Ausbeutung hinter vermeintlichen Chancen
*Der Name wurde zum Schutz der Identität geändert
Als Aline* elf Jahre alt ist, verliert ihre Familie nach dem Tod ihres Vaters die wichtigste Grundlage für ihren Lebensunterhalt. Sie möchte ihre Mutter unterstützen und beginnt deshalb, nach Arbeit zu suchen. „Ich habe die Schule mit 11 Jahren verlassen, um Arbeit zu suchen“, erzählt sie. „Wie die anderen Mädchen in meinem Alter wollte ich Geld verdienen.“
Aline ist damit nicht allein. In der Region Djôrô im Südwesten von Burkina Faso stehen viele Familien unter finanziellem Druck. Für Mädchen kann das bedeuten, dass sie ihre Schulbildung unterbrechen und in Städten nach Verdienstmöglichkeiten suchen. Sie hoffen auf ein eigenes Einkommen und darauf, ihre Familien unterstützen zu können.
Eine versprochene Chance wird zur Ausbeutung
Auch Aline glaubt, ihre Situation könnte sich verbessern, als eine Verwandte aus der Stadt ihr anbietet, zu ihr zu kommen. Sie soll bei der Betreuung ihres Babys helfen. Im Gegenzug verspricht die Tante, Aline später bei einer Ausbildung zu unterstützen.
Aline hat eigene Pläne. Sie möchte einen Beruf erlernen, insbesondere das Weben traditioneller Kleidung. Doch die Realität sieht anders aus. „Ich musste mich um ihr Kind kümmern und viel Hausarbeit erledigen. Oft hatte ich Probleme, genug Schlaf zu bekommen“, sagt sie.
Aline erzählt ihrer Mutter von ihren Sorgen. Doch zunächst verändert sich ihre Situation nicht. Erst nachdem von Plan International unterstützte Sozialarbeitende wiederholt eingegriffen haben, kann Aline nach Hause zurückkehren. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits zwei Jahre in dieser ausbeuterischen Situation verbracht.
Ein neuer Anfang, eine neue Gefahr
Zurück bei ihrer Familie kann Aline ihre Ausbildung wieder aufnehmen und mit dem Weben beginnen.
Doch mit 14 Jahren gerät sie erneut in eine gefährliche Situation. Eine Freundin und deren Ehemann stellen sie einem Mann vor, der ihr ein sorgenfreieres Leben verspricht. Sie müsse keinen Beruf erlernen und nicht mehr arbeiten, heißt es.
„Als ich zu ihm ging, sperrte er mich ein. Er wollte nicht, dass ich zurück nach Hause ging. Ich durfte mit niemandem anderem sprechen.“
Aline glaubt zunächst, eine neue Chance vor sich zu haben. Doch als sie zu dem Mann nach Hause geht, wird sie dort festgehalten. „Als ich zu ihm ging, sperrte er mich ein. Er wollte nicht, dass ich zurück nach Hause ging. Ich durfte mit niemandem anderem sprechen.“ Als der Kontakt zu ihrer Familie vollständig abbricht, erkennt Aline, wie ernst ihre Lage ist. „Als mir klar wurde, dass sie jeden Kontaktversuch unterbrachen, wusste ich, dass ich gefangen war.“
Während Aline festgehalten wird, suchen ihre Mutter und Mitglieder ihrer Gemeinschaft gemeinsam mit Unterstützung von Plan International nach ihr. Schließlich wird sie gefunden und kann nach Hause zurückkehren. „So wurde ich aus meinem Gefängnis befreit“, sagt Aline.
Mit Ausbildung zurück in die Selbstständigkeit
Heute ist Aline 16 Jahre alt und hat ihre Ausbildung wieder aufgenommen. Seit drei Jahren lernt sie das Weben. Die Fähigkeiten, die sie dabei erwirbt, sollen ihr ermöglichen, später selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen und ihre Familie zu unterstützen.
Für viele junge Menschen in Djôrô ist der Zugang zu Ausbildung und sicheren Arbeitsmöglichkeiten eine Herausforderung. In der Region gibt es nur wenige Möglichkeiten für eine qualifizierte Beschäftigung. Viele Arbeitsplätze befinden sich im informellen Sektor und bieten wenig Sicherheit oder langfristige Perspektiven. Für Mädchen kommen gesellschaftliche Erwartungen hinzu, die ihren Zugang zu Bildung und Ausbildung zusätzlich erschweren können.
Plan International unterstützt deshalb junge Menschen in der Region dabei, berufliche Fähigkeiten zu erwerben und eigene Einkommensmöglichkeiten zu entwickeln. Ausbildungsangebote in Bereichen wie Handwerk, Schneiderei und Landwirtschaft sollen ihnen bessere Chancen auf eine sichere Beschäftigung oder den Aufbau eines eigenen kleinen Unternehmens eröffnen.
Aline will ihre Zukunft selbst gestalten
Trotz ihrer Erfahrungen blickt Aline nach vorn. Sie möchte ihre Ausbildung abschließen, beruflich auf eigenen Beinen stehen und eines Tages ein eigenes Unternehmen gründen. „Ich halte weiter an meinem Traum fest“, sagt sie. „Ich bin fest entschlossen, hart zu arbeiten, meine Ausbildung abzuschließen und mein eigenes Unternehmen zu gründen.“
Alines Geschichte zeigt, wie wirtschaftliche Not und fehlende Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten Mädchen besonders gefährden können. Sie macht zugleich deutlich, wie wichtig verlässliche Unterstützung und der Zugang zu beruflichen Perspektiven sind. Für Aline bedeutet ihre Ausbildung deshalb nicht nur berufliche Qualifikation, sondern auch die Möglichkeit, ihre Zukunft zunehmend selbst zu bestimmen.
Die Geschichte von Aline wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Burkina Faso erstellt.
Neue Perspektiven für junge Menschen
In der Region Djôrô unterstützt Plan International junge Menschen dabei, berufliche Fähigkeiten zu erwerben und eigene Einkommensmöglichkeiten aufzubauen. Technische und berufliche Ausbildungen vermitteln Kenntnisse, die den Einstieg in eine Beschäftigung oder den Aufbau eines eigenen Kleinunternehmens erleichtern.
Gleichzeitig sollen jungen Menschen Perspektiven in ihren eigenen Gemeinden eröffnet werden, damit sie für Arbeit nicht zwingend in Städte abwandern müssen. Besonders Mädchen erhalten dadurch bessere Möglichkeiten, ihre Ausbildung fortzusetzen, berufliche Perspektiven zu entwickeln und selbstbestimmt über ihre Zukunft zu entscheiden.