Vor allem sozialer Druck bringt Familien und Einzelpersonen dazu, an der Praktik festzuhalten © Stefan Rumpf/Plan
Vor allem sozialer Druck bringt Familien und Einzelpersonen dazu, an der Praktik festzuhalten © Stefan Rumpf/Plan
13.04.2015

Plan nimmt am Auftakt des Bürgerdialogs der Bundesregierung teil

Heute beginnt die Regierungsstrategie „Gut leben in Deutschland – was uns wichtig ist“. Der Bürgerdialog ist für Plan ein wichtiges Forum, um das Thema weibliche Genitalverstümmelung an die Öffentlichkeit zu bringen.

Die Fragen der Bundesregierung an die Bürgerinnen und Bürger sind: „Was ist Ihnen persönlich wichtig im Leben? Was macht Ihrer Meinung nach Lebensqualität in Deutschland aus?“ Um so viele Menschen wie möglich zu erreichen, setzt die Bundesregierung nicht nur auf Ideen engagierter Bürgerinnen und Bürger, sondern auch auf die Unterstützung von Vereinen und Stiftungen, Kirchen und Sozialverbänden, Wirtschaftsvereinigungen und Gewerkschaften. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als Indikatoren für Lebensqualität dienen, an denen sich die Bundesregierung künftig orientieren wird.

Für Plan International Deutschland nimmt Gwladys Awo aus Benin an der Auftaktveranstaltung teil. Sie ist Projektleiterin des Change-Projektes in Hamburg, das sich für die Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung in Hamburg einsetzt.

Bis zu 180.000 Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund sind in Europa von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht - darunter auch Frauen in Deutschland. Die deutsche Nicht-Regierungsorganisation Terre des Femmes (TDF) schätzt, dass in Deutschland 17.852 Frauen über 20 Jahre beschnitten sind. Die Zahl der Mädchen und Frauen, die jünger als 20 Jahre sind und von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht sind oder sie bereits durchlebt haben, wird mit 5.031 veranschlagt.

Gwladys Awo sowie ihre 14 in Hamburg lebenden sogenannten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wurden von medizinischen, juristischen und psychologischen Experten zu allen weibliche Genitalverstümmelung betreffenden wichtigen Aspekten geschult. Seit 2014 führen sie private wie öffentliche Aktivitäten zu diesem Thema in ihren afrikanischen Communities durch.

„Die Befürworter nennen religiöse und kulturelle Gründe oder berufen sich einfach auf die ‚Tradition‘. Viele Überlebende der weiblichen Genitalverstümmelung sind in Strukturen aufgewachsen, in denen die Gemeinschaft über das Individuum herrscht. Das bedeutet Macht der Männer gegenüber Frauen, Macht der Familie des Mannes gegenüber der angeheirateten Frau, Macht der Älteren gegenüber den Jungen. Wir kämpfen mit unserem Projekt für Verhaltensänderungen“, sagt Awo.


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