Mayra und Álida fordern dazu auf, die Stimme gegen Kinderheirat zu erheben. © Plan International
Mayra und Álida fordern dazu auf, die Stimme gegen Kinderheirat zu erheben. © Plan International
03.09.2018

Mädchen in Guatemala erhalten den #HearMyVoice-Preis

Jahrelang hat eine Gruppe von Mädchen in Guatemala an einem Projekt gearbeitet, um die Rechte von Mädchen zu stärken und zu schützen. In Anerkennung ihres Einsatzes haben sie nun den #HearMyVoice-Preis für ihren Kampf gegen Kinder-, Früh- und Zwangsheirat erhalten. Mit dem Preisgeld von 5.000 Euro finanzieren die Mädchen nun ein neues Projekt gegen Kinderheirat, das auch entlegene Gemeinden erreichen soll.

Álida, Mayra, Mely und Jaquelin sind vier der insgesamt 40 Mädchen, die den Preis erhalten haben. Die Auszeichnung wird seit 2015 jährlich von Plan International Norwegen und Anita Krohn Traaseth, der Autorin und Leiterin der norwegischen nationalen Entwicklungsbank „Innovation Norway“, verliehen.

Der Preis ist dotiert mit 5.000 Euro, die die Mädchen als Kapital für ein neues Projekt einsetzen wollen. Das Projekt soll in ländlichen Gegenden Aufmerksamkeit auf das Thema Kinderheirat lenken und diese verhindern. 

Entlegene Gemeinden informieren

„Die Auszeichnung ist uns wichtig, weil wir so auch weit entlegene Gemeinden mit Informationen über die Rechte von Mädchen versorgen und erklären können, dass ein Gesetz verabschiedet wurde, dass Kinderheirat unter 18 Jahren illegal ist“, erklärt die 23-jährige Álida. 

„Die Menschen hier kennen dieses Verbot noch nicht. Sie müssen davon erfahren, sodass wir Kinderheirat beenden können“, fügt Álida hinzu. Sie lebt in Alta Verapaz im Norden Guatemalas. Dort gibt es viel Armut, was oft zu frühen Heiraten führt.

Nach einem Training werden die Mädchen das neue Projekt mit Hilfe von Plan International selbst entwerfen, organisieren und umsetzen. „Wir möchten Mädchen ihre Rechte erklären können und sogar die am weitesten entlegenen Gemeinden erreichen“, erklärt die 14-jährige Mely. 


Die Mädchen hoffen, zu einer besseren Zukunft für andere Mädchen, die in der Gegend aufwachsen, beitragen zu können. „Mein Traum ist es, dass die Rechte von Mädchen verständlicher werden, wir unsere eigenen Entscheidungen treffen können und unsere Rechte respektiert werden. Wir sollen unsere Meinung äußern und Nein zu Sachen sagen können, die wir nicht mögen“, sagt die 13-jährige Jaquelin.

Plan International arbeitet daran, Mädchen und junge Frauen in Guatemala zu stärken. Mädchen im Alter von 13 bis 24 Jahren werden zu örtlichen Workshops eingeladen, sodass sie ihre Rechte kennenlernen, ihr Selbstwertgefühl und ihre Führungsqualitäten verbessern können.

Kinderheirat wird trotz Verbot noch akzeptiert

In ihrem vorherigen Projekt setzte sich die Mädchengruppe stark für die neuste Änderung in dem Gesetz zu Kinderheirat in Guatemala ein. Zuvor durften Mädchen im Alter von 14 Jahren heiraten. Im Jahre 2015 wurde eine Heirat von Mädchen unter 18 Jahren verboten, jedoch blieb eine Gesetzeslücke bestehen. Diese machte es möglich, Kinder im Alter von 16 bis 17 Jahren zu verheiraten, wenn ein Richter die Heirat als im „besten Interesse“ des Kindes ansah.

Die Mädchen sammelten Unterschriften und forderten von der Regierung, das Gesetz zu ändern, sodass Guatemala am 17. August 2017 als viertes Land Lateinamerikas ein vollständiges Verbot von Kinderheirat erließ.

Nach diesem Erfolg sind die Mädchen entschlossen, sicherzustellen, dass das Gesetz vollständig befolgt wird. Ihr Projekt soll diese Bestrebungen bestärken, Kinderheirat zu verhindern.

„Wir müssen Aufmerksamkeit auf die Rechte von Mädchen lenken. Die größte Herausforderung ist, dass fast jeder hier Kinderheirat akzeptiert“, sagt die 21-jährige Mayra, die sich seit fast fünf Jahren für eine Veränderung einsetzt.

 


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