Die Flüchtlinge haben meist keinen Zugang zu sauberem Wasser oder sanitären Einrichtungen. Mahmud / Map / Plan International
Die Flüchtlinge haben meist keinen Zugang zu sauberem Wasser oder sanitären Einrichtungen. Mahmud / Map / Plan International
24.10.2017

Rohingya: Katastrophale Zustände in den Flüchtlingscamps

Etwa 600.000 Rohingya sind seit August dieses Jahres vor der eskalierenden Gewalt in Myanmars Rakhine Staat in das benachbarte Bangladesch geflohen.

Mehr als die Hälfte der Menschen, die in den Flüchtlingslagern rund um die Stadt Cox's Bazar im Süden des Landes ankommen, sind Kinder - knapp ein Drittel von ihnen ist unter 5 Jahren. Viele von ihnen kommen alleine und ohne Familienangehörige. Das Risiko, dass sie Opfer von sexuellen Übergriffen, Zwangsheirat, Gewalt oder Kinderhandel werden, ist dadurch extrem hoch.

In einem Bericht der UN Menschenrechtsagentur (OHCHR) schildern Zeugen, wie Sicherheitskräfte in Myanmar ganze Dörfer anzündeten. Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen, Folter und Angriffe auf Zivilisten sind keine Seltenheit. „Die Sicherheitskräfte umzingelten unser Haus und begannen zu schießen. Es herrschte Panik - sie erschossen meine Schwester vor meinen Augen. Sie war erst sieben Jahre alt“, berichtet ein 12-jähriges Mädchen aus dem Township Rathedaung in Myanmar. „Wir hatten keine medizinische Hilfe und sie blutete so sehr, dass sie nach einem Tag starb. Ich habe sie selbst begraben."

Neuankömmlinge leben in spontanen Siedlungen, in denen der Bedarf an humanitärer Hilfe zunimmt. Die meisten Flüchtlinge leben von nur einer Mahlzeit pro Tag und haben keine Einkommensquelle. Der Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen ist stark begrenzt, die Menschen trinken von Reisfeldern und anderen unsicheren Wasserquellen im Freien.

Besonders dramatisch ist die Lage für die Mädchen und Frauen, die in die Camps kommen. Viele von ihnen haben bereits extreme Gewalt erfahren oder wurden Opfer von Vergewaltigungen. In den völlig überfüllten Flüchtlingslagern, in denen es keinen Schutz und keine Privatsphäre gibt, sind sie der permanenten Gefahr von sexuellen Übergriffen und Gewalt ausgesetzt. „Ich fühle mich nicht sicher. Wenn ich das Zelt verlasse, starrt mich jeder an. Deshalb bleibe ich meistens drinnen“, sagt die 13-jährige Nurkaida, die zusammen mit ihrer Mutter aus ihrer Heimat Myanmar geflohen ist.

Viele Kinder haben ihre Eltern verloren und kommen ohne Begleitung in den Camps an. Junge Frauen sind hochschwanger oder müssen ihre Neugeborenen versorgen - in den katastrophalen Zuständen in den Camps fast unmöglich. Die Hilfsorganisation Plan International fordert deshalb, dass sich die Nothilfe in den betroffenen Gebieten sich nicht nur auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser, Hygieneartikeln und anderen existenziellen Gütern beschränkt, sondern der Fokus auch auf den Schutz von jungen Mädchen und Frauen gerichtet wird. „Es ist unerlässlich, dass wir finanzielle Mittel für die Unterstützung dieser Menschen zur Verfügung stellen“, appelliert Plan-Landesdirektorin Orla Murphy in Bangladesch an die Internationale Gemeinschaft.

Noch immer kommen jeden Tag Tausende Flüchtlinge in Bangladesch an, ähnlich viele warten an der Grenze darauf, sie überqueren zu dürfen. Zudem hat das Militär in Myanmar Landminen verlegt und Dörfer niedergebrannt, um zu verhindern, dass die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren.

Plan International setzt Nothilfe-Maßnahmen ein, damit die Menschen mit Trinkwasser, Hygieneartikel und sanitären Anlagen wie etwa Latrinen versorgt werden. Dazu werden Schutzzonen für Kinder eingerichtet, um ihnen ein Stück Normalität mit Spielmöglichkeiten und psychologischer Betreuung zu ermöglichen.

Mit unserem Nothilfe-Fonds wird es möglich, Kindern und ihren Familien in Notsituationen schnell und unbürokratisch mit Hilfsgütern zu helfen.


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