Vom Zuhause in die Notunterkunft
Der 10. August 2026 begann für Yulieth wie ein gewöhnlicher Tag in Chocó, einer Region im Westen Kolumbiens. Doch um 7:34 Uhr änderte sich ihr Leben innerhalb weniger Sekunden. Ein Erdbeben der Stärke 7,4 erschütterte die Region. Die Erschütterungen waren auch in mehreren Departamentos des Landes zu spüren.
Die 18-jährige Yulieth ruhte sich gerade in ihrem Schlafzimmer aus, als sie ein leichtes Beben spürte. Sekunden später wurde es stärker. Auf Drängen ihrer jüngeren Schwester rannten die beiden zur Tür ihres Hauses. Sie hielten sich fest und sahen mit an, wie das Haus um sie herum zu beben begann und Teile des Gebäudes einstürzten. „Das Erdbeben war stark“, erzählt sie. „Es hat große Schäden verursacht, und auch psychisch hat es mich sehr belastet. Wir brauchen viel Unterstützung.“
Ihr Zuhause ist unbewohnbar
Obwohl ein Teil des Gebäudes noch steht, ist es wegen der schweren Schäden im Inneren zu gefährlich, das Haus zu betreten. Ein großes, an die Außenwand gemaltes „X“ kennzeichnet es heute als unbewohnbar.
„Unser Haus ist eingestürzt. Von außen sieht man es nicht so sehr, aber der Schaden befindet sich im Inneren. Wir können nicht mehr in unserem Haus wohnen. Wir mussten sofort aus dem Haus, denn wenn man die Wand berührt, fällt sie einfach um“, erzählt Yulieth.
„Wir mussten sofort aus dem Haus, denn wenn man die Wand berührt, fällt sie einfach um.“
Eine Schule wird zur Notunterkunft
Da sie nirgendwo anders unterkommen können, verbringen Yulieth und ihre Familie ihre Nächte nun in einer Schule, die Plan International im Jahr 2004 gebaut hat. Sie dient derzeit als Notunterkunft für Menschen, die vom Erdbeben betroffen sind. Vier Familien, insgesamt zehn Menschen, teilen sich den Raum.
Jeden Abend ordnen sie ihre Habseligkeiten, bevor sie sich zum Schlafen niederlassen. Tagsüber halten sie sich an Orten auf, die sie für sicherer halten, und warten darauf, zu erfahren, wann sie möglicherweise in ihre Häuser zurückkehren können.
Die Angst vor dem nächsten Beben
Das Leben in der Notunterkunft ist herausfordernd. Sanitäre Einrichtungen und Möglichkeiten zur persönlichen Hygiene sind begrenzt. Gleichzeitig wissen die Familien nicht, wie lange sie dort bleiben können. Hinzu kommen die psychischen Belastungen nach dem Erdbeben.
Die Angst vor weiteren Nachbeben, schlaflose Nächte und die Ungewissheit über die nächste Zeit begleiten Kinder, Jugendliche und Erwachsene. „Man kann gar nicht in Worte fassen, was man fühlt. Man hat Angst, dass es wieder zu einem Beben kommen könnte“, erzählt Yulieth.
„Man hat Angst, dass es wieder zu einem Beben kommen könnte.“
Studieren unter neuen Bedingungen
Das Erdbeben wirkt sich auch auf Yulieths Studium aus. Sie studiert Betriebswirtschaftslehre an einer Universität in Chocó. Der Unterricht findet vorerst online statt.
„Wegen des Erdbebens nutzen wir die Universität nicht mehr, dort ist alles zusammengebrochen. Das Gebäude liegt in Trümmern, die Treppen sind beschädigt“, sagt Yulieth. Die Umstellung bringt für sie zusätzliche Herausforderungen mit sich: „Darauf bin ich wegen der Internetprobleme und nach allem, was passiert ist, nicht wirklich vorbereitet.“
Unterstützung für einen neuen Alltag
Plan International unterstützt Kinder und ihre Familien in der betroffenen Region. Lebensmittelhilfepakete wurden bereits verteilt; gleichzeitig arbeitet die Organisation daran, weitere von der Katastrophe betroffene Haushalte zu erreichen.
Auch für Yulieth soll es nach und nach weitergehen. Sie hofft, ihr Studium bald wieder aufnehmen zu können und ihre Pläne für die Zukunft weiterzuverfolgen. Bis dahin versucht sie, sich an die neue Situation zu gewöhnen und ihren Alltag neu zu organisieren.
Die Geschichte von Yulieth wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Kolumbien aufgeschrieben.