Staatssekretär Ralf Kleindiek vom Bundesfamilienministerium mit den Jugendlichen Tarek, Yahia, Yamama, Yara und Evana sowie Katharina Küsters, Robert Jesse und Niklas Nal von Plan International Deutschland. © Michael Fahrig
Staatssekretär Ralf Kleindiek vom Bundesfamilienministerium mit den Jugendlichen Tarek, Yahia, Yamama, Yara und Evana sowie Katharina Küsters, Robert Jesse und Niklas Nal von Plan International Deutschland. © Michael Fahrig
20.06.2017

Schutz von Geflüchteten: „Mit ihnen sprechen, nicht über sie“

Plan International Deutschland und junge Flüchtlinge geben Bundesfamilienministerium Feedback zur Situation in deutschen Unterkünften

Hamburg, 20. Juni 2017 – Flüchtlinge in Deutschland dürfen nicht isoliert werden: Plan International Deutschland war es ein besonderes Anliegen, geflüchtete Kinder und Erwachsene an der Überarbeitung bundeseinheitlicher Mindeststandards zu ihrem Schutz in Flüchtlingsunterkünften zu beteiligen. Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni macht die Kinderhilfsorganisation darauf aufmerksam, wie wichtig es für den Schutz von Geflüchteten ist, sie zu ihrer Situation zu befragen. Ihr Feedback zeigt, dass die Bedeutung der Mindeststandards auch unter den Geflüchteten unbestritten, ihre Umsetzung jedoch nicht überall Realität ist.

Bei einem Besuch im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) überreichten Jugendliche aus Hamburger Unterkünften ihre gemeinsam mit Plan International Deutschland erarbeiteten Empfehlungen an Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär des Bundesfamilienministeriums, und an UNICEF. „Ich freue mich, dass die Jugendlichen sich auf den Weg nach Berlin gemacht haben, um ihre Sicht der Dinge persönlich zu schildern“, sagte Kleindiek. „Die Menschen in den Flüchtlingsunterkünften dürfen nicht isoliert werden, wir müssen sie anhören. Es ist sehr wichtig, dass eine Organisation wie Plan International die Menschen fragt, die die Mindeststandards betreffen. Ihr Feedback hilft uns, die Situation in den Unterkünften besser zu verstehen und das Schutzkonzept um wichtige Aspekte zu ergänzen.“

„Mitsprache darf kein Luxus sein, es ist ein Recht“, bekräftigt Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland. „Kinder und Jugendliche wollen eingebunden werden in die Prozesse, die sie betreffen. Darum ist es für uns als Kinderrechtsorganisation so wichtig, ihnen eine Stimme zu geben und sie an der Lösungsfindung zu beteiligen. Die Situation in den Flüchtlingsunterkünften lässt sich nur einem Realitätscheck unterziehen und verbessern, wenn wir ihre Blickwinkel einbeziehen.“

Im Rahmen von Gesprächsgruppen und Workshops hatten insgesamt 138 geflüchtete Kinder, Frauen und Männer in den vergangenen Monaten ihre Perspektive geschildert. Ihr Feedback teilte Plan International Deutschland mit dem Bundesfamilienministerium. Die Befragten äußerten den Wunsch nach einer stärkeren und unabhängigeren Überprüfung, was die Umsetzung des Schutzkonzeptes betrifft. Besonders hervorgehoben wurde, wie wichtig es ist, dass es klare Anlaufstellen für die verschiedenen Probleme gibt und auch Frauen als Ansprechpartnerinnen, wie beispielsweise Dolmetscherinnen. Eine weitere Herausforderung stellt der Umgang mit Geflüchteten dar, die sich radikalisieren. Auch hier konnte die Empfehlung der Befragten in die aktuellen Mindeststandards einfließen, was zu tun ist, wenn Einzelne eine Gefahr für andere Bewohnerinnen und Bewohner darstellen.

Unter dem Dach des Bundesfamilienministeriums und UNICEF hat die Bundesinitiative zum „Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“ gemeinsam mit einem breiten Netzwerk aus weiteren Partnern die deutschlandweiten Mindeststandards überarbeitet. Diese Leitlinien sollen in allen Flüchtlingsunterkünften in Deutschland umgesetzt und eingehalten werden. Es wurde vereinbart, diese Mindeststandards regelmäßig zu aktualisieren. Pünktlich zum Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen wird die gemeinsam überarbeitete und erweiterte Auflage veröffentlicht.

Plans bisheriges Engagement im Bereich Partizipation zeigte jedenfalls Wirkung: „Alle Jugendliche, mit denen wir sprachen“ berichtet Maike Röttger, „haben ein ganz klares Interesse an der Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft bekundet."

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