Neue Ideen für die Landwirtschaft von morgen
Muthana Al Muheisin wächst mit der Landwirtschaft auf. Schon als Kind erlebt er, wie sein Großvater Kräuter wie Petersilie und Minze anbaut. Doch die Arbeit wird mit der Zeit schwieriger. Wasserknappheit, steigende Temperaturen und Schädlinge stellen viele landwirtschaftliche Betriebe in Jordanien vor große Herausforderungen.
Auch der Betrieb seiner Familie ist betroffen. Schädlinge breiten sich aus und beschädigen die Pflanzen. „Wir hatten zunehmend Probleme mit dem Boden, der von Insekten befallen war, die unsere Kräuter zerstörten“, erinnert sich Muthana.
Anstatt sich damit abzufinden, sucht er nach einer Lösung. Dabei entdeckt er eine Anbaumethode, die in Jordanien noch wenig verbreitet ist: die Hydrokultur. Dabei wachsen Pflanzen nicht in Erde, sondern werden über eine nährstoffreiche Wasserlösung versorgt. Die Methode ermöglicht einen gezielteren Einsatz von Wasser und macht den Anbau unabhängig von der Qualität des Bodens.
Wie aus einem Familienproblem eine Idee wurde
Doch die Idee allein reicht nicht aus. Muthana probiert unterschiedliche Nährstofflösungen aus, passt seine Anbaumethoden immer wieder an und sammelt praktische Kenntnisse. Erst nach vielen Tests entwickelt er ein System, das zuverlässig funktioniert. Aus den ersten Versuchen entsteht schließlich Hypo Farm. „Wir haben mit einem Gewächshaus angefangen, heute betreiben wir mehr als 30“, sagt Muthana.
Mittlerweile umfasst der Betrieb 32 Gewächshäuser. Dort baut sein Team Kräuter, Spinat und Petersilie biologisch an. Nach eigenen Angaben verzichtet das Unternehmen auf Chemikalien und Pestizide und setzt auf saubere und nachhaltige Produktionsmethoden.
Mit der Zeit wächst die Produktion stetig. Aus den ersten Mengen von rund 500 Verpackungen täglich werden heute etwa 7.000 Verpackungen frischer Kräuter und Gemüse pro Tag.
„Wir haben mit einem Gewächshaus angefangen, heute betreiben wir mehr als 30.“
Warum Landwirtschaft neue Lösungen braucht
Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Steigende Temperaturen und längere Trockenperioden verschärfen die Herausforderungen für die Landwirtschaft. Viele Betriebe suchen deshalb nach neuen Wegen, um auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig produzieren zu können.
Muthanas Unternehmen zeigt, wie innovative Anbaumethoden dabei neue Möglichkeiten schaffen können. Hydrokultur ermöglicht einen ressourcenschonenderen Anbau und eröffnet gleichzeitig jungen Unternehmer:innen neue Perspektiven in einem Bereich, der zunehmend nach nachhaltigen Lösungen sucht.
Gleichzeitig fehlt vielen jungen Menschen der Zugang zu Fachwissen, Finanzierung und Unterstützung, um eigene Ideen weiterzuentwickeln.
Wie aus einer Idee ein Unternehmen entstand
Um die Qualität seiner Produkte jederzeit kontrollieren zu können, baut Muthana gemeinsam mit seinem Team eine eigene Verpackungsanlage auf. So können alle Arbeitsschritte direkt vor Ort erfolgen: vom Anbau über die Reinigung und Sortierung bis zur Verpackung.
„Wir haben unsere eigene Werkstatt gebaut, damit wir keine Arbeiten auslagern müssen“, erklärt Muthana. „So können wir die Produktion, das Sortieren, das Reinigen und das Verpacken selbst überwachen.“
Mit dem Wachstum des Betriebs verändern sich auch die Anforderungen. Dabei erhält er Unterstützung durch ein Förderprogramm von Plan International. Schulungen zu Finanzmanagement, Unternehmensführung und Geschäftsplanung sowie ein Inkubationsprogramm helfen ihm dabei, aus seiner Geschäftsidee ein eingetragenes Unternehmen aufzubauen.
„Dank dieser Unterstützung haben wir uns von einer kleinen Idee zu einem eingetragenen Unternehmen entwickelt“, sagt Muthana. Heute begleitet Plan International die Weiterentwicklung von sechs der insgesamt 32 Gewächshäuser von Hypo Farm. Die Schulungen und die fachliche Begleitung helfen Muthana dabei, seine Produktion auszubauen.
Mittlerweile exportiert Hypo Farm bereits nach Kanada. Jede Woche verlassen Lieferungen das Unternehmen in Richtung internationaler Märkte. Künftig möchte Muthana weitere Länder erreichen und sein Unternehmen weiter ausbauen.
Arbeitsplätze und neue Chancen schaffen
Mit dem Wachstum seines Unternehmens entstehen auch neue Arbeitsplätze. Was mit einem kleinen Team beginnt, beschäftigt heute mehr als 50 Mitarbeitende. Zu seinem Team gehören Jordanier:innen ebenso wie syrische Geflüchtete und ägyptische Landwirt:innen. Für Muthana bedeutet das Wachstum deshalb mehr als steigende Produktionszahlen: Sein Unternehmen schafft Möglichkeiten für Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und bietet ihnen Zugang zu neuen beruflichen Perspektiven. „Wir haben mit nur sechs Fachkräften angefangen, heute sind es über 50“, sagt Muthana.
Der Betrieb ist dabei nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern auch ein Ort des Lernens. Muthana bietet jungen Menschen Schulungen im Bereich Hydrokultur an und vermittelt ihnen praktische Kenntnisse in einer zukunftsorientierten Branche. Ein Beispiel dafür ist Qusai. Nach seiner Ausbildung im Bereich Hydrokultur wird er in das Team übernommen. Für Muthana zeigt dieser Weg, wie Unternehmen nicht nur Produkte herstellen, sondern auch jungen Menschen helfen können, Fähigkeiten aufzubauen und den Einstieg ins Berufsleben zu finden.
Mit Innovation in die Zukunft
Auch heute entwickelt Muthana seinen Betrieb kontinuierlich weiter. Neben dem Anbau von Kräutern und Gemüse arbeitet er an neuen nachhaltigen Anbaumethoden wie der Aquaponik, bei der Pflanzenzucht und Fischhaltung miteinander kombiniert werden. „Zu unseren Zukunftsplänen gehört der Einstieg in die Aquaponik. Wir befinden uns derzeit in der Testphase“, sagt Muthana.
Gleichzeitig möchte er sein Unternehmen weiter ausbauen. Nach den ersten Erfolgen auf dem heimischen Markt und dem Export nach Kanada arbeitet er daran, weitere internationale Märkte zu erschließen. Für Muthana zeigt sein Weg, dass große Veränderungen oft mit einer kleinen Idee beginnen. „Mein Rat an junge Menschen lautet: Lernt weiter und sucht nach neuen Möglichkeiten“, sagt er. „Wartet nicht. Fangt klein an, baut eure Fähigkeiten aus und entwickelt euch Schritt für Schritt weiter.“
Die Geschichte von Muthana wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Jordanien erstellt.
„Wartet nicht. Fangt klein an, baut eure Fähigkeiten aus und entwickelt euch Schritt für Schritt weiter.“
Über das Projekt
In Jordanien unterstützt Plan International junge Menschen dabei, eigene Geschäftsideen zu entwickeln und nachhaltige Einkommensmöglichkeiten aufzubauen. Im Rahmen des Projekts, das von der Novo Nordisk Foundation finanziert wird, erhalten junge Unternehmer:innen Schulungen, Mentoring und Unterstützung beim Aufbau ihrer Unternehmen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf innovativen und ressourcenschonenden Lösungen, die auf Herausforderungen wie Klimawandel und Wasserknappheit reagieren. Dazu gehören unter anderem Schulungen zu Finanzmanagement, Geschäftsplanung und Unternehmensentwicklung. Das Projekt trägt dazu bei, jungen Menschen den Zugang zu Wissen und beruflichen Perspektiven zu erleichtern. Gleichzeitig entstehen neue Beschäftigungsmöglichkeiten für lokale Jugendliche und Geflüchtete und innovative Lösungen für eine nachhaltigere Landwirtschaft werden gefördert.