Zukunft nach Maß
Schon als Kind wusste Rossi, was sie einmal werden wollte. Während andere spielten, blieb sie oft am Markt stehen und beobachtete fasziniert eine Frau an ihrer Nähmaschine. „Ich konnte stundenlang zusehen“, erinnert sie sich. Aus dieser frühen Begeisterung wuchs ein klarer Traum: eines Tages ein eigenes Modelabel zu gründen. Heute, mit 29 Jahren, hat Rossi diesen Traum Wirklichkeit werden lassen.
Rossi erlernte das Nähen und begann eigene Schnitte zu entwerfen. Mit viel Engagement und Ausdauer gründete sie schließlich ihre eigene Marke: die Rossi Andaya Boutique.
Doch der Weg in die Selbstständigkeit war herausfordernd. Jede Naht, jedes Kleidungsstück entstand in mühevoller Handarbeit. Die Nachfrage wuchs, doch Rossi stieß schnell an ihre Grenzen.
„Ich habe gemerkt, dass ich mehr erreichen könnte, wenn ich bessere Ausstattung hätte“, erzählt sie. „Aber mir fehlten die Mittel und auch das Wissen, wie ich mein Geschäft weiterentwickeln kann.“
Neue Chancen durch Wissen und Förderung
Ein entscheidender Wendepunkt kam, als eine Kollegin Rossi auf das EmpleaT-Projekt aufmerksam machte – eine Initiative von Plan International zur Förderung von Beschäftigung und Unternehmertum bei jungen Menschen.
Rossi nahm an digitalen Workshops teil und erwarb wichtige Kenntnisse in Finanzplanung, Marketing und Unternehmensführung.
„Früher habe ich Geld ausgegeben, ohne den Überblick zu behalten“, sagt sie offen. „Heute schreibe ich alles auf. Ich weiß genau, wie viel ich verdiene, investiere und ob mein Geschäft wächst.“
„Mit dem Fördergeld konnte ich eine Overlock-Nähmaschine kaufen. Das hat meine Arbeit komplett verändert.“
Neben betriebswirtschaftlichem Wissen lernte sie auch, wie wichtig digitale Sichtbarkeit ist und wie sie ihre Marke gezielt positionieren kann. Auch steuerliche Grundlagen und rechtliche Rahmenbedingungen wurden Teil ihres neuen Werkzeugkastens.
Ein Plan und der Mut, ihn umzusetzen
Am Ende des Programms entwickelte Rossi einen eigenen Businessplan. Sie präsentierte ihn vor einer Jury, wurde ausgewählt und erhielt eine Förderung.
„Ich war überglücklich“, erinnert sie sich. „Mit dem Fördergeld konnte ich eine Overlock-Nähmaschine kaufen. Das hat meine Arbeit komplett verändert.“
Die neue Maschine ermöglicht es ihr, schneller und effizienter zu produzieren. Aus einzelnen Aufträgen wurde ein wachsendes Geschäft.
Auf ihrem Weg ist Rossi nicht allein. Eine wichtige Stütze ist ihre Mutter, Doña Amelia. Jeden Morgen bereitet sie das Essen für ihre Tochter vor, bevor sie selbst zur Arbeit geht. In der Werkstatt hilft sie, wo sie kann – übernimmt kleinere Aufträge oder unterstützt bei den letzten Handgriffen.
„Meine Tochter arbeitet so hart“, sagt sie stolz. „Sie hat heute viel mehr Kundschaft. Ich bin so stolz auf alles, was sie erreicht.“
Mehr als ein Geschäft: Chancen für andere junge Frauen
Mit wachsendem Erfolg übernimmt Rossi auch Verantwortung für andere. In arbeitsintensiven Zeiten stellt sie gezielt junge Frauen ein und bietet ihnen Beschäftigung in ihrer Werkstatt.
„Wenn mehr junge Frauen mitarbeiten, können wir schneller produzieren und unsere Kundschaft besser bedienen“, erklärt sie. Gleichzeitig schafft sie damit neue Perspektiven für Menschen, die sonst oft nur schwer Zugang zu sicheren Arbeitsplätzen finden.
Über soziale Medien macht Rossi ihre Marke sichtbar und erreicht immer mehr Kund:innen. Ihre Boutique ist längst mehr als ein Geschäft: Sie ist ein Ort der Möglichkeiten. Rossis Alltag ist arbeitsintensiv. Ihre Tage beginnen früh und enden oft erst tief in der Nacht – zwischen Stoffen, Schnitten, Bestellungen und Lieferungen. Doch trotz aller Herausforderungen ist sie überzeugt: Der Weg lohnt sich.
„Unternehmerin zu sein bedeutet für mich, meine Ziele stets im Blick zu haben – selbst dann, wenn ich Angst habe. Genau das ist entscheidend“, sagt sie. „Gerade dann darf man nicht aufgeben.“
Projekte wie EmpleaT unterstützen junge Menschen in Peru dabei, ihre berufliche Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Durch praxisnahe Schulungen, die Stärkung unternehmerischer Kompetenzen und einen erleichterten Zugang zu fairer Arbeit werden Armut reduziert und soziale Teilhabe gefördert. Gleichzeitig wird jungen Menschen der Übergang von unsicheren, informellen Jobs in stabile Beschäftigung ermöglicht.
Die Geschichte von Rossi wurde mit Material aus dem peruanischen Plan-Büro aufgeschrieben.