Jeanne (57) musste wegen gewaltsamen Auseinandersetzungen ihre Heimatregion verlassen. Jetzt bereiten die ersten COVID-19 Erkrankungen der Bevölkerung Burkina Fasos zusätzliche Sorgen. ©Plan International/Keira Dempsey.
Jeanne (57) musste wegen gewaltsamen Auseinandersetzungen ihre Heimatregion verlassen. Jetzt bereiten die ersten COVID-19 Erkrankungen der Bevölkerung Burkina Fasos zusätzliche Sorgen. ©Plan International/Keira Dempsey.
03.06.2020 - von Verena Gresz

Die doppelte Krise: Wie die Bevölkerung in Burkina Faso an zwei Fronten kämpft

Jeanne (57) ist eine von hunderttausend Binnenvertriebenen in Burkina Faso, die vor den anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen Regierungskräften, radikalen Glaubensgruppen und Bandenkriminalität fliehen musste. Mit den ersten bestätigten COVID-19-Fällen steht das Land nun vor einer doppelten Herausforderung.

Der kleine westafrikanische Staat Burkina Faso ist mit seinen knapp 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern in den letzten Jahren von einer starken Zunahme der Gewalt betroffen gewesen. Die sich durch die Sahelzone ziehenden Konflikte in Mauretanien, Mali, Niger und Tschad haben sich auch auf das ohnehin schon ökonomisch schwache Burkina Faso ausgedehnt. Neben der Angst vor den immer wieder verübten Attentaten auf Zivilisten kommt nun auch die Sorge über die Corona-Pandemie dazu.

“Ich habe gehört, dass COVID-19 tödlich sein kann und dass wir uns nur durch gutes Händewaschen schützen können,“ sagt Jeanne. „Ich mache mir große Sorgen. Schließlich haben wir doch genug Probleme mit den vielen Attentaten. Und jetzt kommt das auch noch hinzu.“

Jeanne lebt heute gemeinsam mit ihren Kindern im nördlichen Kongoussi. Im Rahmen des Nothilfe-Programms von Plan International erhält die Familie regelmäßig Verpflegung und etwas Bargeld für alltägliche Besorgungen. In der Stadt Kangoussi allein leben derzeit ungefähr 21.000 vertriebene Menschen, 12.500 davon sind Kinder. Plan weitet seine Programme deshalb stetig aus und hat bisher mehr als 2.000 Kinder in den nördlichen Regionen erreichen können.

Mitte März 2020 hat nun das Coronavirus Burkina Faso erreicht. Wegen der getroffenen Abschottungsmaßnahmen mussten alle Schulen schließen, Menschenansammlungen von mehr als 50 Personen sind verboten und auch Anlaufstellen für neu in der Stadt angekommene Geflüchtete dürfen keine Beratung mehr anbieten.

„Ich finde es sehr schade, dass sie die Schulen geschlossen haben und ich bin auch nicht gerade glücklich über die Ausgangssperre. Aber ich weiß auch, dass uns diese Maßnahmen vor einer Infektion schützen sollen. Deshalb akzeptiere ich die Einschränkungen und hoffe, dass auch diese Krise irgendwann vorbei ist,“ sagt Jeanne.

Bis zum 12. Mai zählt Burkina Faso 766 bestätigte COVID-19-Infektionen und musste 51 Todesfälle registrieren. Da es jedoch wie in vielen anderen Ländern nicht genügend Testkapazitäten gibt und das schwache Gesundheitssystem keinen sicheren Datenaustausch garantieren kann, vermutet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine deutlich höhere Dunkelziffer. Plan International arbeitet mit Hochdruck daran, die Kapazitäten zur effektiven Prävention und Bewältigung der Krise auszubauen, um die Bevölkerung Burkina Fasos in den folgenden Monaten bestmöglich unterstützen zu können.


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