Hilfe für venezolanische Geflüchtete

Foto: Plan International

Eine katastrophale wirtschaftliche Lage sowie politische Instabilität in Venezuela lösten eine Massenflucht aus. Plan International verstärkt seine Hilfe für Hunderttausende Familien, die in anderen Staaten der Region Zuflucht suchen.

Venezuela geht ins sechste Jahr einer schweren Wirtschaftskrise – das hat massive Auswirkungen auf die Bevölkerung. Das südamerikanische Land verfügt zwar über die größten Erdölreserven der Welt, produziert jedoch kaum noch etwas und ist abhängig von Importen. Viele Menschen hungern und die Kindersterblichkeit ist dramatisch gestiegen. Krankheiten wie Malaria und Dengue-­Fieber, aber auch Infektionen wie Masern oder Tuberkulose haben sich ausgebreitet, weil Medikamente fehlen.

Intensivierte Unterstützung

Nahrungsmittel, Wasser und Hygieneartikel – schon seit 2015 versorgt Plan International die oft unterer­ nährten Geflüchteten aus Venezuela in den Nachbarländern mit lebenswichtigen Dingen. Schwangere und stillende Frauen sowie Kinder erhalten spezielle Zusatznahrung. Seit sich die Wirtschaftskrise in Venezuela verschärft hat und zum Teil 5.000 Menschen täglich fliehen, haben die Plan-Teams im benachbarten Kolumbien und Brasilien sowie in Ecuador und Peru ihre Unterstützung intensiviert. „Wir haben Vene­zuela verlassen, weil es dort keinen Frieden gibt, wir nicht zur Schule gehen können und es keine Chancen gibt“, sagt Andrés (16), der Ende letzten Jahres mit seinen Eltern und seiner Schwester in Peru Zuflucht gefunden hat.

Venzolanische Geflüchtete in einer Busstation mit ihren Kindern.
Foto: Plan International
Plan-Teams verteilen lebenswichtige Dinge an Geflüchtete.
Foto: Plan International

Unser regionales Hilfsprogramm läuft dort seit Herbst 2018 und hat unter anderem zum Ziel, Kindern und Jugendlichen Schutz zu bieten. Die von der Migrationskrise betroffenen Familien sollen sicher sein vor Gewalt und Missbrauch. Viele venezolanische Geflüchtete besitzen keine gültigen Ausweispapiere, was die Risiken für Aus­beutung erhöht. Besonders Mädchen und junge Frauen sind auf ihrer Flucht gefährdet, Gewalt­opfer zu werden.

Plan International hilft Familien bei ihrer Registrie­rung und sorgt dafür, dass geflüchtete Kinder und Jugendliche eine Schule besuchen sowie medizi­nisch versorgt werden. Darüber hinaus arbeiten wir mit örtlichen Behörden zusammen, damit die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Rechte der Flüchtlinge auf Schutz kennen. Insbe­sondere Mädchen und junge Frauen profitieren außerdem von unseren Fortbildungsangeboten, die eine wirtschaftliche Unabhängigkeit zum Ziel haben. Sie können an berufsbildenden Trainings teilnehmen, zum Beispiel im Schneidereihandwerk. Rund 27.000 Kinder und über 45.000 Erwachsene konnten wir mit unseren Hilfsmaßnahmen bereits erreichen.

„Obwohl die Grenze geschlossen ist und nur ein humanitärer Korridor für medizinische Hilfe besteht, sind die Dörfer überfüllt. Menschen stehen Schlange, um die Grenze illegal zu überqueren“

Magdalena Siedlaczek, Leiterin Lateinamerika-Team bei Plan International Deutschland.

Wir verschaffen den Eltern Entlastung, indem wir ihre Töchter und Söhne in sicheren Kinderschutz­ zonen betreuen. Dort können die Fünf­- bis Zwölf­-jährigen spielen und lernen, während ihre Eltern in Schulungen wichtige Hinweise über Gesundheit, Ernährung, Hygiene, Verhütung sowie die Präven­tion geschlechtsspezifischer Gewalt bekommen. Zudem vergeben unsere Teams Moskitonetze sowie Gutscheine, mit denen Hygieneartikel besorgt werden können. Die meisten Flüchtlinge aus Venezuela sind in Kolumbien angekommen: rund 1,2 Millionen. Im Andenstaat Ecuador sind es über 220.000, in Peru sogar rund 500.000.

Grenzen der Solidarität erweitern

Die meisten Menschen in den Ankunftsregionen zeigen sich solidarisch mit den venezolanischen Bedürftigen, jedoch nehmen Vorbehalte zu. Denn die Sozial-­ und Gesundheitssysteme der Gastländer sind mit dem hohen Zustrom überfordert. Viele Gemeinden leiden selbst unter Armut. Es mangelt an Unterkünften, Nahrungsmitteln, Bildungs­ und Beschäftigungsmög­lichkeiten. Nach Peru rief auch Ecuador im August 2018 den Notstand aus. Plan International führt die Sensibilisierungskampagne „Somos Panas – Wir sind Freunde“ der UN­-Flüchtlingshilfe UNHCR durch. Über Radiospots, soziale Medien und andere Nach­richtenkanäle werben wir für Verständnis für die Situation der Geflüchteten und beziehen dabei auch Menschen in den Gastgemeinden ein.

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Mit Unterstützung der Deutschen Humanitären Hilfe (BMZ)BMZ

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