Die App "Reprodutiva" hilft Jugendlichen in Timor-Leste, Informationen über Sexualität und Gesundheit zu erhalten. © Plan International
Die App "Reprodutiva" hilft Jugendlichen in Timor-Leste, Informationen über Sexualität und Gesundheit zu erhalten. © Plan International
25.04.2018

Vier Schritte zur digitalen Gleichberechtigung

Weltweit nutzen weniger Frauen als Männer das Internet und Technik. Heute ist der Tag für Mädchen in der Informations- und Kommunikationstechnik (engl.: „Girls in ICT Day“). Deshalb macht Plan International darauf aufmerksam, dass die Gleichberechtigung von Mädchen bei  Internet und Technik vorangetrieben werden muss.

Trotz der Bemühungen in den vergangenen 20 Jahren, Gleichberechtigung zu erreichen, müssen Mädchen und Frauen aufgrund ihres Geschlechts immer noch Hürden überwinden, wenn es um digitales Training, Erfahrungen, Karrieren und Möglichkeiten geht. Am größten ist dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern, die so genannte „digital gender gap“ in Südasien: Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen ein Mobiltelefon besitzen. ist um 26 Prozent geringer als bei Männern. Diese Geschlechterkluft ist in den letzten Jahren nicht kleiner, sondern größer geworden.

Damit Mädchen und Frauen in der digitalen Welt Erfolg haben können, müssen vier Schritte passieren:

1. Gleiche Bildung für Mädchen

Der erste Schritt, um den Zugang zu digitaler Technologie für Mädchen und Frauen zu verbessern, ist, die Bildung und die Teilhabe der Mädchen in diesen Gebieten zu fördern. So haben sie in Zukunft die gleichen Chancen auf dem IT-Arbeitsmarkt.

Dazu müssen Regierungen, Familien, Gemeinden und Organisationen die Stereotype anfechten, die Mädchen davon abhalten, Berufe der Informations- und Kommunikationstechnik zu studieren.

Dies kann man zum Beispiel erreichen, indem man Vorbilder und Mentoren für die Mädchen fördert, sodass sie in dem Wissen aufwachsen können, dass ihr Geschlecht kein Hindernis für ihren späteren Beruf darstellt.

In Partnerschaft mit „Accenture“ hilft Plan International Brasilien mit dem Projekt „Youth Building the Future“ (dt. etwa: „Jugendliche gestalten die Zukunft“) jungen Frauen, häufiger Karrieren in der Informations- und Kommunikationstechnik zu verfolgen. Sie können dafür Qualifikationen durch Kompetenztraining und Karriereberatung erhalten.


2. Gleicher Zugang zur Technik und gleiche Nutzungsmöglichkeiten

Mädchen zögern häufig, an Computer-Klassen teilzunehmen oder Internet-Cafés zu besuchen, weil diese von Männern dominiert werden oder sich an Orten befinden, zu denen Frauen keinen Zugang haben. Dies kann behoben werden, indem man Kurse und Veranstaltungen für Mädchen an Orten veranstaltet, die ihnen zugänglich sind. 

Aber wir müssen Mädchen und Frauen auch fragen, wozu sie Technik benötigen und wie sie diese nutzen wollen. In Timor-Leste wurde deshalb die neue Smartphone-App „Reprodutiva“ eingeführt, die Jugendlichen einen sicheren und vertraulichen Ort bietet, an dem Experten ihre Fragen zu sexueller Gesundheit und Fortpflanzung beantworten. Diese Themen sind in Timor-Leste normalerweise tabu und werden kaum im Schulunterricht besprochen. In Gruppenchats können sie außerdem hilfreiche Tipps austauschen. Zudem haben junge Userinnen und User die Möglichkeit, individuell beraten zu werden und medizinische Termine über die App zu vereinbaren.

Die App hilft so auch, frühe Schwangerschaften zu bekämpfen. Entwickelt wurde sie von Plan International Timor-Leste gemeinsam mit „Marie Stopes“, einer Organisation, die sich für sexuelle Gesundheit engagiert.

3. Digitale Sicherheit für Mädchen

Sicherheit von Mädchen und Frauen im Internet ist eine berechtigte Sorge. Oft erfahren Mädchen online dieselben Formen von Gewalt, Belästigung und Missbrauch, denen sie auch woanders begegnen. Es muss deshalb sichergestellt werden, dass Mädchen sich dieser Risiken bewusst sind und wissen, wen sie kontaktieren können, wenn sie etwas stört. 

Gemeinsam mit „Telenor Pakistan“ hat Plan International Informatikräume in 44 Schulen in Muzaffargarh, Vehari, Thatta und Nowshera eingerichtet. Das “Safe Internet and School Outreach Programme” (dt. etwa: Programm für sicheres Internet) hat außerdem über 200 Lehrer ausgebildet und über 8300 Mädchen in benachteiligten Gemeinden Pakistans erreicht. Den Schülerinnen wird nicht nur beigebracht, diverse Computerprogramme und Internetseiten zu nutzen, sondern sie erhalten auch ein Training zur Sicherheit im Internet, das ihnen hilft, Belästigung und Missbrauch online zu erkennen und zu vermeiden.

4. Mädchen und Frauen befähigen, digitale Technik selbst zu entwickeln

Der Großteil unserer heutigen Technik und digitalen Inhalte wurde von Männern entwickelt. Forschungen haben jedoch gezeigt, dass Mädchen und Frauen Technik und das Internet oft anders verwenden als Jungen und Männer. Deshalb haben sie vermutlich auch andere Bedürfnisse.
Wenn wir Mädchen und Frauen im digitalen Bereich mit Männern und Jungen gleichstellen wollen, ist es wichtig, ihnen auch die Möglichkeit zu bieten, Technik selbst zu entwickeln.

In Uganda bildet das Projekt „SmartUp Factory“ ausgegrenzte Mädchen und Frauen in Bereich Informatik aus und vermittelt ihnen die Fähigkeiten, um die Technik zu entwickeln, die für Mädchen relevant und nützlich ist. 

Die 20-Jährige Fiona profitiert von der „SmartUp Factory“: „Dank dieses Projekts liebe ich jetzt Technik. Ich habe gelernt, Apps zu entwickeln und Hardware zu programmieren. Zum Beispiel konnte ich eine App entwickeln, die einen zuverlässigen und sicheren Motorrad-Taxiservice in den Städten anbietet.“


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