Junge Unternehmerin bildet geflüchtete Frauen aus

Foto: Isso Bationo

Nachdem Rihanata aus ihrer Heimat fliehen musste, hat sie mit Seifenproduktion ein eigenes Unternehmen gegründet. Jetzt bildet sie andere vertriebene Frauen aus, damit auch sie ihr Leben wieder aufbauen können.

Rihanata war 20 Jahre alt, als ihr Leben auf den Kopf gestellt wurde. Damals war sie noch eine Schülerin, lebte bei ihrer Familie und bereitete sich auf ihre Zukunft vor. Doch der Terror durch bewaffnete Gruppen in ihrer Heimat im nördlichen Burkina Faso machte das Leben in ihrem Heimatdorf unmöglich – die Familie musste fliehen.

„Als wir noch zuhause waren, besuchte ich die weiterführende Schule. In den Ferien half ich meinen Schwestern in ihrem Friseurgeschäft. Wir haben gut gelebt“, erinnert sich die heute 25-Jährige. Auf der Flucht konnten sie nur das Nötigste mitnehmen, die Familienmitglieder wurden voneinander getrennt.

Eine Gruppe Frauen steht und sitzt zusammen und schaut dabei zu, wie Rihanata etwas in einen großen Bottich mischt. Die Frauen tragen Schutzbrillen und Handschuhe.
Nach ihrer eigenen Flucht will Rihanata Frauen mit ähnlichen Erfahrungen helfen Isso Bationo
Rihanata steht auf einer Straße neben Häusern. Sie trägt ein blau-weißes Kleid und Kopftuch
Als Schülerin musste Rihanata vor bewaffneten Gruppen in Burkina Faso fliehen Isso Bationo

Humanitäre Krise in Burkina Faso treibt Menschen in die Flucht

Das Land in der Sahelzone ist seit Ausbruch des Konflikts in eine beispiellose humanitäre Krise geraten (lesen Sie hierzu auch die Geschichte von Issa und Abdou). Rihanata ist eine von zwei Millionen Menschen, die vor den bewaffneten Konflikten fliehen mussten und dabei nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre Einkommensquellen verloren haben – fast 10 Prozent der Bevölkerung des Landes sind als Folge von Ernährungsunsicherheit betroffen.

Rihanata hatte Glück, sie wurde von Verwandten aufgenommen. Inzwischen hat sie sich in Kaya, der Hauptstadt der Region Zentrum-Nord, niedergelassen und baut ihr Leben weiter auf. Doch der Konflikt ist in ihrem Alltag noch allgegenwärtig: „Letzten Monat habe ich drei meiner Onkel verloren. Sie wurden die bei einem Angriff getötet“, erzählt sie. Offiziellen Statistiken zufolge lebten im März 2023 mehr als 122.000 Vertriebene in der Gemeinde Kaya.

Eine Vertriebene wird Unternehmerin

Rihanata hat gemeinsam mit ihrer Schwester gelernt, wie man Seife herstellt, und hat daraus für sich ein Geschäftsmodell entwickelt: Sie stellt nun Flüssigseife und Seifenkugeln her und verkauft ihre Produkte an Ladenbesitzer:innen. „Mit dem Gewinn kann ich Lebensmittel kaufen, meinem Mann bei der Betreuung der Kinder helfen, Kleidung und Schuhe kaufen und mir die Haare machen lassen“, erklärt sie. 

Fünf Jahre nach ihrer Vertreibung steht Rihanata in Solidarität mit allen vertriebenen Frauen und Mädchen in Kaya: „Es macht mich traurig zu sehen, wie schwer die Lebenssituation für viele vertriebene Menschen ist. Sie brauchen Hilfe. Im Moment ist es ein Problem, Lebensmittel zu finden.“ Um anderen vertriebenen Familien zu helfen, gründete Rihanata einen Verein, mit dem Ziel, Mädchen und Frauen das Seifemachen beizubringen. 

Nahaufnahme von den Köpfen von drei Frauen, die draußen stehen, miteinander reden, lachen.
Rihanata hat einen Verein gegründet, um vertriebenen Frauen berufliche Chancen zu verschaffen Isso Bationo
Eine große Gruppe Frauen steht und sitzt beieinander. Sie tragen rote Schutzhandschuhe und schauen Rahinata dabei zu, wie sie etwas in einen großen Bottich mischt.
Sie führt Schulungen zur Seifenproduktion durch Isso Bationo

Nachhaltige Unterstützung für Frauen in der Krise

Sie betont, dass gerade Mädchen und Frauen in Krisenzeiten eine Schlüsselrolle spielen und sie deshalb ein besonderes Augenmerk auf ihre Förderung legen möchte: „Frauen und Mädchen leiden mehr unter den Folgen der Unsicherheit als Männer. In Zeiten des Friedens überleben die Familien dank der Leistungen der Frauen, und in der Krise ist dies noch mehr der Fall. Eine einmalige Hilfe hat keine langfristige Wirkung. Wenn Frauen über Fähigkeiten verfügen, können sie nach ihrer Rückkehr weiterarbeiten.“ 

„Eine einmalige Hilfe hat keine langfristige Wirkung. Wenn Frauen über Fähigkeiten verfügen, können sie nach ihrer Rückkehr weiterarbeiten.“

Rihanata (25), musste selbst aus ihrer Heimat fliehen
Rahinata sitzt mit einem Plan-Mitarbeiter in einem Büro an einem Tisch.
Rihanatas Verein erhielt finanzielle Unterstützung von Plan International Isso Bationo

Plan International fördert Rihanatas Verein

Oumarou Kafando, Projektleiter und Spezialist für Gender in Notsituationen bei Plan International ist begeistert von dem Engagement der jungen Unternehmerin: „Wenn wir die Aktivitäten des Vereins und Rihanatas Führungsqualitäten sehen, ermutigt uns das, unsere Unterstützung junger Menschen, die von der Krise betroffen sind, fortzusetzen – insbesondere von Mädchen und Frauen.“ 

Also erhielt Rihanatas Verein 2.500 Euro aus dem Youth Challenge Fund für West- und Zentralafrika. „Wir haben gemerkt, dass die Mittel, die dieser Jugendorganisation zur Verfügung gestellt wurden, gut genutzt wurden und es ihr ermöglichten, die festgelegten Ziele zu erreichen“, sagt der Plan-Mitarbeiter. Rihanata konnte ihr Schulungsprogramm ausbauen und hat inzwischen mehr als 100 Menschen in der Seifenherstellung unterrichtet.

Rahinata formt Kugeln aus Seifenmasse. Sie trägt eine Schutzbrille und rote Handschuhe.
Über 100 Menschen haben bereits an Rihanatas Schulungen teilgenommen Isso Bationo

Die Unterstützung durch Plan International hatte neben dem monetären noch einen weiteren positiven Effekt. Andere Geldgeber:innen fassten Vertrauen in den jungen Verein mit der engagierten Gründerin. Für diese neuen Mittel hat Rihanata auch schon einen Plan: Sie möchte zusätzliche Schulungen organisieren, insbesondere in den Bereichen Unternehmertum und Finanzmanagement, damit die Frauen neben dem Handwerk auch lernen, wie sie ein erfolgreiches Unternehmen führen können.

Rihanatas Geschichte wurde mit Material aus dem burkinischen Plan Büro aufgeschrieben.

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