Feston ist Teil des Jugendclubs, der am Fuße des Mulanje-Bergmassivs Bäume pflanzt. ©Plan International
Feston ist Teil des Jugendclubs, der am Fuße des Mulanje-Bergmassivs Bäume pflanzt. ©Plan International
17.03.2021 - von Sarah Koch

Bäume pflanzen zum Klimaschutz

Die Region rund um das Bergmassiv Mulanje in Malawi leidet regelmäßig unter Überschwemmungen. Ein Jugendclub vor Ort pflanzt Bäume, um den natürlichen Schutz vor Fluten wiederherzustellen, und klärt die Menschen in den Gemeinden über die Zusammenhänge zwischen ihrem Handeln und den Konsequenzen für das Klima und ihren Lebensraum auf.

„Dass es in der Regenzeig häufig zu Überschwemmungen kommt, liegt nicht nur am Klimawandel, sondern auch daran, dass Menschen schädlich mit ihrem Land umgehen: Das Abholzen von Bäumen, das Abtragen von Böden sowie auch die Überweidung von Ackern zerstören die Balance unseres Ökosystems“, erklärt der 33-jährige Feston, Vorsitzender des Jugendclubs in seiner Gemeinde.

Der Mulanje-Distrikt in Malawi wird fast jedes Jahr von Überschwemmungen heimgesucht, und die Häufigkeit der Fluten nimmt immer weiter zu. Sie beschädigen nicht nur Eigentum und Infrastruktur, sondern sie kosten auch Menschenleben.

„Überschwemmungen sind ein Albtraum. Die Erfahrung ist schrecklich. Ich erinnere mich, dass ich einmal fünf Monate lang nicht zur Schule gehen konnte, weil das Gebäude beschädigt war. Mein Traum, die Schule zu beenden und Krankenschwester zu werden, drohte sich in Luft aufzulösen“, erzählt die 15-jährige Mercy.


Die Abholzung der Wälder ist einer der Hauptgründe für die Zunahme der Überschwemmungen. Die Menschen, die in den Ausläufern des Mulanje-Bergmassivs leben, haben schon immer Bäume für den Eigenbedarf abgeholzt. In letzter Zeit hat aber illegale Abholzung große Teile des Waldes kahl gelassen und zu einem starken Rückgang der heimischen Baumarten geführt.

Die Folge: Wenn es regnet, läuft das Wasser den großen felsigen Berg herunter, dessen höchster Gipfel 3.000 Meter hoch ist, und als „Insel im Himmel“ bezeichnet wird. Da es keine Bäume mehr gibt, durch deren Wurzeln der Boden das Wasser besser aufnehmen könnte und so das Land im Tal schützen könnte, überschwemmt das Wasser ungehindert Häuser und Ackerland und spült alles weg, was im Weg liegt.

„Ich wurde 1960 geboren, als Mulanje noch dicht bewachsen war, ganz im Gegensatz zu heute. Wir konnten ruhig schlafen, ohne Angst zu haben, im Wasser aufzuwachen. Heute ist das anders. Ich wurde einmal mitten in der Nacht geweckt und musste um mein Leben rennen“, erzählt Mary, eine Bewohnerin der Region.

Als Teil der Bemühungen, Schäden, die durch die Klimakrise entstehen, abzuwenden, arbeitet Plan International mit dem Forstbeamten des Bezirks und jungen Menschen aus den Gemeinden zusammen, um den Wald um Mulanje wieder aufzuforsten. 25 Mitglieder des Jugendclubs haben gelernt, wie man Baumschulen aufbaut, und sie wurden mit Setzlingen, Schubkarren, Stiefeln, Schläuchen und Gartenwerkzeug ausgestattet.

Die Jugendlichen machen bei Dorfversammlungen und Fußballspielen auf das Problem aufmerksam. Sie ermutigen andere, am Aufforstungsprojekt teilzunehmen und das achtlose Abholzen von Bäumen zu stoppen. Die von den Jugendlichen betriebenen Baumschulen produzieren inzwischen jedes Jahr Tausende von Setzlingen, die von der Gemeinde während der Wachstumsperiode gepflanzt werden.

„Jede:r in der Gegend leidet unter den Überschwemmungen. Als wir mit damit anfingen, Leute aufzufordern, Bäume zu pflanzen, waren alle begeistert von der Idee. Ich bin sehr stolz, berichten zu können, dass seit 2016 etwa 8.000 Bäume gepflanzt wurden. Das ist ein wichtiger Meilenstein. Je mehr Bäume wir pflanzen, desto mehr helfen wir der Umwelt und verringern das Risiko von Überschwemmungen“, erklärt Feston.

Der Jugendclub kümmert sich nicht nur um das Aufforsten von Bäumen, um die verlorene Vegetation zu retten, es werden auch Obstbäume und andere Nutzpflanzen wie Moringa gezüchtet. Sobald die Setzlinge fertig sind, werden sie verkauft, und die Gruppe investiert das Geld in den Kauf von Bienenstöcken.

„Wir wollten mehr machen als das Naturschutzprojekt, da wir in der Gemeinde auch viel mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben – insbesondere bei jungen Menschen. Also haben wir mit der Imkerei angefangen. Plan International hat uns zusätzlich mit fünf Bienenstöcken unterstützt, die noch mehr Honig liefern. Mit dem Geld, das wir verdienen, kaufen wir weitere Setzlinge und verteilen etwas vom Gewinn in der Gruppe, damit wir uns selbst versorgen können“, sagt Feston. Nicht zuletzt sind auch Bienen ein wichtiger Teil des Ökosystem, und sie tragen zusätzlich dazu bei, die Bäume zu schützen: Die Bienen leben zwischen ihnen und wirken abschreckend auf all jene, die versuchen, sie zu fällen.

Wenngleich die Gefahr von Überschwemmungen durch die Bemühungen des Jugendclubs noch nicht gebannt ist, hat die große Aufklärungskampagne mittlerweile zu einer Änderung der Einstellung der Menschen in den Gemeinden geführt. Sie haben die Zusammenhänge zwischen den Rodungen und den Überschwemmungen verstanden, und dass eine positive Veränderung der Umwelt in ihrem Verhalten anfangen muss.

„Wir müssen aufhören, die Umwelt weiter ausbeuten! Dies ist die einzige Heimat, die meine Enkelkinder haben, also will ich sicherstellen, dass wir sie erhalten. Deshalb bin ich, obwohl ich alt bin, engagiert und werde weiterhin das Pflanzen von Bäumen und das Projekt der jungen Leute unterstützen“, sagt Mary.


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