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Eine junge Geflüchtete, fotografiert in der Region Akkar, Nordlibanon. © Plan International / Sima Diab
Eine junge Geflüchtete, fotografiert in der Region Akkar, Nordlibanon. © Plan International / Sima Diab
18.06.2019

Report von Plan International zum Welt-Flüchtlingstag: Mädchen in Beiruter Flüchtlingssiedlungen leiden unter Gewalt und Isolation

Hamburg, 18.06.2019 – 

Mädchen in Beiruter Flüchtlingssiedlungen sind mit beunruhigender Regelmäßigkeit sexualisierter und physischer Gewalt sowie Belästigung in ihrem Alltag ausgesetzt. Fast 70 Prozent der von Plan International in den beiden großen Beiruter Flüchtlingssiedlungen Shatila und Bourj Al Barajneh sowie in Nabaa zu ihrer Lebenssituation befragten Mädchen gaben an, nicht einmal tagsüber ihre Unterkünfte mit einem sicheren Gefühl verlassen zu können. Sie fühlen sich bedroht von betrunkenen oder Drogen konsumierenden Männern in ihrer direkten Umgebung. Sie haben Angst vor Vergewaltigung und Kidnapping und ihre Eltern verbieten es ihnen, das Haus alleine zu verlassen. Dreiviertel aller befragten Mädchen fühlt sich deshalb einsam und isoliert, so die Ergebnisse des Reports „Heranwachsende Mädchen in Krisenregionen. Stimmen aus Beirut,“ der Kinderhilfsorganisation Plan International.

Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland: „In den völlig überfüllten Flüchtlingssiedlungen sind die Bedürfnisse von Mädchen unsichtbar. Mittlerweile kommt im Libanon auf etwa jeden vierten Bewohner ein Flüchtling. Der Druck auf Ressourcen ist immens, und Mädchen leiden besonders darunter. Aus Angst vor sexuellen Übergriffen werden sie weggeschlossen und leben auf kleinstem Raum ohne jede Perspektive. Es ist begrüßenswert, dass die Bundesregierung Mittel zur humanitären Hilfe vor Ort zur Verfügung stellt. Jedoch fordern wir, dass sie die Gelder zur humanitären Hilfe zielgerichtet zur Stärkung und eigenständigen Entwicklung von Mädchen einsetzt. Jedes Mädchen muss zur Schule gehen können und vor Frühverheiratung geschützt werden. Außerdem brauchen sie geschützte Räume, wo sie sich mit Gleichaltrigen treffen können.“

In Bezug auf Bildungschancen ergaben sich klare Unterschiede zwischen libanesischen, palästinensischen und syrischen Mädchen. Mehr als 70 Prozent der wegen des Syrienkrieges ab 2011 nach Beirut geflohenen syrischen Mädchen gaben an, die Schule gar nicht oder nur unregelmäßig besuchen zu können. Bei den libanesischen und palästinensischen Mädchen waren es maximal 30 Prozent. Im Unterschied zu libanesischen Mädchen und Mädchen aus palästinensischen Familien - die bereits seit Jahrzehnten unter dem Schutz des UN-Hilfswerks für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) in Beirut leben - scheitert der Schulbesuch der syrischen Mädchen daran, dass sie die von der UNRWA bereit gestellten Schulen nicht nutzen dürfen. In den öffentlichen und privaten Schulen sind die administrativen Hürden wie auch die Kosten so hoch, dass Eltern es meist aufgeben, ihre Töchter einzuschulen. Stattdessen betrachten manche eine frühe Heirat als besten Schutz. Die befragten Mädchen berichteten, dass Bekannte in ihrem Umfeld bereits ab 13 Jahren heiraten müssen.

Der Libanon ist Heimat für viele Geflüchtete. Neben 450.000 offiziell registrierten palästinensischen Flüchtlingen, die teils schon seit vielen Jahrzehnten in dem kleinen Land unter UN-Protektorat leben, kamen infolge des Bürgerkrieges vermutlich mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien dazu. Teils Palästinenser, die bereits in Syrien als Geflüchtete lebten und nun erneut fliehen mussten, vor allem aber Syrer auf der Flucht vor Gewalt. Damit beherbergt das kleine Land im Vergleich zu seiner Einwohnerzahl extrem viele Flüchtlinge. Die vielen Schutzsuchenden haben die Ressourcen knapp werden und die Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen zunehmen lassen, zumal die Gruppen alle einen unterschiedlichen Rechtstatus haben.

Mit dem Report  „Heranwachsende Mädchen in der Krise. Stimmen aus Beirut“ gibt Plan Mädchen in einem prekären humanitären Kontext eine Stimme, um Maßnahmen starten zu können, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Für den Report wurden 400 Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren in den Flüchtlingscamps Shatila, Bourj Al Barajneh sowie dem dicht besiedelten Vorort Nabaa nahe Bourj Hammoud befragt, sowie Gespräche mit Eltern, Brüdern, Lehrern und anderen Entscheidungsträgern durchgeführt.


Weitere Informationen:

Plan International Deutschland e.V., Kommunikation, Bramfelder Str. 70, 22305 Hamburg

Sabine Marxen, Leiterin des Presseteams, Tel. 040 61140-278

Claudia Ulferts, Pressereferentin, Tel. 040 61140-267, presse(at)plan.de


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