Aisha: Dritte Frau eines 72-Jährigen

Foto: Signe Vilstrup

Aisha schläft mal hier, mal dort – doch ihr großes Ziel, ihre Schulbildung abzuschließen, hat sie immer fest vor Augen. In unserer Reihe über das Leben in Kenias größtem Slum Kibera erzählen elf junge Frauen ihre Geschichten.

Es war ein winziges Geräusch. Das Geräusch eines Neugeborenen, das leise quietschte. Die Männer hörten es, als sie auf dem Weg zur Moschee waren. Es waren vier von ihnen, die sich durch die gewundenen Pfade von Kibera schlugen – aber nur einer schaute nach unten und sah den kleinen Körper, der in ein Tuch und Zeitungspapier eingewickelt war und in der Gosse zwischen verdorbenen Lebensmitteln und Schlamm lag.

Dieses kleine Bündel war Aisha, etwa drei Tage alt. Die Nabelschnur war noch nicht abgetrennt. Die Männer hoben das Baby auf und brachten es zu Mama Mary, die sich um die Kinder kümmert, die andere nicht haben wollten. Sechs Monate später kam Aisha in eine Familie, die sie – so sagt Aisha – nur aufnahm, um „bei Gott zu punkten“. Nicht, weil sie den aufrichtigen Wunsch hatte, dem kleinen Leben, das in der Gosse begonnen hatte, ein richtiges Zuhause zu geben.

„Ich möchte nicht wie meine Adoptivmutter enden“

Aishas Kindheit war voller Gewalt und Missbrauch durch ihren Stiefvater und ihre Nachbarn. Dreimal wurde sie an verschiedene Männer verheiratet – beim dritten Mal war sie gerade 15 Jahre alt und wurde die dritte Frau eines 72-Jährigen. Sie floh und landete auf der Straße.

Ein Porträt einer Frau, auf deren Gesicht im Schatten ist. Ein wenig Licht scheint durch ein Gitter, das Muster des Schattens ist auf ihrem Gesicht zu sehen.
Aisha möchte ausgebildet werden, um ihr eigenes Geld verdienen zu können.Signe Vilstrup

„Meine Adoptivmutter ist in einer extrem gewalttätigen Ehe gefangen.“

Aisha, lebt in Kibera

Obwohl sie kein Zuhause mehr hatte, kämpfte sie darum, weiterhin die Schule besuchen zu können. Heute ist Aisha 22 Jahre alt und betreibt Couch-Surfing: Sie übernachtet drei, vier Nächte bei Menschen, die sie kennt. Alles, was sie besitzt, passt in einen Rucksack.

„Ich muss ausgebildet werden, damit ich nicht wie meine Adoptivmutter ende“, sagt sie. „Sie ist in einer extrem gewalttätigen Ehe gefangen, weil sie keine Ausbildung hat und keine Möglichkeit, ihr eigenes Geld zu verdienen.“

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