„Ich will als erste Baggerführerin anderen Frauen den Weg ebnen“

Ikilimah (33) schien für ein Leben in Armut bestimmt: Sie musste die Schule abbrechen, wurde mit 16 verheiratet und bekam vier Kinder in kurzer Folge. Doch die junge Frau kämpfte für ihre Träume und ein Leben in finanzieller Unabhängigkeit – mit Erfolg.

„Ich war die erste, die meine Eltern von der Schule nahmen“, erinnert sich Ikilimah. Die 33-Jährige hat neun Geschwister. „Alle von uns gingen zur Schule, was meine Eltern vor eine große finanzielle Herausforderung stellte. Ich habe nach der Junior High abbrechen müssen, weil meine Noten die schlechtesten von uns allen waren – das war das Kriterium, nach dem meine Eltern auswählten, wer die Schule nicht weiter besuchen konnte. Mit 16 Jahren war ich bereits mit dem ersten Bewerber verheiratet, der um meine Hand anhielt.“

„Ich wollte nicht, dass meine Kinder wie ich die Schule abbrechen müssen, also beschloss ich, einen Weg zu finden, selbst Geld zu verdienen.“

Ikilimah (33), vierfache Mutter aus Ghana
Eine Frau mit Warnweste und Schutzhelm stehe mit verschränkten Armen auf einer Baustelle
Ikilimah (33) interessiert sich für einen Job im Baugewerbe.

Ihr jüngerer Bruder machte Ikilimah mit dem PASEWAY-Projekt (Pathways for Sustainable Employment for Women and Youth) bekannt, das Plan International in ihrer Gemeinde in der Savannah-Region im Norden Ghanas durchführt. Das Qualifizierungsprogramm wird zusammen mit dem lokalen Partner RAINS (Regional Advisory Information and Network System) und mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt.

Eine Frau sitzt im Führerhaus eines Baggers und bedient diesen
Ikilimah (33) führt während ihres Praktikums selbstständig einen Bagger.
Ein Bagger auf einer Baustelle
Schon als sie klein war, wusste Ikilimah (33), dass sie mit den Händen arbeiten wollte.

Mit Entschlossenheit zum Erfolg

„Ich wusste von klein auf, dass ich mit meinen Händen arbeiten wollte, aber ich war mir nicht sicher, was genau ich tun wollte“, erzählt Ikilimah. Mit der Ermutigung ihres Bruders und ihres Mannes meldete sich die junge Frau zu einem dreimonatigen Kurs an, in dem sie Bautechniken erlernte. „Nach der dreimonatigen Grundausbildung konnte ich ein Praktikum bei einer Straßenbaufirma absoliveren“, so die vierfache Mutter. „Viele Menschen in meinem Umfeld waren überrascht, dass ich mich für diesen von Männern dominierten Bereich entschieden hatte, und befürchteten, dass ich keinen Erfolg haben würde. Während meiner Ausbildung nahm ich jede Unterrichtsstunde ernst, beteiligte mich an allen Teilen des Kurses. Meine Konzentration, Entschlossenheit und Hartnäckigkeit haben mir geholfen, den Kurs zu bestehen.“

Ikilimah ist jetzt die einzige weibliche Praktikantin als Baggerführerin in der gesamten Region und ihr Arbeitgeber ist sehr zufrieden: „Ikilimah hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Umar Abubakari Salifu, Geschäftsführer der Daadingbe Construction Company. „Als sie anfing, war sie schüchtern, sodass sie zunächst unterschätzt wurde. Aber sie hat uns allen das Gegenteil bewiesen. Ich werde sie nach ihrem Praktikum einstellen, weil sie bereit ist, zu lernen.“

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Mehrere Menschen mit Warnwesten stehen auf einer Baustelle und unterhalten sich miteinander, in der Gruppe steht auch Ikilimah
Ikilimah (33) im Gespräch mit ihren Kollegen auf der Baustelle

Den Weg für andere Mädchen und Frauen ebnen

Ikilimah sieht eine positive Zukunft für sich in der Baubranche: „Mit allem, was ich auf der Baustelle gelernt habe, bin ich sicher, dass ich die erforderliche Eignungsprüfung bestehen werde. Wenn ich mein Zertifikat habe, kann ich den gleichen Lohn wie meine männlichen Kollegen hier verdienen, was die Lebensbedingungen meiner Familie zum Besseren verändern wird.“ Die 33-Jährige wünscht sich, dass in ihrer Region zukünftig mehr Frauen im Bausektor arbeiten. „Ich möchte nicht die einzige Frau in diesem Bereich bekannt sein, sondern als die Frau, die anderen den Weg in diesen von Männern dominierten Bereich ebnet. Ich möchte den Kreislauf brechen, der Frauen in Ghana daran hindert, finanziell unabhängig zu sein.“

Gleiche Chancen für alle?

Am 11. Oktober 2022 feiern wir 10 Jahre Welt-Mädchentag! Für uns von Plan International ein besonderes Jubliäum, denn auf unsere Initative hin wurde der Welttag vor zehn Jahren von den Vereinten Nationen ernannt. Zum Jubiläum ziehen wir Bilanz in zehn Kernbereichen unserer Arbeit.

Themenbereich: Armut

Weltweit gab es in den vergangenen zehn Jahren deutliche Fortschritte für (junge) Frauen bei der Bekämpfung von extremer Armut. Jedoch droht durch die Corona-Pandemie und weitere globale Krisen ein Jahrzehnt an Fortschritten verloren zu gehen. Auf 100 Männer in extremer Armut kommen aktuell 118 Frauen. Umso wichtiger ist es, den Wandel hin zu Chancengleichheit weiter voranzutreiben und Mädchen und jungen Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung, einem Schlüsselthema für die Armutsbekämpfung, zu ermöglichen.

Alle Ergebnisse des Berichts

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