Beim Teamgeist sind die Kinder in Führung
Die Saison hätte für Pauline Machtens (23) kaum erfolgreicher laufen können: Klassenerhalt, Viertelfinale im DFB-Pokal, Rekorde bei Publikumszahlen.
Die Spielpause nutzte die Kapitänin des Hamburger SV (HSV) für einen Projektbesuch in Indonesien. Gemeinsam mit der Kinderrechtsorganisation Plan International und weiteren HSV-Verantwortlichen ging es im Juni auf die Insel Timor, auf der Plan International das Kinderfußball-Projekt „Girls Football 3.0“ ins Leben gerufen hat.
Von ihren Eindrücken und dem ehrenamtlichen Einsatz erzählt Plan-Patin Pauline Machtens:
Plan Post: Wer war alles mit Ihnen im Indopazifik dabei und was war das Ziel dieses Besuchs?
Pauline Machtens: Unser Ziel war es, die Bedingungen vor Ort kennenzulernen und uns auszutauschen. Wir wollten unser eigenes Wissen weitergeben, gleichzeitig aber auch von den Menschen vor Ort lernen …
… ja, beim Besuch auf der Insel Timor in rund 900 Metern Höhe. Was war für Sie das Besondere am Fußballprojekt für Kinder, speziell für Mädchen?
Das Besondere war für mich, den Mädchen dort zeigen zu können, dass sie träumen dürfen und dass es auch als Frau möglich ist, Fußballprofi zu werden.
„Das Besondere war für mich, den Mädchen zeigen zu können, dass sie träumen dürfen.“
Warum machen Sie sich zusammen mit dem HSV für die Rechte von Mädchen so weit entfernt von Deutschland stark?
Ich habe das Privileg, als Frau beim HSV Fußballprofi zu sein. Wir wollen den Mädchen in Indonesien auch die Chance geben, Fußball zu spielen – und ihre Träume zu leben.
Da haben Sie eine starke Vorbildfunktion – die Sie dann auch auf dem Fußballplatz den Kindern vorgelebt haben. Wie klappte das mit Ihren Profi-Tricks beim gemeinsamen Training auf dem Fußballplatz? Just am ersten Tag hat es ja stark geregnet.
Die Kommunikation war natürlich etwas schwierig, aber wir hatten Dolmetscherinnen vor Ort, die uns geholfen haben. Am Ende waren sie aber gar nicht so wichtig, weil die Kinder uns einfach nachgemacht haben, was wir ihnen gezeigt haben. Und da war das Wetter dann auch ganz egal.
„Wir wollen den Mädchen in Indonesien die Chance geben, Fußball zu spielen – und ihre Träume zu leben.“
Insgesamt drei Mal haben Sie bei Ihrem Besuch in Indonesien auf dem Fußballfeld gestanden und zusammen mit der HSV-Delegation mit den Kindern trainiert, gespielt und gekickt. Auch die Lehrkräfte wurden von Ihnen tatkräftig gecoacht. Wie ging das vor sich?
Wir hatten bei jedem Training sehr viel Spaß mit den Kindern und den Lehrkräften. Und bei jedem Training konnte man eine Entwicklung bei den Kindern erkennen. Das hat gezeigt, dass in den Kindern – und gerade auch in den Mädchen – sehr viel Potenzial steckt und ihnen oft nur gezeigt werden muss, wie man es richtig machen kann.
Und wie steht es auf den indonesischen Fußballplätzen mit dem Thema „Teamgeist“ und „Fairness“? Konnten Sie da ebenfalls als ein Vorbild agieren?
Ich glaube, beim Thema Teamgeist und Fairness haben die Kinder eher uns allen aus Deutschland gezeigt, wie das geht. Bei den Abschlussspielen am Ende der Trainingseinheiten haben sich immer alle miteinander gefreut, wenn ein Tor gefallen ist. Es ging einfach darum, zusammen Fußball zu spielen und Spaß zu haben – und nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren.
„Beim Thema Teamgeist und Fairness haben die Kinder eher uns allen aus Deutschland gezeigt, wie das geht.“
Sie haben außerdem vor Ort Ihr Patenkind besucht. Wie verlief diese besondere Begegnung?
Agnes ist 13 und sie kennenzulernen, war ein ganz besonderer Moment. Sie ist ein tolles Mädchen, macht ebenfalls mit beim Plan-Fußballprojekt und wir hatten in der Trainingseinheit sehr viel Spaß zusammen. Außerdem durfte ich ihre Mutter und ihre kleine Schwester kennenlernen und wir konnten uns ein wenig austauschen.
Welches war vor Ort für Sie das „schönste“ Erlebnis? War es dieser Patenkindbesuch?
Das Kennenlernen mit Agnes gehörte sicher zu den schönsten Momenten der Reise. Aber ich glaube, am schönsten war die Freude der vielen Kinder, mit denen wir trainiert haben.
„Am schönsten war die Freude der vielen Kinder, mit denen wir trainiert haben.“
Was haben die Mädchen und Jungen Ihnen und der HSV-Delegation „beigebracht“?
Ich glaube, die Kinder haben uns beigebracht, dass wir sehr, sehr dankbar für unsere Möglichkeiten in Deutschland sein sollten. Den Spaß und die Dankbarkeit, die sie während der Trainingseinheiten gezeigt haben, werde ich nie vergessen.
Gab es weitere Erlebnisse in Indonesien, die Ihnen rückblickend in besonderer Erinnerung bleiben?
Besonders in Erinnerung bleibt mir, wie offen und freundlich alle Menschen waren, die wir auf der Reise kennengelernt haben.
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben und viel Erfolg für die kommende Saison!