch heute das Leben der Menschen in den Anden – und beeinflusst, wie Kinder wie Zoe ihre Identität wahrnehmen.

„Wir haben gelernt, niemanden zu diskriminieren.“

Zoe (9), indigene Schülerin und Teilnehmerin beim Plan-Kinderclub

Mit Trainingsprogrammen sowie der Stärkung lokaler Sportvereine entstehen jetzt wieder Räume, in denen Mädchen und Jungen Gleichberechtigung und ihr kulturelles Erbe erleben können. Eine positive Veränderung gelingt nur, wenn die gesamte Gemeinschaft zusammen umdenkt. Deshalb werden im Plan-Projekt auch die Eltern sowie Lehrkräfte geschult und eingebunden.

Das Ziel dieses Ansatzes ist klar: Eine Gemeinschaft zu stärken, in der alle Kinder – unabhängig von Geschlecht oder Herkunft – gleiche Chancen erhalten und frei von Gewalt und Diskriminierung aufwachsen können. „Wir haben gelernt, niemanden zu diskriminieren, uns gegen Gewalt einzusetzen und jeden Menschen wertzuschätzen. Denn wir alle sind gleich“, resümiert Projektteilnehmerin Zoe.

Pia Reker, Social-Media-Referentin bei Plan International Deutschland, hat Zoe in Peru getroffen und ihre Geschichte für die Plan Post aufgeschrieben.

Ein Mädchen mit orangefarbener Weste steht an einem Sportplatz.
Zoe (9), Teilnehmerin beim Plan-Sportprojekt Pia Reker

Übernehmen Sie eine Patenschaft für Kinder

In Peru setzen wir von Plan International uns unter anderem für die wirtschaftliche und berufliche Stärkung junger Frauen, die Aufklärung zu sexueller und reproduktiver Gesundheit sowie Verhinderung von Teenagerschwangerschaften ein. Wir unterstützen zudem die frühkindliche Förderung und bessere Bildung. 

Helfen Sie mit Ihrer Patenschaft, das Leben in Peru nachhaltig zu verbessern.

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