Wie Wasser über Chancengleichheit entscheidet

Foto: Plan International

Der diesjährige Weltwassertag macht darauf aufmerksam, dass fehlender Zugang zu sauberem Wasser vor allem Frauen und Mädchen trifft. Ein Blick nach Liberia zeigt, wie entscheidend Wasser für Gesundheit, Bildung und Chancengleichheit ist – und wie Plan International daran arbeitet, nachhaltig Veränderungen zu schaffen.

Wasser ist ein Menschenrecht. Doch dieses Recht bleibt für Millionen Menschen noch immer unerfüllt. Der Weltwassertag rückt in diesem Jahr mit dem Motto „Wasser und Geschlecht“ in den Fokus, dass der fehlende Zugang zu sauberem Wasser nicht alle gleichermaßen trifft. Vor allem Frauen und Mädchen tragen die Hauptlast – mit Folgen für ihre Gesundheit, ihre Bildung und ihre Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben. 

Eine liberische Mutter und ihre Tochter im Teenageralter stehen an einem Teich und heben gemeinsam einen Trog Wasser hoch
Touwo aus Liberia und ihre Tochter holen Wasser aus einem Teich im Wald Plan International

Der tägliche Kampf ums Wasser

Wie eng Wasser und Chancengleichheit miteinander verbunden sind, zeigt sich in einem ländlichen Dorf im Norden Liberias. Dort beginnt der Tag für viele Frauen noch vor Sonnenaufgang. Jeden Tag machen sich auf den Weg zum Teich. Einige von ihnen sind schwanger, andere tragen kleine Kinder auf dem Rücken. Mehr als einen Kilometer laufen sie durch den Wald. Die Quelle, aus der sie ihr Wasser schöpfen, ist wild und ungeschützt. Tiere trinken daraus, das Wasser ist verunreinigt. Die Familien nutzen das Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen. Krankheiten sind die Folge, doch es gibt keine Alternative.

„Wir trinken dieses Wasser, solange ich denken kann“, sagt Touwo, eine Mutter und Dorfbewohnerin. „Unsere Kinder werden oft krank, aber wir haben keine andere Wahl.“ Dass sie das Wasser holen muss, ist für Touwo selbstverständlich – wie für Millionen Frauen und Mädchen weltweit. Wasserknappheit bedeutet für sie tägliche körperliche Belastung, Zeitverlust und gesundheitliche Risiken. 

Wenn Wasser fehlt, fehlen Chancen

Besonders Kinder spüren die Folgen unsicheren Wassers. Durchfallerkrankungen wie Cholera und Infektionen gehören zum Alltag. Viele Kinder fehlen regelmäßig im Unterricht, weil sie krank sind. Andere – insbesondere Mädchen – kommen erschöpft an, weil sie schon vor der Schule Wasser holen mussten und lange Wege zurückgelegt haben. Bildung bleibt für viele Eltern eine zentrale Hoffnung. Die sehen darin die Chance, den Kreislauf aus Armut und Perspektivlosigkeit zu durchbrechen. Doch wo sauberes Wasser fehlt, sind Bildungschancen von Anfang an ungleich verteilt. Denn der Zugang zu sauberem Wasser entscheidet mit darüber, ob Mädchen zur Schule gehen können. 

Damit wird Wasser zu einer Schlüsselfrage von Chancengleichheit. 

Mädchen und Frauen weltweit verbringen täglich Stunden mit Wasserholen, oft unter gefährlichen Bedingungen. Gleichzeitig fehlt ihnen diese Zeit für Schule, Einkommen oder gesellschaftliche Teilhabe. Der Weltwassertag 2026 macht genau diese strukturelle Ungleichheit sichtbar: Wasser ist nicht nur eine Frage der Infrastruktur, sondern auch von Geschlechterrollen und Machtverhältnissen.

Ein liberianisches Mädchen in einem bunten Kleid trägt einen Wasserkanister auf dem Kopf
Touwos Tochter hilft ihrer Mutter täglich beim Wasserholen und verliert so Zeit Plan International

Unsicherheit zu jeder Jahreszeit

Die Situation für die Menschen in dem kleinen liberianischen Dorf verschärft sich zusätzlich in der Trockenzeit. Dann versiegt der Teich vollständig, sodass Touwo und die anderen auf einen weiter entfernten Fluss ausweichen müssen. In der Regenzeit wiederum machen Überschwemmungen und rutschige Wege das Wasserholen gefährlich. Für Mädchen und Frauen bedeutet das noch längere Wege und noch größere Risiken.

Eine liberische Frau trägt ein Kind auf dem Rücken, steht im Wald und trinkt aus einem Messbecher Wasser
Touwo und den anderen Dorfmitgliedern bleibt nichts anderes übrig, als das verunreinigte Wasser zu trinken Plan International

Plan International stärkt Mädchen und Frauen

Plan International prüft derzeit den Bau eines Brunnens mit geschützter Wasserstelle für die Gemeinde. Wie in allen Programmen, wird auch hier die Gender-Perspektive konsequent mitgedacht (lesen Sie hier mehr über den gendertransformativen Ansatz). Mit dieser Herangehensweise orientiert sich die Kinderrechtsorganisation an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (auch Sustainable Development Goals, kurz SDGs). Der sichere Zugang zu sauberem Wasser ist im SDG 6 verankert. Das SDG 5 zielt darauf ab, strukturelle Benachteiligungen von Mädchen und Frauen abzubauen. Beide Ziele greifen für Plan International ineinander: Wasserprojekte schaffen die Grundlage für Chancengleichheit – insbesondere dort, wo Mädchen und Frauen bislang benachteiligt sind.

Zwei liberische Frauen laufen mit Wassereimern auf dem Kopf durch den Wald. Eine von ihnen trägt ein Kind auf dem Rücken
Mutter und Tochter auf dem Weg durch den Wald Plan International

Für Touwo und die anderen Gemeindemitglieder steht sauberes Trinkwasser für weit mehr als technische Infrastruktur. Es steht für Gesundheit. Würde. Hoffnung. Für ein Leben ohne tägliche Angst vor Krankheit. Und für eine Zukunft, in der Mädchen und Jungen die gleichen Chancen haben, zu lernen, gesund aufzuwachsen und ihr Leben selbst zu gestalten. 

Denn: Wo Wasser gerecht zugänglich ist, verändert sich auch das Machtgefüge. Zugang zu sauberem Wasser kann Ungleichheiten zementieren – oder Chancengleichheit ermöglichen. 

Der Artikel wurde mit Material aus dem liberianischen Plan-Büro erstellt.

Damit Wasser nicht mehr über Chancen entscheidet

Sauberes Wasser verändert Leben. Plan International setzt sich in seinen Programmländern unter anderem dafür ein, den Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen, Bildung, Gesundheitsdiensten, Kinderschutz sowie Gleichberechtigung zu ermöglichen.

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