Marianas Weg vom Armband zur eigenen Marke
An einem warmen Nachmittag sitzt die 23-jährige Mariana in Mexiko-Stadt an einem kleinen Tisch. Vor ihr liegen farbige Wolle, feine Häkelnadeln und mehrere halb fertige Figuren. Sie arbeitet an den nächsten Bestellungen für ihre Kund:innen und denkt über die Anfänge ihres Geschäfts nach.
Vom Online-Tutorial zum eigenen Produkt
Die ersten Schritte ihrer unternehmerischen Reise macht Mariana während der Corona-Pandemie. Damals sucht sie Möglichkeiten, neben ihrem Informatikstudium eigenes Geld zu verdienen. „Ich habe zunächst Kleidung und Kosmetik verkauft“, erzählt sie. Doch bald entdeckt sie etwas, das sie sehr viel stärker begeistert.
„Ich habe mir mithilfe von Tutorials selbst beigebracht, Armbänder zu knüpfen.“
Im Internet stößt Mariana auf Bilder von handgefertigten Armbändern. Die Idee lässt sie nicht mehr los. „Ich habe gesehen, wie man solche Armbänder knüpfen kann, und mir mithilfe von Tutorials selbst beigebracht, sie herzustellen. Die Materialien habe ich mit dem Geld gekauft, das ich zuvor verdient hatte“, erzählt sie.
Mit jedem neuen Versuch wächst ihre Begeisterung für das Handwerk. Bald beginnt sie, weitere Techniken auszuprobieren. „Ich dachte: Wenn ich Armbänder machen kann, kann ich auch Puppen herstellen“, sagt Mariana. „Also habe ich Häkeln gelernt und angefangen, personalisierte Figuren zu gestalten.“ Schnell wird die Handarbeit zu ihrer neuen Leidenschaft. Marianas Figuren sind individuell gestaltet und oft als persönliche Geschenke gedacht – etwa für Geburtstage oder besondere Anlässe.
Zwischen Kreativität und unternehmerischen Herausforderungen
Doch ein eigenes kleines Geschäft aufzubauen, bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Besonders der Umgang mit Finanzen und die Organisation im Alltag fällt Mariana zunächst schwer. „Finanzen sind für mich immer noch schwierig, weil alles, was mit Zahlen zu tun hat, früher sehr mühsam für mich war“, sagt sie. „Aber jetzt verstehe ich es viel besser. Mein Geschäft hat inzwischen mehr Struktur. Früher hatte ich das Gefühl, alles falsch zu machen.“
Viele junge Menschen stehen am Anfang einer Selbstständigkeit vor ähnlichen Fragen: Wie plane ich Einnahmen und Ausgaben? Wie organisiere ich meine Zeit zwischen Ausbildung und Arbeit? Und wie entwickle ich eine Idee zu einem tragfähigen Geschäftsmodell?
„Eines der wichtigsten Dinge, die ich gelernt habe, war Organisation.“
Unterstützt durch ein Trainingsprogramm
Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind junge Menschen weltweit häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als ältere Generationen. Programme zur Förderung von Unternehmertum und beruflichen Fähigkeiten können deshalb entscheidend dazu beitragen, jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen.
Für Mariana verändert sich vieles, als sie an ihrer Schule einen Aushang entdeckt. Gesucht werden Teilnehmende für das Programm „Emprende Joven México“ (dt. etwa: Junges Unternehmertum Mexiko). Die Initiative wird von Plan International gemeinsam mit einem lokalen Partner umgesetzt und bietet jungen Menschen Trainings zu Unternehmertum, Finanzmanagement und Lebenskompetenzen.
„Damals hatte ich viele Zweifel und fühlte mich festgefahren“, erinnert sich Mariana. „Ich habe mich beworben, weil es wie eine gute Gelegenheit wirkte – vor allem, weil es kostenlos war und ich mehr darüber lernen wollte, wie ich mein Geschäft stärken kann. In den Workshops lernen die Teilnehmenden nicht nur wirtschaftliche Grundlagen, sondern tauschen auch Erfahrungen miteinander aus. „Die Aktivitäten waren dynamisch und die Atmosphäre war sehr freundlich. Das hat uns geholfen, die Themen besser zu verstehen“, sagt Mariana. „Eines der wichtigsten Dinge, die ich gelernt habe, war Organisation. Früher habe ich alles vermischt – mein Privatleben, die Uni und mein Geschäft. Jetzt kann ich das viel besser trennen.“
Neues Selbstvertrauen
Mit dem Training gewinnt Mariana mehr Sicherheit im Umgang mit ihrem Unternehmen. Sie beginnt, ihre Finanzen besser zu planen und klare Ziele zu formulieren. „Es hat mich als Person verändert“, sagt sie. „Unternehmertum bedeutet, auf viele Dinge zu verzichten – vor allem auf Zeit. Dadurch habe ich gelernt, die Momente mit den Menschen, die ich liebe, noch mehr zu schätzen.“
Besonders motivierend ist für Mariana ein weiterer Erfolg: Ihr Projekt wird im Rahmen des Programms für einen Wettbewerb um Startkapital ausgewählt. Diese Anerkennung bestärkt die junge Unternehmerin, ihren Weg weiterzugehen.
Was Mariana antreibt, ist längst nicht nur der wirtschaftliche Aspekt ihres Geschäfts. Viel wichtiger ist für sie die persönliche Bedeutung ihrer handgefertigten Figuren. „Was mich am meisten inspiriert, ist die emotionale Seite meiner Arbeit – jemandem ein kleines Geschenk zu geben, das wirklich etwas bedeutet.“
Masche für Masche in die Zukunft
Heute verbindet Mariana ihr Studium mit ihrem wachsenden Handwerksgeschäft. Ihr Weg zeigt, wie aus einer einfachen Idee ein langfristiges Projekt entstehen kann – wenn junge Menschen Zugang zu Wissen, Unterstützung und Austausch erhalten. Für andere junge Menschen, die selbst ein Unternehmen gründen wollen, hat Mariana einen einfachen Rat: „Fangt Schritt für Schritt an. Ein Unternehmen zu starten, bedeutet nicht, dass man sofort ein Geschäft oder alle Materialien haben muss. Man kann auch mit kleinen Ideen oder Fotos beginnen.“ Und noch etwas ist ihr besonders wichtig: „Sucht euch etwas, das ihr wirklich gern macht – nicht nur etwas, das Geld bringt. Wenn man Freude daran hat, fällt es leichter, weiterzumachen.“
Der Artikel wurde mit Material aus dem mexikanischen Plan-Büro erstellt.