Offen über die Periode sprechen
Als Adriana mit zwölf Jahren ihre erste Periode bekam, war sie zunächst verunsichert. Ihre Mutter hatte schon früh mit ihr über Menstruation gesprochen und ihr erklärt, was dabei in ihrem Körper passiert. „Zuerst hatte ich Angst, aber dann erinnerte ich mich an die Worte meiner Mutter: Ich sagte mir: ‚Das ist normal‘“, erinnert sie sich. Auch an Binden hatte Adriana gedacht. Sie hatte eine kleine Tasche dabei, weil sie wusste, dass ihre Periode jederzeit beginnen konnte. „Ich habe mir überlegt, wie ich damit umgehen würde, und mir gesagt, dass ich das schaffe.‘“
Adriana lebt mit ihren Eltern, Geschwistern und ihrer Großfamilie in La Libertad. Sie beschreibt ihr Zuhause als einen Ort, an dem sie Unterstützung und Ermutigung erfährt. Doch nicht alle Mädchen in ihrer Gemeinde können so offen über Menstruation sprechen.
Wenn Menstruation den Schulalltag erschwert
Für viele Mädchen in El Salvador ist der Umgang mit ihrer Periode mit ganz praktischen Schwierigkeiten verbunden. Binden sind für manche Familien zu teuer. Sie müssen dann abwägen, ob sie ihr Geld für Lebensmittel oder Hygieneartikel ausgeben. Einige Mädchen greifen deshalb auf Lappen oder Toilettenpapier zurück, was unangenehm sein und gesundheitliche Probleme verursachen kann.
In ländlichen Schulen verschärft sich die Situation. Teilweise fehlen private Toiletten, fließendes Wasser oder Seife. Mädchen können ihre Hygieneartikel dann nicht immer sicher und ungestört wechseln oder sich ausreichend waschen. Manche bleiben deshalb während ihrer Periode mehrere Tage zu Hause. So versäumen sie Unterricht und können langfristig den Anschluss an die Schule verlieren.
Menstruation bleibt vielerorts ein Tabu
Neben den praktischen Hindernissen gibt es ein weiteres Problem: Menstruation wird vielerorts noch immer kaum offen besprochen. Mädchen erhalten deshalb nicht immer die Informationen, die sie für den Umgang mit ihrer Periode brauchen. Was für Adriana durch die Gespräche mit ihrer Mutter selbstverständlich wurde, kann für andere Mädchen mit Unsicherheit und Scham verbunden sein.
„Viele Mädchen gehen während ihrer Periode nicht zur Schule, weil sie Angst haben, dass ihnen ein Missgeschick passiert und sie gehänselt werden“, sagt Adriana. „Das kann sich auch auf das emotionale Wohlbefinden von Jugendlichen und jungen Frauen auswirken, da sich manche schämen, wenn sie in der Schule ihre Periode haben.“
„Viele Mädchen gehen während ihrer Periode nicht zur Schule, weil sie Angst haben, dass ihnen ein Missgeschick passiert und sie gehänselt werden.“
Ein Ort für offene Gespräche
Adriana fand einen solchen Ort in einer von Plan International unterstützten Leadership-Schule. Dort kommen Mädchen und junge Frauen zusammen, um sich mit ihren Rechten, Ungleichheiten und Fragen rund um Führung auseinanderzusetzen. Auch Menstruation gehört dazu.
Die Teilnehmerinnen lernen, wie ihr Körper funktioniert, können Fragen stellen und sich über ihre Erfahrungen austauschen. Für Adriana war es wichtig, dabei mit Mädchen in ihrem Alter sprechen zu können. „Es waren viele Mädchen im gleichen Alter da, daher war es ein sehr angenehmer Ort, an dem wir über unsere Erfahrungen sprechen konnten“, erinnert sie sich. „Sie haben viel mit uns über die Menstruation gesprochen und uns erklärt, dass es ein natürlicher Vorgang ist und man sich keine Sorgen darüber machen muss.“
Wissen weitergeben
Die Leadership-Schulen vermitteln jedoch nicht nur Wissen. Die Mädchen lernen auch, selbst aktiv zu werden und ihr Wissen weiterzugeben. Einige von ihnen werden zu sogenannten Peer-Educatorinnen ausgebildet. Anschließend informieren sie andere Mädchen, Jungen und Eltern in ihren Schulen und Gemeinden über Menstruationsgesundheit.
Gerade bei einem sensiblen Thema wie Menstruation kann es Jugendlichen leichter fallen, Fragen zu stellen, wenn eine Gleichaltrige darüber spricht. So tragen die Mädchen selbst dazu bei, Vorurteile und Scham abzubauen und den offenen Umgang mit Menstruation zu fördern.
Menstruation betrifft alle
Auch Jungen werden in den Prozess einbezogen. Sie erfahren, was während der Menstruation im Körper passiert, und lernen, die Erfahrungen ihrer Mitschülerinnen besser zu verstehen. So sollen Hänseleien und Vorurteile abgebaut werden. Adriana hat selbst erlebt, wie wichtig Wissen und Unterstützung sein können. Gleichzeitig sieht sie, dass es in ihrem Umfeld weiterhin an beidem fehlt.
„Manchmal sehe ich Mädchen, die keinen Zugang zu angemessenen Versorgungsangeboten haben, wie zum Beispiel sauberes Wasser, Menstruationshygieneartikel oder eine gute Kommunikation zu Hause“, erklärt Adriana. Auch innerhalb der Familien fehlt es manchmal an Austausch. „Manchmal wissen sie nicht genug, weil sie keine enge Beziehung zu ihren Familien haben, und wissen daher nicht, was sie tun sollen.“
„Ich möchte anderen Mädchen sagen, dass sie alles erreichen können und dass nichts unmöglich ist.“
Ein Traum für die Zukunft
Adrianas Interesse an Gesundheit ist eng mit ihrem Zukunftswunsch verbunden. An ihrer Schule besucht sie derzeit einen gesundheitsorientierten Lehrgang und möchte später Ärztin werden. Ihr Wunsch ist auch von der Geschichte ihrer Mutter geprägt. „Auch meine Mutter hat mich ermutigt. Sie erzählte mir immer, dass sie gerne studiert hätte, aber damals gab es noch nicht so viele Möglichkeiten“, sagt Adriana. „Also habe ich mir gesagt: Ich werde den Traum meiner Mutter wahr werden lassen.“
Adriana möchte diese Chance auch anderen Mädchen ermöglichen. Sie möchte sie darin bestärken, ihre Ausbildung fortzusetzen, für ihre Rechte einzustehen und sich von Vorurteilen nicht einschränken zu lassen. Ihre Botschaft ist deshalb klar: „Was ich anderen Mädchen sage“, sagt Adriana, „ist, dass sie alles erreichen können und dass nichts unmöglich ist.“
Die Geschichte von Adriana wurde mit Material aus dem Plan-Büro in El Salvador aufgeschrieben.