Foto © Plan International/Armstrong Too

Gemeinsam gegen weibliche Genitalverstümmelung

von Stiftung Hilfe mit Plan

Gemeinsam mit der Organisation NALA e.V. veröffentlicht Plan International zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung den eindrücklichen Kurzfilm #TheOtherVulva von Sarah Fürstenberg. Der Film macht auf sehr sensible Art und Weise deutlich, welches Leid den betroffenen Mädchen und Frauen zugefügt wird und wie weit verbreitet die grausame Praxis nach wie vor ist. So sind weltweit rund 200 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM/C*) betroffen. Auch in Deutschland liegt die Zahl der Betroffenen bei rund 70.000. Weitere 17.000 Mädchen sind gefährdet.

#TheOtherVulva: Ein Film über weibliche Genitalverstümmelung

Aufklären und Alternativen schaffen

Gemeinsam können wir uns gegen weibliche Genitalverstümmelung stark machen. Plan International ist seit vielen Jahren gegen FGM aktiv und hat bereits zahlreiche Projekte weltweit umgesetzt. Der Einsatz gegen die tief verankerte Tradition erfordert dabei ein sehr feinfühliges Vorgehen. Edell Otieno-Okoth, Referentin für das Thema weibliche Genitalverstümmelung bei Plan International Deutschland, erklärt dazu:

„In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern – und auch der EU – führen wir Projekte durch, die die Abkehr von dieser Praktik zum Ziel haben. Unser Ansatz ist es, die Menschen nicht zu zwingen, sondern sie zu überzeugen und ihnen Alternativen anzubieten, auch finanzielle. Zum Beispiel durch alternative Initiationsriten, das sind Zeremonien, bei denen die Mädchen nicht beschnitten werden. Auch sorgen wir dafür, dass Beschneiderinnen auf andere Weise ein eigenes Einkommen erwerben können.“

Das komplette Interview mit Edell Otieno-Okoth können Sie hier lesen.

Hamburger Schutzbrief jetzt bundesweit im Einsatz

Auch in Deutschland ist Plan International gegen weibliche Genitalverstümmelung in Einsatz. Zwar ist FGM in Deutschland verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Doch auch hierzulande sind zahlreiche Frauen betroffen und rund 17.000 in Deutschland lebende Mädchen sind in Gefahr, in ihren Herkunftsländern beschnitten zu werden. Plan setzt auch hier auf Programme zur Aufklärung und hat im Rahmen des Projekts „Let’s Change“ u.a. Multiplikator:innen ausgebildet, die in den Communities Aufklärungs- und Beratungsarbeit leisten. Während des Projekts entstand zudem ein Schutzbrief gegen weibliche Genitalverstümmelung, der in Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg herausgegeben wurde. Er gibt Familien Argumente und ein offizielles Dokument an die Hand, um sich in ihren Herkunftsländern gegen den dort herrschenden gesellschaftlichen und familiären Druck zur Wehr zu setzen und zu verhindern, dass ihre Töchter gegen ihren Willen beschnitten werden. Diesen Schutzbrief gibt es ab sofort auch auf Bundesebene, wie Bundesfrauenministerin Franziska Giffey zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung verkündet. Ein großer Erfolg! Der Schutz soll künftig bei NGOs, Beratungsstellen und Arztpraxen ausliegen.

Aktuelle Projekte gegen FGM

Die Stiftung Hilfe mit Plan fördert derzeit zwei Projekte in Westafrika, die sich gegen weibliche Genitalverstümmelung einsetzen:

Mali

Foto © Plan International / Ilvy Njiokiktjien

 

In Mali wird aktuell das Projekt "Starke Stimmen gegen weibliche Beschneidung" umgesetzt. Der Fokus des Projekts liegt auf der Aufklärung über die schweren Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung und wird in 49 Projektdörfern in der Region Kayes umgesetzt. Traditionelle Werte haben hier eine hohe Bedeutung und die meisten Mädchen werden bereits vor ihrem 5. Geburtstag beschnitten. Im Rahmen des Projekts werden:

  • Jugendliche zu Radiomoderator:innen ausgebildet, damit sie in ihren Sendungen über sexuelle und reproduktive Rechte und die Folgen von FGM/C informieren,
  • Informationsveranstaltungen in den Gemeinden durchgeführt,
  • die medizinische und psychosoziale Betreuung von Mädchen und Frauen unterstützt, die unter den Folgen der Genitalverstümmelung leiden
  • Einkommen schaffende Maßnahmen für benachteiligte Frauen gefördert.

Guinea

Foto © Johanna de Tessières/Plan International

 

In Guinea führt das Projekt "Schutz von Mädchen vor weiblicher Genitalverstümmelung" zwei bereits erfolgreich abgeschlossene Projekte in der Region fort, in deren Rahmen 30 Gemeinden eine Verzichtserklärung unterschrieben und die weibliche Genitalverstümmelung offiziell abgeschafft haben. Das aktuelle Projekt weitet die Maßnahmen nun auf 10 weitere Bezirke aus. Im Rahmen des Projekts werden:

  • generationsübergreifende Dialogveranstaltungen sowie Radioveranstaltungen durchgeführt, um die Menschen über die Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung aufzuklären,
  • die Gründung von Jugendclubs gefördert, die Aufklärungsarbeit an Schulen leisten,
  • Schulungen für rund 1330 Mädchen und 220 Mütter durchgeführt, bei denen gemeinsam alternative Riten entwickelt werden, die den Übergang der Mädchen in die Erwachsenenwelt und damit ihre feierliche Aufnahme in die Gesellschaft der Frauen symbolisieren,
  • die Gründung von Spargruppen unterstützt.

Sie möchten sich gegen weibliche Genitalverstümmelung stark machen? Wir erzählen Ihnen gerne mehr zu unseren aktuellen Projekten und wie Sie diese unterstützen können. Sprechen Sie uns an.


Louise von Hobe-Gelting & Team

Tel.: 040 / 607 716 - 260
E-Mail: info@stiftung-hilfe-mit-plan.de

* FGM/C = Female Genitale Mutilation/Cutting

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