In Seminaren klärt Evelyn Kinder und Jugendliche über sicheres Surfen im Internet auf © Plan International / Maricel Simbajon
In Seminaren klärt Evelyn Kinder und Jugendliche über sicheres Surfen im Internet auf © Plan International / Maricel Simbajon
29.05.2020 - von Sarah Koch

"Ich hoffe, dass meine Gemeinde eines Tages frei von Menschenhandel sein wird"

Jedes Jahr werden schätzungsweise 100.000 philippinische Kinder Opfer von Menschenhandel. Und diese Zahl wächst stark mit der Zunahme des Online-Missbrauchs. Einem lokalen Bericht zufolge sind Prostitution und sexueller Missbrauch im Internet die Hauptgründe für Menschenhandel. Evelyn Palulay kämpft dagegen an, indem sie in ihrer Gemeinde Menschen beibringt, wie sie sich und ihre Familienmitglieder schützen können.

„Dienst an der Menschheit bedeutet, etwas von sich zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten“, sagt Evelyn, die sich dazu verpflichtet hat, Gewalt gegen Frauen und Kinder in ihrer Gemeinde in der Surigao del Norte Provinz auf den Philippinen ein Ende zu bereiten.

Evelyn fing vor vielen Jahren an, sich in ihrer Gemeinde als freiwillige Gesundheitshelferin zu engagieren, um die Interessen der Menschen in ihrer Nachbarschaft zu vertreten. Als Plan International die „Gemeinsame Aktion gegen den Menschenhandel“ (Collaborative Action Against Trafficking (CAAT))  ins Leben rief, war sie sofort dabei. Sie nahm an allen Ausbildungsmöglichkeiten teil, um die wichtigsten Schutzinitiativen für Frauen und Kinder kennenzulernen.

Nun nutzt sie ihr Wissen, um in ihrer Gemeinde zu beraten – insbesondere Mädchen und junge Frauen, die oft am meisten gefährdet sind. Sie gibt auch Seminare, um Männer über die Gesetze des Landes zu unterrichten, um Frauen und Kinder vor Gewalt zu schützen. „Es ist sehr wichtig, dass Männer diese Gesetze kennen, um ihr Bewusstsein für dieses Thema zu stärken“, sagt Evelyn.

Laut der Nationalen Bevölkerungs- und Gesundheitsumfrage 2017 hat auf den Philippinen eine von 20 Frauen und Mädchen im Alter von 15-49 Jahren in ihrem Leben sexuelle Gewalt erlebt. Die meisten Fälle werden aber aus Angst und Scham nicht gemeldet, daher wird die Dunkelziffer sehr viel höher geschätzt.


 

Evelyns Arbeit befasst sich auch mit den Gefahren des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Internet. „Die Kinder müssen beaufsichtige werden, besonders wenn sie das Internet nutzen. Das kann und darf nicht nur an den Müttern hängen bleiben“, fordert sie mehr Engagement der Väter. „Ehemänner sollten sich nicht ausschließlich um die finanzielle Versorgung ihrer Kinder kümmern. Sie müssen sich auch der akuten Probleme bewusst sein, die es heutzutage in der Kindererziehung gibt – einschließlich der Tatsache, dass Kinder online gezielt ausgewählt und missbraucht werden.“

Die meisten Menschen in der Gemeinde können über das kostenlose WIFI, das auf dem öffentlichen Platz installiert ist, leicht auf das Internet zugreifen. Mit diesem einfachen Zugang ist die Sicherheit der Kinder online jedoch ein wachsendes Bedenken. Deshalb hält Evelyn regelmäßig Sitzungen mit Kindern und Jugendlichen ab, um ihnen beizubringen, wie sie das Internet sicher nutzen können.

„Es gibt noch viel zu tun in unseren Dörfern und in der Region insgesamt. Wir müssen die Menschen weiter aufklären, um den Menschenhandel zu bekämpfen und den Schutz aller Frauen und Kinder sicherzustellen“, sagt Evelyn.

Evelyns Engagement wurde vor kurzem von der Kommune sogar ausgezeichnet, insbesondere ihr Beitrag zu einer Sensibilisierungskampagne zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Kinder. „Dies war eine Chance, die mir von den Menschen in meiner Gemeinde gegeben wurde, um mehr zu lernen und zu wachsen“, sagt Evelyn und teilt somit ihre Anerkennung und die Auszeichnung mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern. „Mit der Unterstützung von Menschen vor Ort und aus aller Welt hoffe ich, dass meine Gemeinde eines Tages frei von Menschenhandel sein wird.“ 


Interessant? Weitersagen: