Emmarzia: „Wir waren ganz allein auf der Welt“

Foto: Signe Vilstrup

Weil sie ungeplant schwanger wurde, musste Emmarzia die Schule früh verlassen. Wie sie sich allein ein neues Leben aufbaute, erzählt sie in unserer Reihe über das Leben von Mädchen und Frauen in Kenias größtem Slum Kibera.

„Die größte Herausforderung als Mädchen in Kibera zu leben ist, dass Männer versuchen werden, dich auszunutzen“, sagt Emmarzia. „Du musst immer wachsam sein.“ Sie weiß, wovon sie spricht – und sie kennt die Konsequenzen. Als sie 15 Jahre alt war, wurde sie ungeplant schwanger. Ihr Leben veränderte sich von heute auf morgen: Plötzlich war sie keine Schülerin mehr, sondern ging von Haus zu Haus, um für wenig Geld ihre Dienste als Haushälterin, zum Putzen und Wäschewaschen anzubieten.

Als sie 17 war, traf sie einen Mann, der sie heiraten und sich um sie und ihre Tochter kümmern wollte. Doch statt einer Hochzeit wurde Emmarzia erneut schwanger – und ihr Freund ließ sie sitzen. „Meiner Mutter war es sehr peinlich und sie war wütend auf mich“, erinnert sich Emmarzia. „Sie verließ uns und zog zurück in das Dorf, aus dem sie kommt.“

Eine junge Frau steht vor einer Hütte und blickt ernst.
Emmarzia vor ihrer Hütte.Signe Vilstrup

„Zum ersten Mal in meinem Leben glaube ich an mich selbst.“

Emmarzia

Jetzt war ihr Bruder Herr des Hauses – und auch er reagierte zornig: „Er warf mich und meine Tochter raus“, erzählt die junge Mutter. „Mitten in der Nacht stand ich auf der Straße mit einem Baby im Bauch und einem Kind an der Hand. Wir konnten nirgendwo hin gehen. Ich ertrage es nicht, daran zu denken. Wir waren ganz allein auf der Welt.“

Finanzielle Selbsständigkeit

Doch dann bekam Emmariza doch noch Unterstützung: Ein Darlehen von 150 Kenia-Schilling (ca. 1,18 Euro) ermöglichte es ihr, ein Geschäft zu gründen: sie ging von Tür zu Tür und verkaufte Haferflocken. Ein paar Jahre später hatte sie genug Geld verdient, um ihren eigenen Stand zu eröffnen, an dem sie Suppe, Kuchen und Brot verkauft. „Das erste Mal in meinem Leben glaube ich an mich selbst“, sagt Emmariza heute. Auch die Schule für ihre Kinder kann sie sich jetzt leisten – und die beiden haben große Träume: Sie wollen Ingenieurin, Ärztin oder Flugzeugmechanikerin werden.

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