Geschützt arbeiten auf der Bananen-Plantage

Die Bananen-Plantagen in der laotischen Provinz Bokeo machen einen Großteil der lokalen Wirtschaft aus. Doch die Arbeitsbedingungen sind gefährlich und viele Beschäftigte werden ausgenutzt.

Die Bananen-Plantagen in der Provinz Bokeo erwirtschaften jährlich 100 Millionen US-Dollar. Sie machen 95 Prozent der Exporte der Region im Norden von Laos aus, seit dort die Anbauflächen in den letzten Jahren auf über 11,000 Hektar ausgeweitet wurden.  Sie haben Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung geschaffen und beschäftigen Tausende von Arbeiter:innen, insbesondere Angehörige ethnischer Minderheiten. 

Während die meisten Beschäftigten über 18 Jahre alt sind, sind dort auch Kinder unter 16 Jahren tätig. Es gibt Jugendliche, die die Schule abbrechen, um mit ihrer Arbeit im Obstanbau zum Unterhalt der Familie beizutragen. Die Einhaltung von Arbeits- und Kinderrechten ist eine Herausforderung: Die Kontrollinstanzen sind schwach und es herrscht eine starke Fluktuation der Arbeitskräfte.

Um mehr über die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen in der Provinz Bokeo zu erfahren, hat Plan International eine von der Europäischen Union (EU) finanzierte Studie in Auftrag gegeben, die sich mit der Behandlung der Beschäftigten vor Ort befasst.

Ein Mann ohne Schutzausrüstung steht neben einer Bananenstaude.
Die meisten Unternehmen stellen keine Schutzausrüstung zur Verfügung. Das kann schwere gesundheitliche Schäden bei den Arbeiter:innen hervorrufen. Plan International
Eine Arbeiterin steht in ihrem Hof umgeben von Bananenpflanzen und füttert Hühner.
Viele Arbeiter:innen wohnen auf den Plantagen, wo auch Pestizide und chemische Düngemittel gelagert werden. Plan International

Gesundheitsschäden durch Pestizide

Eine Erkenntnis der Studie ist, dass die Arbeiter:innen nicht ausreichend über die Gesundheits- und Sicherheitsrisiken aufgeklärt werden, die mit der Arbeit auf den Plantagen verbunden sind: Der Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln beeinträchtigt langfristig die Gesundheit von Arbeiter:innen, wenn sie keine persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen. Er kann sich auch negativ auf die Entwicklung ihrer Kinder auswirken, die oft mit ihnen auf den Plantagen leben. 

Im Rahmen der Studie gaben 71 Prozent der befragten Plantagen-Arbeiter:innen an, dass sie ihre Gesundheit und Sicherheit durch die Arbeit gefährdet sehen. Gerademal 45 Prozent der Befragten waren sich der Tatsache bewusst, dass ihre Tätigkeit eine Schutzausrüstung erfordert und nur 19 Prozent gaben an, dass ihre Arbeitgeber:innen ihnen PSA zur Verfügung stellen. 

„Wenn ich krank bin und mehr als drei Tage nicht zur Arbeit komme, werde ich entlassen.“

Pao Thor, Arbeiterin

„Die Firma hat mir geraten, beim Sprühen der Pestizide aufzupassen. Sie haben mir aber keine Schutzausrüstung gegeben“, erzählt die Arbeiterin Pao Thor. „Ich habe bemerkt, dass ich nach einem Jahr Arbeit auf der Plantage stark an Gewicht verloren habe. In meinem Vertrag steht, dass ich kein Recht auf Urlaub oder Krankheitstage habe. Wenn ich krank bin und mehr als drei Tage nicht zur Arbeit komme, werde ich entlassen. Wenn ich mich für einen kürzeren Zeitraum krankmelde, werden mir die Tage vom Lohn abgezogen. Während meiner Periode habe ich immer starke Unterleibsschmerzen. Es tut unfassbar weh bei der Arbeit, aber ich kann es mir nicht leisten, zu Hause zu bleiben.“

Ein Weg führt durch die Bananen-Plantage.
11,000 Hektar Bananen-Plantagen ziehen sich durch den Bokeo-Distrikt im Norden von Laos.Plan International
Pao Thor trägt eine Leiter auf der Schulter durch die Bananen-Felder.
Pao Thor arbeitet dort wie viele Menschen sieben Tage die Woche für weniger als den nationalen Mindestlohn.Plan International

Lange Arbeitszeiten und Gehalt unter dem Mindestlohn

Durch die Studie wurde auch ersichtlich, dass die meisten Arbeiter:innen kaum über Wissen bezüglich ihrer Rechte als Angestellte, Sozialleistungen, Arbeitsrecht oder soziale Schutzmechanismen verfügen. Das wird von den Arbeitgeber:innen ausgenutzt: Die Angestellten werden oft schlecht bezahlt und unfair behandelt.

Die Mehrzahl der befragten Angestellten kannte weder ihre Rechte noch die Arbeitsgesetze des südostasiatischen Landes. „Nachdem ich einige Monate gearbeitet hatte, konnte ich einen Vertrag mit dem Plantagen-Unternehmen unterzeichnen und habe zweimal im Monat mein Gehalt bekommen, also alle 15 Tage 500.000,- Kip (etwa 40,- Euro)“, berichtet Pao Thor. Damit verdient sie weniger als den gesetzlichen Mindestlohn in Laos, und so ergeht es 70 Prozent der befragten Plantagen-Arbeiter:innen. Zu der Unterbezahlung kommen auch lange Arbeitszeiten: Viele schuften mehr als acht Stunden am Tag, und 75,3 Prozent der Befragten gaben an, sogar an sieben Tagen in der Woche zu arbeiten.

Eine Gruppe Frauen sitzt zwischen Häusern und kocht.
Das gemeinschaftsbasierte Projekt schult Teilnehmer:innen, ihr Wissen über Arbeitsrecht mit der Community zu teilen.Plan International
Zwei Frauen, die Mund-Nasen-Masken tragen, sitzen sich gegenüber, eine von ihnen hält einen Block und Stift in der Hand.
Die von Plan und CAMKID eingerichteten Komitees helfen Arbeiter:innen, ihre Verträge neu auszuhandeln.Plan International

Einsatz für Arbeitsrechte

Mit finanzieller Unterstützung von der EU haben Plan International und unser lokaler Partner CAMKID (Community Association for Mobilising Knowledge in Development) ein Projekt zur Unterstützung der Arbeiter:innen auf den Bananen-Plantagen durchgeführt. Ein Fokus lag auf Jugendlichen und jungen Frauen.

Komitees zum Schutz der Angestellten wurden eingerichtet, die das Bewusstsein für Arbeitsrechte stärken und sicherstellen, dass sie alle Zugang zu Sozialleistungen und fairer Behandlung haben. Das Projektteam hilft den Menschen auch bei der Ausarbeitung ihrer Verträge und berät sie bei der Aushandlung eines fairen Lohns, angemessener Unterbringung, Gesundheitsversorgung und andere Leistungen, auf die sie Anspruch haben. 
 

„In der Vergangenheit gab es keine Mechanismen zum Schutz der Angestellten. Sie arbeiteten unter prekären Bedingungen und es wurden keine ordentlichen Verträge geschlossen.“

Phonsak Xayvilath, Sprecher:in von CAMKID

„In der Vergangenheit gab es keine Mechanismen zum Schutz der Angestellten. Sie arbeiteten unter prekären Bedingungen und es wurden keine ordentlichen Verträge geschlossen. Nach der Einrichtung der Komitees im Oktober 2021 wurden jedoch Informationen über Arbeitsrecht und andere soziale Schutzmechanismen an alle Betroffenen verbreitet“, erklärt Phonsak Xayvilath von CAMKID.

Durch die Stärkung von Arbeitsrechten, Gesundheit und Sozialleistungen durch die Komitees sind die Menschen, die in der Plantagenindustrie tätig sind, nun besser geschützt. Die Gruppen stärken außerdem die Stimmen und Kompetenzen von Jugendlichen und jungen Frauen.

„Ich habe mich entschlossen, dem Komitee beizutreten, weil ich uns Arbeitenden helfen wollte, ihre Rechte einzufordern. Ich habe viel über Arbeitsrecht gelernt. Ich finde es großartig, diese Informationen mit anderen zu teilen, damit wir Angestellte unsere Verträge und Leistungen mit ihren Arbeitgebern neu aushandeln können“, sagt Maly, eine 27-jährige Arbeiterin auf einer Bananen-Plantage. 

Mit Unterstützung von Plan International hat CAMKID in den Bezirken Pha Oudom und Houayxay 21 Komitees zum Schutz von Arbeiter:innen eingerichtet. Unsere Partnerorganisation schult die Mitglieder darin, wie sie Informationen über Arbeitsrecht, Gesundheit und Wohlergehen effektiv an ihre Gemeinden und Mitarbeiter:innen weitergeben können.

Das Bild zeigt ein riesiges Feld voller Bananenpflanzen.
Die Arbeiter:innen auf den Bananen-Plantagen haben durch die Komitees ein gestärktes Bewusstsein für ihre Rechte.Plan International

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