Vom Patenkind zur Unternehmerin
Noch bevor die Sonne über Paraguarí im Süden Paraguays aufgeht, beginnt Daninas Tag. Sie bereitet das Frühstück für ihre Familie vor, kontrolliert die Schulhefte ihrer Kinder und bringt sie zur Schule. Erst danach öffnet sie die Tür zu ihrem eigenen Schönheitssalon und empfängt ihre erste Kundin.
Dass sie heute selbstständig ist und mit ihrer Arbeit den Lebensunterhalt für ihre Familie sichert, erfüllt sie mit Stolz. Doch der Weg dorthin war nicht einfach. Hinter ihr liegen Jahre voller Herausforderungen – aber auch Chancen, die ihr halfen, ihren Traum Schritt für Schritt zu verwirklichen.
Der schwierige Start ins Berufsleben
Der Übergang von der Schule ins Berufsleben ist für viele junge Menschen in Paraguay alles andere als leicht. Besonders in ländlichen Regionen fehlen Ausbildungsmöglichkeiten und sichere Arbeitsplätze. Viele schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch oder verlassen ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit im Ausland.
Auch Danina stand nach ihrem Schulabschluss vor dieser Herausforderung. Als Kind war sie Teil des Patenschaftsprogramms von Plan International. Das gab ihr die Möglichkeit sich wichtige Grundlagen für ihren weiteren Lebensweg anzueignen: Sie konnte zur Schule gehen, entwickelte Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und wuchs in einem Umfeld auf, das sie stärkte. Dieses Fundament gab ihr das nötige Selbstwertgefühl ihre Träume zu verfolgen.
Denn schon während der Schulzeit hatte Danina ihre Leidenschaft für Hairstyling und Beauty entdeckt. Freunde und Verwandte ließen sich von ihr frisieren, und schnell wurde ihr klar, dass in ihr mehr als nur Begeisterung steckte – sie hatte Talent. Doch handwerkliches Geschick allein reicht nicht aus, um sich eine Existenz aufzubauen. Was ihr fehlte, war eine Chance: die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und das fachliche wie unternehmerische Wissen zu erwerben, das sie für den Schritt in die Selbstständigkeit brauchte.
Unterstützung, die weitergeht
Über das Projekt „Jóvenes del Cambio“ (Jugend für Veränderung) erhielt Danina schließlich diese Chance. Im Rahmen des Projekts werden unter anderem Weiterbildungen im Bereich der Beauty-Dienstleistungen angeboten. Die Kurse vermitteln neue Techniken, stärken unternehmerisches Denken und bereiten die Teilnehmenden auf die Selbstständigkeit vor.
Mit diesem neuen Wissen und wachsendem Selbstvertrauen sparte Danina jeden verdienten Guaraní (die Landeswährung Paraguays), investierte nach und nach in professionelle Arbeitsmaterialien und baute sich Schritt für Schritt ihre eigene Existenz auf.
„Früher wusste ich zum Beispiel nichts über Henna“, erzählt sie. „Dank der Workshops habe ich zum Beispiel gelernt, Augenbrauen mit Henna zu färben und zu formen.“
Die neuen Qualifikationen ermöglichten es ihr, ihr Angebot zu erweitern und dadurch neue Kund:innen zu gewinnen. So entwickelte sich aus ihrer Leidenschaft nach und nach ein erfolgreiches eigenes Unternehmen.
Der Laden läuft
Heute arbeitet Danina mit professionellen Geräten, die sie sich nach und nach von ihrem Einkommen leisten konnte. Viele Kund:innen kommen inzwischen aus umliegenden Gemeinden zu ihr. Besonders im Dezember, wenn Schulfeiern und Feste stattfinden, ist ihr Terminkalender gut gefüllt. Um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, besucht sie ihre Kund:innen bei Bedarf auch zu Hause.
„Als ich angefangen habe, hatte ich praktisch nichts“, erinnert sie sich. „Heute arbeite ich mit professionellen Geräten, die ich nach und nach von meinem Einkommen gekauft habe.“
Doch Danina denkt bereits weiter. Ihr Traum ist ein größerer Salon mit mehr Platz für ihre Kund:innen und einer besseren Ausstattung.
„Ich möchte allen jungen Menschen und besonders den Mädchen sagen: Traut euch. Lernt. Werdet Profis.“
Chancen weitergeben
Die Weiterbildungen besuchte Danina gemeinsam mit ihrer Schwester. Für beide steht fest: Lernen eröffnet neue Möglichkeiten – unabhängig vom Alter. „Ich wünsche mir noch mehr Kurse, damit ich weiterlernen und mich weiterentwickeln kann“, sagt Danina.
Auch anderen jungen Menschen macht sie Mut: „Nutzt die Kurse, die angeboten werden. Man lernt so viele neue Dinge. Ich möchte allen jungen Menschen und besonders den Mädchen sagen: Traut euch. Lernt. Werdet Profis.“
Daninas Geschichte zeigt, dass Förderung nicht mit der Kindheit enden muss. Als Patenkind erhielt sie früh Unterstützung, später eröffneten ihr Weiterbildungsangebote neue berufliche Perspektiven. Heute führt sie ihr eigenes Unternehmen, sorgt für ihre Familie und gibt anderen jungen Menschen den Mut, ihren eigenen Weg zu gehen. Aus einem geförderten Kind ist eine selbstständige Unternehmerin geworden – und ihre Geschichte zeigt, wie langfristige Begleitung neue Zukunftschancen schaffen kann.
Der Artikel wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Paraguay aufgeschrieben.