Vom Zuhause in die Notunterkunft

Foto: Isabel Cano

Yulieth und ihre Familie können seit dem Erdbeben nicht mehr in ihrem Zuhause leben und übernachten vorübergehend in einer Schule. Die 18-Jährige versucht, sich unter den veränderten Bedingungen im Alltag zurechtzufinden.

Der 10. August 2026 begann für Yulieth wie ein gewöhnlicher Tag in Chocó, einer Region im Westen Kolumbiens. Doch um 7:34 Uhr änderte sich ihr Leben innerhalb weniger Sekunden. Ein Erdbeben der Stärke 7,4 erschütterte die Region. Die Erschütterungen waren auch in mehreren Departamentos des Landes zu spüren.

Die 18-jährige Yulieth ruhte sich gerade in ihrem Schlafzimmer aus, als sie ein leichtes Beben spürte. Sekunden später wurde es stärker. Auf Drängen ihrer jüngeren Schwester rannten die beiden zur Tür ihres Hauses. Sie hielten sich fest und sahen mit an, wie das Haus um sie herum zu beben begann und Teile des Gebäudes einstürzten. „Das Erdbeben war stark“, erzählt sie. „Es hat große Schäden verursacht, und auch psychisch hat es mich sehr belastet. Wir brauchen viel Unterstützung.“

Eine Schule in Chocó liegt in Trümmern
Eine Schule in Chocó wurde durch das Erdbeben schwer beschädigt Plan International
Yulieth besucht ihr Zuhause und sieht sich die Schäden an, die das Erdbeben verursacht hat
Yulieth (18) besichtigt die Schäden an ihrem Zuhause nach dem Erdbeben Isabel Cano

Ihr Zuhause ist unbewohnbar

Obwohl ein Teil des Gebäudes noch steht, ist es wegen der schweren Schäden im Inneren zu gefährlich, das Haus zu betreten. Ein großes, an die Außenwand gemaltes „X“ kennzeichnet es heute als unbewohnbar.

„Unser Haus ist eingestürzt. Von außen sieht man es nicht so sehr, aber der Schaden befindet sich im Inneren. Wir können nicht mehr in unserem Haus wohnen. Wir mussten sofort aus dem Haus, denn wenn man die Wand berührt, fällt sie einfach um“, erzählt Yulieth.

„Wir mussten sofort aus dem Haus, denn wenn man die Wand berührt, fällt sie einfach um.“

Yulieth (18), über die Schäden an ihrem Zuhause

Eine Schule wird zur Notunterkunft

Da sie nirgendwo anders unterkommen können, verbringen Yulieth und ihre Familie ihre Nächte nun in einer Schule, die Plan International im Jahr 2004 gebaut hat. Sie dient derzeit als Notunterkunft für Menschen, die vom Erdbeben betroffen sind. Vier Familien, insgesamt zehn Menschen, teilen sich den Raum.

Jeden Abend ordnen sie ihre Habseligkeiten, bevor sie sich zum Schlafen niederlassen. Tagsüber halten sie sich an Orten auf, die sie für sicherer halten, und warten darauf, zu erfahren, wann sie möglicherweise in ihre Häuser zurückkehren können.

Yulieth sitzt im Klassenzimmer und lernt mit einem Buch
Yulieth versucht, in dem Klassenzimmer zu lernen, in dem sie derzeit mit ihrer Familie lebt Isabel Cano
Yulieth sitzt in einem Klassenzimmer, welches als Notunterkunft dient
Yulieth in der Schule, die ihrer Familie seit dem Erdbeben als Notunterkunft dient Isabel Cano

Die Angst vor dem nächsten Beben

Das Leben in der Notunterkunft ist herausfordernd. Sanitäre Einrichtungen und Möglichkeiten zur persönlichen Hygiene sind begrenzt. Gleichzeitig wissen die Familien nicht, wie lange sie dort bleiben können. Hinzu kommen die psychischen Belastungen nach dem Erdbeben. 

Die Angst vor weiteren Nachbeben, schlaflose Nächte und die Ungewissheit über die nächste Zeit begleiten Kinder, Jugendliche und Erwachsene. „Man kann gar nicht in Worte fassen, was man fühlt. Man hat Angst, dass es wieder zu einem Beben kommen könnte“, erzählt Yulieth.

„Man hat Angst, dass es wieder zu einem Beben kommen könnte.“

Yulieth (18), über die schwierige Zeit nach dem Erdbeben
Trinkwasser in Wasserflaschen verpackt als wichtige Hilfsgüter
Wichtige Hilfsgüter, darunter Trinkwasser, für vom Erdbeben betroffene Familien in Cauca Isabel Cano
Erdbebenschäden an einer Bildungseinrichtung in Chocó
Erdbebenschäden an einer Bildungseinrichtung in Chocó Plan International

Studieren unter neuen Bedingungen

Das Erdbeben wirkt sich auch auf Yulieths Studium aus. Sie studiert Betriebswirtschaftslehre an einer Universität in Chocó. Der Unterricht findet vorerst online statt.

„Wegen des Erdbebens nutzen wir die Universität nicht mehr, dort ist alles zusammengebrochen. Das Gebäude liegt in Trümmern, die Treppen sind beschädigt“, sagt Yulieth. Die Umstellung bringt für sie zusätzliche Herausforderungen mit sich: „Darauf bin ich wegen der Internetprobleme und nach allem, was passiert ist, nicht wirklich vorbereitet.“

Mitarbeitende von Plan International begutachten die Schäden nach dem Erdbeben in Quibdó
Mitarbeitende von Plan International begutachten die Schäden nach dem Erdbeben in Quibdó Plan International

Unterstützung für einen neuen Alltag

Plan International unterstützt Kinder und ihre Familien in der betroffenen Region. Lebensmittelhilfepakete wurden bereits verteilt; gleichzeitig arbeitet die Organisation daran, weitere von der Katastrophe betroffene Haushalte zu erreichen.

Auch für Yulieth soll es nach und nach weitergehen. Sie hofft, ihr Studium bald wieder aufnehmen zu können und ihre Pläne für die Zukunft weiterzuverfolgen. Bis dahin versucht sie, sich an die neue Situation zu gewöhnen und ihren Alltag neu zu organisieren.

 

Die Geschichte von Yulieth wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Kolumbien aufgeschrieben. 

Einige Plan-Mitarbeitende stehen an Hilfsgütern in Chocó
Plan International unterstützt betroffene Familien in Chocó auf dem Weg zurück in einen sicheren Alltag Plan International

Spenden für die Nothilfe in Kolumbien

Das schwere Erdbeben in Kolumbien hat am 10. August 2026 zahlreiche Familien in eine schwierige Situation gebracht. Viele Menschen haben ihr Zuhause verloren oder können nicht in ihre Häuser zurückkehren und sind auf Unterstützung angewiesen. Mit Ihrer Spende helfen Sie Plan International dabei, betroffene Kinder und ihre Familien mit dringend benötigter Hilfe zu unterstützen und ihnen in dieser herausfordernden Zeit beizustehen. 

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