Und was ist mit den Jungs?
Plan International legt bewusst einen starken Fokus auf die Förderung von Mädchen und jungen Frauen. Denn sie sind weltweit aufgrund struktureller Benachteiligungen besonders häufig von Armut, fehlender Bildung und diskriminierenden Normen betroffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Jungen und Männer ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Echte Chancengleichheit braucht alle Geschlechter.
Eine Patenschaft hilft allen Kindern
Zu Recht fragen sich vor allem Menschen, die die Arbeit von Plan International ganz neu unterstützen sowie Interessierte, ob sie überhaupt eine Patenschaft für einen Jungen übernehmen können. „Ja, natürlich“ – lautet die Antwort. Mit einer Patenschaft wird grundsätzlich ein Kind unterstützt – ganz gleich, ob Junge oder Mädchen. Die Unterstützung fließt in nachhaltige Projektarbeit in den Gemeinden der Kinder. Ziel ist es, allen Kindern in unseren Partnerregionen ein gesundes Aufwachsen, gute Bildung, medizinische Versorgung sowie weitere essenzielle Kinderrechte zu verschaffen. Das bedeutet auch, dass Plan International in der Projektarbeit gegen geschlechtsspezifische Benachteiligungen, von denen Mädchen und Frauen in besonderer Weise betroffen sind, aktiv wird. Denn diese stehen echter Chancengleichheit im Weg.
Warum Chancengleichheit auch Jungen und Männern hilft
Auch Jungen werden von traditionellen Rollenbildern geprägt: Erwartungen, „stark“ zu sein, keine Gefühle zu zeigen oder sich strikt an bestimmte dem männlichen Geschlecht zugeschriebene Rollen zu halten, können sie unter Druck setzen und einen negativen Einfluss auf ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit haben. Echte Chancengleichheit ermöglicht es ihnen, diese Erwartungen zu hinterfragen, Verantwortung zu teilen und gesünder zu leben. Wer Chancengleichheit erreichen will – und damit einen wichtigen Bestandteil der nachhaltigen Entwicklungsziele –, muss Männer überall einbeziehen: als Entscheidungsträger in Familien, religiöse Würdenträger, Gemeindevorsteher oder eben Jungen als Patenkinder.
Bewusst nimmt Plan International weltweit zu etwa gleichen Teilen Mädchen und Jungen in das Patenschaftsprogramm auf. Eine ausschließliche Förderung von Mädchen wäre für unsere Arbeit kontraproduktiv – denn Jungen sind ein wichtiger Teil im Bestreben, echte Chancengleichheit zu erreichen.
Jungen und Männer aktiv einbeziehen
Plan International arbeitet mit gendertransformativem Ansatz. Das bedeutet, dass in Projekten die Bedürfnisse aller Geschlechter in allen Aspekten berücksichtigt werden. Um der strukturellen Benachteiligung von Mädchen und Frauen entgegenzuwirken, werden sie in besonderer Weise unterstützt. Jungen und Männer werden als Verbündete, Partner und aktive Mitstreiter für Geschlechtergerechtigkeit einbezogen.
So zeigen Väterclubs in Senegal beispielhaft, wie Männer traditionelle Rollenbilder hinterfragen und sich aktiv gegen schädliche Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung einsetzen. Auch die „Real Fathers’ Clubs“ („Echte Väter Clubs“) in Ghana bilden Väter darin aus, partnerschaftliche Erziehung zu leben und Verantwortung für Kinder und Familien zu übernehmen. In Indonesien und Timor-Leste zeigen ähnliche Programme, wie Männer ihre Rollen überdenken, Aufgaben in Familien fair verteilen und Mädchen gezielt unterstützen.
Jungen werden in Projekten von Plan International früh darin bestärkt, sich für Chancengleichheit stark zu machen. In Kinder- und Jugendclubs, als Patenkind oder in Programmen wie „Champions of Change“ („Champions des Wandels“) lernen sie, wie sie negative Geschlechternormen erkennen und hinterfragen können – und wie diese nicht nur Mädchen, sondern auch sie selbst in ihrer Entwicklung einschränken. Jungen und Mädchen arbeiten gemeinsam daran, eine Kultur der Gleichberechtigung zu gestalten – nicht als Konkurrenz, sondern als partnerschaftliches Ziel. So wird deutlich: Jungen sind nicht nur Mitbetroffene von Geschlechternormen, sondern ein wichtiger Schlüssel für positiven Wandel.
Fazit – alle sind Teil des Wandels
Chancengleichheit ist kein Projekt für wenige, sondern ein gemeinsamer Weg. Plan International setzt deshalb auf einen inklusiven Ansatz: Mädchen werden gezielt gestärkt, ohne Jungen und Männer auszuschließen. Denn echte Veränderung entsteht nur, wenn alle mitgenommen werden – und alle Verantwortung übernehmen.