Coronavirus: Zur Situation auf den Philippinen


Die Klima-Aktivistin Marinel Ubaldo (22) ist schon seit langem für Plan International aktiv. Die zunehmende Ausbreitung des Corona-Virus trifft auch sie. Hier erzählt sie von den Auswirkungen von Covid-19 auf ihr Leben und die Philippinen.

Stand: 24.03.2020

Foto © Werner Gritzbach

„Ich habe positive und negative Veränderungen durch Covid-19 erlebt. Es ist positiv, dass ich mir bewusster über meine Umwelt und meine Gesundheit geworden bin und die Momente mit meiner Familie mehr wertschätze. Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie zu verbringen. Allerdings habe ich auch festgestellt, wie unvorhersehbar das Leben jetzt ist. Covid-19 hat mir gezeigt, dass Geld und Materielles nichts wert ist, wenn deine Gesundheit auf dem Spiel steht. Am Ende des Tages werden wir alle zu unseren Wurzeln zurückkehren müssen. Mir wird jetzt klar, was es für Menschen bedeutet, keine Ersparnisse zu haben, um einen Vorrat an Lebensmitteln für die Quarantäne anzulegen. Außerdem habe ich gemerkt, dass große Unternehmen nichts ohne ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, die meist Überstunden für die Unternehmen machen und schlecht bezahlt werden. Führungskräfte sind nichts ohne ihre Arbeitskräfte.

Vorher bin ich war ich nie lange an einem Ort, sondern war viel unterwegs. Ich war in vielen Organisationen aktiv, habe Multitasking gemacht und bin mit Freunden essen gegangen. Jetzt bleibe ich die ganze Zeit zu Hause und bekomme nur durch die sozialen Medien Nachrichten. Mein Leben hat angehalten, als uns gesagt wurde, dass wir zu Hause bleiben sollen.

Unsere Provinz und viele Städte auf den Philippinen befinden sich in einer erweiterten Gemeinschaftsquarantäne. Wir wurden angewiesen, zu Hause zu bleiben und nicht rauszugehen. Wir können uns schützen, wenn wir die Richtlinien des Gesundheitsministeriums befolgen. Dazu zählt: nicht aus dem Haus zu gehen, soziale Distanz zu halten, unsere Hände zu waschen, uns nicht ins Gesicht zu fassen und nährstoffreiches Essen zu essen.

Im Moment arbeite ich bei Plan International Philippinen und kann meine Arbeit von zu Hause aus machen. Bevor die Stadt, in der ich lebe, unter Quarantäne gestellt wurde, bin ich zu meiner Familie gefahren, damit ich in dieser schwierigen Zeit bei ihnen sein. Trotzdem kann ich meine Freunde und Verwandten jetzt nicht sehen, weil wir alle zu Hause bleiben müssen.

Zum Glück habe ich einen Job, der mich und meine Familie unterstützt. Aber weil ich den Job gerade angefangen habe, konnte ich kein Geld sparen und einen Vorrat an Essen für die Quarantäne anlegen. Meine Familie und ich warten noch auf die Unterstützung der Regierung, um unsere täglichen Bedürfnisse zu ergänzen.

Nicht jeder hat das Glück, während der sich ausbreitenden Pandemie weiterhin eine Arbeit zu haben. Viele Menschen mussten aufhören zu arbeiten und hatten keine Ersparnisse. Sie haben keine Wahl haben, außer nach draußen zu gehen und eine Arbeit zu finden, um ihre Familien ernähren zu können.

In dieser Zeit leiden arme Menschen am meisten, besonders Kinder und ältere Menschen. Sie sind am verletzlichsten und werden nicht von der Regierung unterstützt.

Ich habe Angst, dass diese Pandemie immer größer wird und es zu dem Punkt kommen wird, an dem Regierungen auf der Welt die Situation nicht mehr kontrollieren können. Ich habe Angst vor der Zukunft. Und ich habe Angst, dass ich mitten in der Krise arbeitslos werde, und davor, was in einem solchen Fall mit mir und meiner Familie passieren würde. Alles ist gerade sehr unberechenbar. Ich mache mir Sorgen, dass Covid-19 auch die ‚Ärmsten der Armen‘ erreichen wird und Kinder und benachteiligte Menschen infiziert werden. Solche Menschen haben nicht genug Geld, um sich testen zu lassen.

Allerdings habe ich noch eine positive Sache gemerkt: Es ist tatsächlich möglich, Klimawandel so anzugehen, wie wir es mit Covid-19 machen. Viele Länder haben bereits Ausgangssperren verhängt und die weltweiten Emissionen sind drastisch zurückgegangen.“

Hier erfahren Sie mehr zu unserer Arbeit in der Corona-Krise.

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