30.01.2015

Infos zum Thema Kinderarbeit

Nach Schätzungen der ILO sind etwa 168 Millionen Kinder weltweit von Kinderarbeit betroffen. Die Gründe dafür reichen von wirtschaftlicher Armut oder mangelnder Bildung bis hin zu diskriminierenden Traditionen. Bildung ist auch hier ein Schlüssel, dem Kreislauf der Armut zu entkommen.

Wo ist die Grenze zwischen Hilfe im Haushalt und Kinderarbeit?
Weltweit verrichten Kinder jeden Tag kleine Arbeiten. Sie helfen ihren Eltern im Haushalt oder führen kleine Nebentätigkeiten nach der Schule aus. Diese Tätigkeiten stärken ihre persönliche Kompetenz und lehren sie Verantwortung zu tragen.

In vielen Ländern jedoch leistet die Mehrheit der Kinder schwere und gefährliche Arbeit, weil sie zum Familienunterhalt beitragen müssen. Sie können nicht zur Schule gehen und werden häufig ausgebeutet und misshandelt. Grundlegende Rechte auf Bildung, Gesundheit, Schutz und Beteiligung werden ihnen verwehrt.

Wie wird Kinderarbeit definiert?
Laut Kinderrechtskonvention und ILO (Internationale Arbeitsorganisation /  Sonderorganisation der UN) bezeichnet Kinderarbeit jegliche Art von Arbeit von Minderjährigen, die negative Folgen für ihre geistige, soziale und gesundheitliche Entwicklung hat und die die Grundrechte der Kinder auf Bildung, Gesundheit, Schutz und Beteiligung verletzt. Dazu gehört nicht nur ausbeuterische oder gefährliche Arbeit, sondern auch extrem schwere Arbeit im familiären Umfeld.

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF definiert Kinderarbeit als schädlich und ausbeuterisch bei:

  • zu vielen Arbeitsstunden pro Tag
  • unzureichender Bezahlung
  • Arbeiten in gefährlicher Umgebung
  • Arbeiten mit zu großer Verantwortung
  • Arbeiten, die körperlich und seelisch belastend sind
  • Arbeiten, die Würde und Selbstwertgefühl der Kinder untergraben
  • Arbeiten, die den Schulbesuch verhindern


Wie viele Kinder sind betroffen?
Nach Schätzungen der ILO sind etwa 168 Millionen Kinder weltweit von Kinderarbeit betroffen. 85 Millionen von ihnen, also mehr als die Hälfte, müssen gefährliche Arbeiten verrichten.

Wo findet Kinderarbeit statt?
Regionale Schätzungen der ILO gehen davon aus, dass über 78 Millionen der Mädchen und Jungen in Asien und im pazifischen Raum arbeiten müssen, gefolgt von 59 Millionen arbeitenden Kindern in Afrika und 12,5 Millionen in Lateinamerika.

In der Landwirtschaft arbeiten mit Abstand die meisten Kinder (98 Millionen Kinder, d.h. 59 Prozent aller arbeitenden Kinder), gefolgt von Dienstleistungen wie zum Beispiel Haushaltshilfen (54 Millionen) und der Industrie (12 Millionen).

Welche Formen von Kinderarbeit gibt es?
Kinderarbeit hat viele Gesichter. Die Mehrheit der Mädchen und Jungen arbeiten im privatem Umfeld, beispielsweise in Haushalten und in der Landwirtschaft, aber auch in der eigenen Familie. Sie betreuen Geschwister oder müssen Wasser holen. Negative Auswirkungen haben diese Arbeiten, wenn die Kinder körperlich zu sehr beansprucht werden oder zu wenig oder kaum Zeit zum Spielen oder für die Schule haben.  

Die schlimmsten Formen von Kinderarbeit sind laut Definition der ILO gefährliche Kinderarbeit sowie unerträgliche Formen von Kinderarbeit.

Unter gefährlicher Kinderarbeit versteht man Arbeiten mit gefährlichen Stoffen oder an gefährlichen Orten, sehr junge arbeitende Kinder unter zwölf Jahren sowie lange Arbeitszeiten. Zehn Prozent der schwer arbeitenden Mädchen und Jungen sind in exportorientierten Bereichen tätig: Sie knüpfen zum Beispiel Teppiche, arbeiten in Steinbrüchen und Bergwerken oder ernten Kakao und Kaffee.

Bei den unerträglichen Formen von Kinderarbeit werden Mädchen und Jungen extrem ausgebeutet oder geschädigt. Gemäß der ILO Konvention 182 gehören dazu sämtliche Formen der Zwangsarbeit, wie beispielsweise Schuldknechtschaft, Prostitution, Pornografie, Kinderhandel sowie der Einsatz von Kindern für kriminelle Aktivitäten und als Kindersoldaten.

Was sind die Ursachen für Kinderarbeit?
Die Ursachen für Kinderarbeit sind vielfältig: Wirtschaftliche Armut, mangelnde Bildung sowie diskriminierende Traditionen spielen eine große Rolle. Kinderarbeit spiegelt aber auch gesellschaftliches Denken wider. Sie ist in Gesellschaften anzutreffen, in denen Kindheit, Kinderrechte und Schulbildung nicht als wichtig erachtet werden und in denen es eine große Nachfrage nach billigen Arbeitskräften gibt.

Welche Folgen hat Kinderarbeit?
Kinderarbeit verhindert, dass Kinder zur Schule gehen können. Infolge körperlich schwerer Arbeit und durch die psychische Belastung werden viele Kinder chronisch krank. So können sie später keiner bezahlten Tätigkeit mehr nachgehen - der Kreislauf der Armut schließt sich.

Die schwere körperliche Arbeit geht nicht spurlos an den Kindern vorüber: Gebrochene Arme oder Beine, Rückenschmerzen, Verbrennungen, Hauterkrankungen, Blindheit, Taubheit, Atemnot, Kopf- oder Magenschmerzen sind häufige Folgen. Luftmangel in den Schächten der Minen, Staub auf den Feldern oder bei Straßenarbeiten und die Fasern der Baumwolle beim Teppichknüpfen schädigen die Lungen der Kinder. Viele Kinder sterben an den Folgen von Tuberkulose, Asthma oder Verätzungen durch Chemikalien. Neben den verschiedenen körperlichen Schäden sind viele Kinder traumatisiert und mutlos. Da viele arbeitende Kinder kaum lesen und schreiben können harren sie in diesen Arbeitsverhältnissen aus.

Gibt es gesellschaftliche Gruppen, die besonders betroffen sind?
Vor allem Kinder einzelner Volksgruppen oder Einwanderer sind von Kinderarbeit betroffen. Hier wird die Praxis besonders wenig hinterfragt. In Indien und Nepal ist es zum Beispiel üblich, dass Mädchen und Jungen, die der niederen Kaste der „Dalit“, der „Unberührbaren“ oder der Volksgruppe „Adivasi“ angehören, arbeiten. Besonders Mädchen haben es schwer. Sie werden wesentlich stärker benachteiligt und haben in vielen Gesellschaften einen geringen Stellenwert.

Unter welcher Form von Kinderarbeit leiden Mädchen ganz besonders?
Als Hausmädchen oder Hausangestellte werden Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr bezeichnet, die gegen Geld oder materielle Gegenleistung in Haushalten arbeiten müssen. Betroffen sind vor allem Mädchen. Sie müssen die üblichen Hausarbeiten erledigen: Wasser holen, Holz sammeln, Kleinkinder betreuen, kranke Angehörige pflegen und vieles mehr. Dieses ist eine sehr verbreitete Form der Kinderarbeit, die aber statistisch nur schwer zu erfassen ist.

Zu den Hausmädchen zählen auch Mädchen, die in der eigenen Familie arbeiten
müssen, sei es, weil die Mutter gestorben oder berufstätig ist. Weltweit arbeiten Millionen von Mädchen und jungen Frauen - in geringer Zahl auch Jungen - in privaten Haushalten. Manche von ihnen beginnen schon im Alter von acht Jahren. Hausmädchen sind leicht auszubeuten. Sie sind willig, gut zu kontrollieren und oft der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert. Arbeitsverträge gibt es kaum, und die Mädchen können ihre Rechte nicht einfordern, beispielsweise wenn ihnen kein Lohn gezahlt wird.

Jeden Tag zehn Stunden Feldarbeit – wie sollen Kinder das bewältigen?
Das ist in der Tat schwer vorstellbar. Häufig setzt sich Kinderarbeit aus verschiedenen Tätigkeiten zusammen. Den ganzen Tag auf dem Feld werden Kinder und Jugendliche vor allem während der Erntesaison eingesetzt, ansonsten werden Kinder in ländlichen Regionen neben der Arbeit auf dem Feld auch zur Hausarbeit herangezogen, zur Betreuung von jüngeren Geschwistern und der Pflege von kranken Angehörigen sowie zum Holen von Wasser und Feuerholz.

Was tut die Staatengemeinschaft gegen Kinderarbeit?
1989 unterzeichneten alle Staaten - mit Ausnahme von Somalia und den USA - die Konvention über die Rechte des Kindes. Inzwischen ist sie auch von fast allen Staaten ratifiziert worden. Die Kinderrechtskonvention ist das erste internationale Abkommen, das allgemein gültige, rechtlich verbindliche Standards für eine Kindheit aufstellt und Kinderrechte verbindlich zusammenfasst. Sie macht deutlich, dass Kindheit eine vom Erwachsenenalter getrennte Lebensphase ist und als ein geschützter Raum anzusehen ist.

Staaten, die die Konvention ratifiziert haben, verpflichten sich, durch entsprechende nationale Gesetze die Rechte des Kindes zu sichern. So sieht beispielsweise Artikel 32 den Schutz des Kindes vor wirtschaftlicher Ausbeutung, Artikel 34 den Schutz vor sexuellem Missbrauch und Artikel 38 den Schutz bei bewaffneten Konflikten vor.

Wie kann Plan Kinderarbeit verhindern?
Gemeinsam mit den Mädchen und Jungen, ihren Familien und Gemeinden setzt sich Plan für die Umsetzung der Kinderrechte ein. Das Recht des Kindes auf Bildung, Gesundheit, Schutz und Freizeit muss auch für arbeitende Kinder gewahrt werden, indem die Arbeitspflichten auf ein sehr niedriges Niveau reduziert werden und die Kinder eine Grundbildung erhalten. Extreme Formen von Kinderarbeit lehnt Plan ab und engagiert sich national und international für deren Abschaffung. Plan unterstützt:

Aufklärungskampagnen, um die Menschen über die Folgen von Kinderarbeit und die Rechte der Kinder auf Bildung und Freizeit zu informieren.
Gesundheits- und Bildungseinrichtungen für arbeitende Kinder.
Alternative Erwerbsquellen und Kleinkredit-Programme, damit die Familien über ein ausreichendes Einkommen verfügen und ihre Kinder keine bezahlte Arbeit ausüben müssen.
Programme, die sich um die Rechte von Waisen kümmern und ihnen den Erwerb von Fertigkeiten ermöglichen, die im Erwachsenenleben hilfreich sind.
Programme zur Verbesserung der Bildungssysteme.
Einrichtung von Beratungs- und Anlaufstellen für Straßenkinder (z.B. in Vietnam)
Unterstützung der Regierungen bei der Erarbeitung von Strategien zur Umsetzung der Kinderrechtskonvention sowie Aktionsplänen zur Prävention und Abschaffung von Kinderrechtsverletzungen, wie beispielsweiseder Kinderarbeit.

Welche Möglichkeiten gibt es, Plans Maßnahmen gegen Kinderarbeit zu unterstützen?
Mit der Übernahme einer Patenschaft oder einer Spende in den Mädchenfonds tragen die Paten und Förderer ganz wesentlich dazu bei, die Position der Mädchen und Jungen in ihren Familien und Gemeinden zu stärken. Gemeinsam mit den Kindern, Familien und Gemeinden setzt sich Plan sich dafür ein, dass die Mädchen und Jungen ihre Rechte auf Bildung, Gesundheit, Schutz, Freizeit und gesellschaftliche Teilhabe wahrnehmen können. Einen besonderen Fokus legt Pan darauf, Mädchen und Jungen weltweit den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, alle Kinder und Jugendliche sollen die Schule besuchen und abschließen können, auch wenn sie im Haushalt und auf dem  Feld helfen müssen.

Außerdem werden über die Patenschafts-Beiträge Familien in strukturschwachen Regionen  mit Mikrokreditprogrammen und Schulungen dabei unterstützt, das Familien-Einkommen zu sichern, so dass die Kinder keiner bezahlbaren Arbeit nachgehen müssen. 


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