Plan hat den Schutz von Mädchen in Krisenregionen zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht. © Vincent Tremeau
Plan hat den Schutz von Mädchen in Krisenregionen zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht. © Vincent Tremeau
24.09.2018

Mädchen in Krisen: Leben zwischen Angst und Gewalt

Neuer Bericht von Plan International zeigt: Mädchen in Krisensituationen leiden unter sexueller Gewalt, Isolation, Zwangsheirat und fehlender Bildung.

Der Bericht „Adolescent Girls in Crisis: Experiences of Risk and Resilience“ fasst drei Studien von Plan International zusammen, die in drei der größten Krisen- und Konfliktregionen der Welt durchgeführt wurden: in Südsudan, Bangladesch und der Tschadsee-Region. Befragt wurden etwa 1000 Mädchen im Alter von 10 bis 19 Jahren. Zusätzlich wurden intensive Interviews und Gruppengespräche mit etwa 400 Mädchen durchgeführt. Die Ergebnisse sind erschreckend. Obwohl sie in ganz unterschiedlichen Ländern und Kontexten leben, kämpfen die Mädchen alle mit ähnlichen Problemen: Diskriminierung, sexuelle Gewalt, Frühverheiratung und fehlendem Zugang zu Bildung.

In Südsudan ist die Situation so aussichtslos, dass jedes vierte Mädchen an Selbstmord denkt. Laut Schätzungen der UN sind dort 2 Millionen Mädchen von geschlechterbasierter Gewalt bedroht. Sie haben Angst vor Mord, Vergewaltigung, Entführung und sexuellem Missbrauch - vor allem während sie Nahrung, Wasser oder Feuerholz holen. „Ich fühle mich hier auch am Tag nicht sicher, weil viele Mädchen in der Gegend vergewaltigt werden“, erzählt ein Mädchen aus Südsudan.

In den Flüchtlingslagern der Rohingya in Bangladesch leiden Mädchen unter extremer Isolation. Sie dürfen ihre Zelte häufig nur verlassen, um Feuerholz zu sammeln oder Wasser zu holen. Grund ist die Angst davor, Opfer von Gewalt, Belästigung oder Entführung zu werden. Die meisten sind durch die Erlebnisse in ihrer alten Heimat Myanmar schwer traumatisiert. „Ich habe gesehen, wie Soldaten Menschen in Stücke geschnitten und in den Fluss geworfen haben“, sagt ein Mädchen, das jetzt in einem Camp in Bangladesch lebt. „Viele der Mädchen haben extreme Gewalt erlebt und brauchen dringend Unterstützung“, betont Orla Murphy, Plan-Länderdirektorin in Bangladesch. „Aber die können sie nicht wahrnehmen, wenn sie 24 Stunden am Tag zu Hause eingesperrt sind.“

Das Leben der Mädchen in der Tschadsee-Region, zu der die Staaten Niger, Nigeria, Tschad und Kamerun gehören, ist vor allem von Gewalt geprägt. Sie leben in einem Gebiet, in dem die Terrormiliz Boko Haram Menschen ermordet, Häuser und Schulen bombardiert und Mädchen entführt und vergewaltigt. Selbst wenn die Mädchen es schaffen zu fliehen, sind sie nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatdörfer oft massiven Anfeindungen und Stigmatisierung ausgesetzt. Sie gelten als unrein und werden von der Gemeinde verstoßen, ebenso wie die Kinder, die häufig aus den Vergewaltigungen entstehen. Sie haben keine Chance, wieder ein normales Leben zu führen. „Ich kenne ein Mädchen, das deshalb gezwungen wurde, ihren Vergewaltiger zu heiraten“, erzählt eine 13-Jährige.

In allen drei Krisenregionen ist fehlender Zugang zu Bildung ein großes Problem. Die meisten Mädchen können nicht zur Schule gehen, weil ihre Eltern sich das Geld für die Schulgebühren oder die Materialien nicht leisten können oder sie zu Hause mithelfen müssen, um einen Teil zum Einkommen beizutragen. Auch sehr weite oder gefährliche Schulwege sind ein Hindernis. Zudem wird ein Großteil der Mädchen sehr früh verheiratet und meist kurz danach schwanger, sodass sie die Schule abbrechen müssen.

Auf der UN-Generalversammlung, die momentan in New York stattfindet, macht Plan International mit einer eigenen Veranstaltung auf die zentrale Bedeutung des Schutzes von Mädchen in Krisenregionen aufmerksam. „Das Leben jedes Menschen, der Krieg, Krisen, Katastrophen oder Hunger miterleben musste, wird dadurch komplett auf den Kopf gestellt. Aber keiner leidet so sehr darunter wie Mädchen - sie sind die Hauptleidtragenden“, sagt Anne-Birgitte Albrectsen, CEO von Plan International. „Hilfsmaßnahmen, egal welcher Art, können niemals wirklich erfolgreich sein, wenn sie die Bedürfnisse von Mädchen und jungen Frauen ignorieren.“

Plan hat den Schutz von Mädchen in Krisenregionen zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht. So ist ein Teil von Plans Nothilfemaßnahmen speziell auf die Bedürfnisse von Mädchen ausgerichtet, zum Beispiel durch das Errichten sicherer Waschgelegenheiten oder das Verteilen von Menstruations-Sets.



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