Wo Zukunft auf trockenem Boden wächst
Die Hügel der Provinz Ajloun im Norden Jordaniens sind von dichten Wäldern geprägt. Gleichzeitig gibt es dort nur wenig Wasser. Für viele Menschen der Region, die auf Landwirtschaft angewiesen sind, ist dies eine große Herausforderung. Genau hier setzt die Initiative „Rural Ambassadors for Training and Sustainable Development“ (dt. „Ländliche Botschafter für Ausbildung und nachhaltige Entwicklung“) an. Sie verbindet nachhaltige Landwirtschaft und neue, klimaangepasste Anbaumethoden. Außerdem vermittelt sie jungen Menschen Wissen und praktische Erfahrung.
Ahmad leitet die Initiative seit 2020. Er sagt: „Wir haben das Projekt mit der Idee gestartet, benachteiligte Gebiete in grüne Gemeinschaften zu verwandeln.“
Starthilfe durch Plan International
Damit aus dieser Idee ein konkretes Projekt werden konnte, erhielten Ahmad und sein Team zu Beginn Starthilfe im Rahmen des EU-finanzierten Programms „Mubaderoon“ (arabisch für „Pioniere“ oder „Initiatoren“) von Plan International. Dieses stärkt soziales Unternehmertum in Jordanien. Das Programm stattete die junge Initiative mit Ausrüstung aus und stellte Schulungen sowie technische Beratung zur Verfügung. Diese Unterstützung half Ahmad und seinem Team, das Konzept praktisch umzusetzen und ein funktionierendes Unternehmen aufzubauen.
Herausforderungen für die Landwirtschaft
Ahmads Initiative reagiert auf zwei Herausforderungen, mit denen viele junge Menschen in ländlichen Regionen Jordaniens konfrontiert sind: begrenzte wirtschaftliche Möglichkeiten und die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft. Steigende Temperaturen und sinkende Wasserverfügbarkeit erschweren vielerorts traditionelle Anbaumethoden. „Wasser war eine Herausforderung“, erklärt Ahmad. „Mit dem Klimawandel ist die Wasserverfügbarkeit zurückgegangen, und die Kosten sind hoch. Das machte es schwierig, das Projekt aufrechtzuerhalten.“
Jordanien zählt laut der Ernährungs‑ und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Um sich dieser Herausforderung anzupassen, führte das Team moderne Technologien ein. Ein eingesetztes System beispielsweise kann den Wasserverbrauch um bis zu 80 Prozent senken. Außerdem arbeiten die engagierten Jungunternehmer:innen mit einer Methode, die sich Hydroponik nennt. Dabei wachsen Pflanzen nicht in Erde, sondern in einer Nährlösung mit Mineralstoffen. Diese Methode ermöglicht es, Pflanzen auf kleiner Fläche anzubauen und Wasser effizienter zu nutzen.
Die ersten angebauten Pflanzen waren Thymian und Salbei – Kräuter, die eng mit der landwirtschaftlichen Tradition Ajlouns verbunden sind. Später erweiterten Ahmad und sein Team die Produktion um Tomaten und bunte Paprika, angepasst an die Nachfrage auf lokalen Märkten.
Viel erreichen mit wenig Platz
Da Ajloun stark bewaldet ist, steht nur wenig Land für landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung. „Das war eine unserer größten Herausforderungen“, sagt Ahmad. „Es war schwierig, geeignetes Land für das Projekt zu finden.“ Mit Unterstützung der lokalen Gemeinschaft konnte schließlich ein Gelände gefunden werden. Dort startete das Team sein Pilotmodell für nachhaltige Landwirtschaft und begann mit der Produktion für lokale Märkte.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Projekt weiter: Aus einer landwirtschaftlichen Initiative entstand auch ein Trainingszentrum für junge Menschen. Heute besuchen Jugendliche die Anlage, um praktische Erfahrungen mit modernen Anbaumethoden zu sammeln, etwa mit wassereffizienter Bewässerung, hydroponischen Systemen und nachhaltiger Pflanzenproduktion.
„Mit der Zeit wurde das Projekt mehr als nur Landwirtschaft.“
So schafft das Projekt Zukunftsperspektiven
Auch wenn finanzielle Schwierigkeiten später dazu führten, dass Teile der Produktion vorübergehend pausiert werden mussten, bleibt der Standort ein Lernort für junge Menschen. Das Ziel der Initiative ist es, Jugendlichen Fähigkeiten zu vermitteln, die ihnen den Zugang zu Beschäftigung erleichtern oder ihnen helfen, eigene Projekte im Agrarsektor zu entwickeln.
Ahmads Engagement wird inzwischen auch über Ajloun hinaus wahrgenommen. Er hat Jordanien auf internationalen Klimakonferenzen vertreten, darunter Treffen im Rahmen der jährlichen Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Für seine Arbeit erhielt er außerdem die Silberne Jubiläumsmedaille von König Abdullah II., eine nationale Auszeichnung für besondere Leistungen und Engagement.
Trotz der vielen Herausforderungen blickt Ahmad nach vorn. „Mein Ziel ist es, das Projekt auszubauen, mehrere Gewächshäuser zu haben, die Produktion zu steigern und mehr Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen“, sagt er.
Seine Botschaft an andere junge Menschen in Jordanien ist klar: „Wartet nicht. Sucht nach Möglichkeiten, lernt ständig weiter und baut euch etwas Eigenes auf. Auch wenn ihr Qualifikationen habt, müsst ihr euch selbst vermarkten und die Initiative ergreifen, um erfolgreich zu sein.“
Der Artikel wurde mit Material aus dem jordanischen Plan-Büro erstellt.